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Ein Mord und eine Hochzeit zur Orgel

Sommermusik in Bücknitz Ein Mord und eine Hochzeit zur Orgel

Zeugen eines Mordes wurden die Besucher des Orgelkonzertes von Peter Michael Seifried am Samstagnachmittag in der Dorfkirche Bücknitz. Die Tat ist zwar immerhin schon ein paar tausend Jahre her, doch beschäftigt die Begebenheit aus der Bibel Musiker seit Generationen.

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Sam Baker (l.) und Peter Michael Seifried in der Bücknitzer Dorfkirche.

Quelle: V. Maloszyk

Bücknitz. Die Besucher des Orgelkonzertes von Peter Michael Seifried wurden am Samstagnachmittag in der Dorfkirche Bücknitz Zeugen eines Mordes. Na ja, direkt gemeuchelt wurde niemand, die Tat ist immerhin schon ein paar tausend Jahre her. Doch der Komponist Johann Kuhnau (1660-1721) hat biblische Geschichten vertont.

Kuhnau – er war übrigens als Thomaskantor in Leipzig unmittelbarer Vorgänger von Johann Sebastian Bach – galt als vielseitig gebildeter Mann, der auch als Schriftsteller in Erscheinung getreten ist. In seiner Komposition „Biblische Sonate Nr. 1 – Der Streit zwischen David und Goliath“ hat sich Kuhnau in die Gemütsverfassung der handelnden Personen hineinversetzt und sie hörbar gemacht. Die Orgel erzählt von der Angst der Israeliten vor den Philistern. Mit tiefen und tiefsten Tönen beschreibt Kuhnau den bedrohlichen Goliath. Quecksilbrig-fiebrig erleben die Zuhörer David, der mit kindlicher Naivität an die Hilfe Gottes glaubt in diesem ungleichen Kampf. Und tatsächlich gelingt es ihm, Goliath mit einem Stein aus seiner Steinschleuder tödlich zu treffen – Peter Michael Seifried nennt das Mord. Die Philister fliehen und die Israeliten feiern David mit einem fröhlichen Fest.

Es sei eine schlüpfrige Geschichte, in der Unglaubliches geschieht, beschreibt Seifried die Vertonung von „Jacobs Heirat“ (Biblische Sonate Nr. 3). Jakob, der sieben Jahre für den Vater seiner Braut Rachel arbeiten musste, bevor er sie heiraten durfte, wird von Laban schändlich betrogen. Statt der süßen Rachel findet er morgens nach der Hochzeitsnacht im Ehebett Rachels hässliche Schwester Lea vor, die ihm Rachels Vater heimlich unter geschoben hat. Es ist wirklich faszinierend, wie Kuhnau es schafft, Gefühle wie Verliebtheit, die Schwere der Arbeit, Zärtlichkeit und schließlich den Zorn des Betrogenen in Musik zu übersetzen.

Detektivarbeit hat bei dem wunderschönen „Ave Maria“ nichts genutzt, erklärt Seifried. Ursprünglich hat man die Komposition Giulio Caccini (1546-1618) zugeschrieben, doch Quellen, die dies eindeutig belegen, gibt es nicht. In den 1970er Jahren galt dann der Russe Vladimir Fyodorovich Vavilev als Komponist dieses anrührenden Werkes – aber auch diese Annahme lässt sich nicht beweisen. Inzwischen hat sich die Zuschreibung zu Caccini als Urheber des Werkes durchgesetzt.

Den zweiten Teil des Konzerts hat der englische Organist Sam Baker mit Bravour gemeistert. Mit Werken von englischen Komponisten wie Henry Purcell, Edward Elgar und John Stanley, aber auch von Johann Sebastian Bach, hat er die kleine Orgel aus der Werkstatt von Herbert Kruse virtuos zum klingen gebracht. Sie stammt ursprünglich aus der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche in Pattensen/Niedersachsen und wurde nach deren Profanierung im Jahr 2012 nach Bücknitz abgegeben.

Von Ann Brünink

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