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Plaudereien mit Bach

Sommermusik im Brandenburger Dom Plaudereien mit Bach

Im Gespräch mit Bach: Der Trompeter Daniel Schmahl und der Organist Tobias Berndt wagten im Brandenburger Dom ein musikalisches Abenteuer. Sie begaben sich in einen virtuellen Chatroom mit dem bekannten Barockkomponisten. Wie das Experiment ausging, konnten die Zuhörer der Sommermusiken in einem ungewöhnlichen Konzert erfahren.

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Tobias Berndt (Orgel) und Daniel Schmahl (Trompete).

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H.. Chatten mit Johann Sebastian Bach über Musik? Wie soll das denn gehen? Der Trompeter Daniel Schmahl und der Organist Tobias Berndt machten es möglich. „Chattin‘ with Bach“, lautet der Titel einer CD von Schmahl und des gleichnamigen Programms bei den Sommermusiken im Dom. Anders als Jacques Loussier, der seinerzeit mit „Play-Bach“ die Bach‘sche Musik in Swing-Rhythmen übersetzte, hat Daniel Schmahl einen anderen Weg beschritten. Seine Vorstellung: Gemeinsam mit Musikerkollegen befinde er sich mit Bach in einem Chatraum und man inspiriere sich gegenseitig.

Wie das in etwa gemeint ist, konnten die Konzertbesucher am Mittwochabend gleich zu Beginn des Programms erleben. Von Bach kommt das Thema des dritten Satzes aus dem zweiten Brandenburgischen Konzert ins Spiel. Daniel Schmahl improvisiert dazu mit seiner Trompete und setzt damit Akzente zu der Komposition von Johannes Gebhardt (Jahrgang 1969), der dazu für die Orgel einen dunklen, ruhigen Klangteppich komponiert hat. Dieses Stück hat er „Base of Bach“ genannt.

Auftakt ist düster

„Jesus Groove“ ist eine weitere Komposition von Johannes Gebhardt, die er für Trompete und Orgel geschrieben hat und die von düsteren Orgelklängen eingeleitet wird. Es entwickelt sich ein Dialog zwischen Orgel und Trompete. Mal murmelt die Orgel wie eine Harfe, mal fetzt die Trompetete kurz und schrill, und dann klingt alles wieder getragen und düster. Schließlich erhebt sich ein einzelner Trompetenton, und schwebt immer leiser werdend davon. Aus.

„Air for Maria“ hat Matthias Zeller (Jg. 1969) seine Komposition für das sanfte Flügelhorn und Orgel genannt. Der Auftakt mit der Orgel ist auch hier düster. Doch als die Trompete die Bach’sche Air-Melodie spielt, hellt sich die Musik etwas auf, bleibt aber getragen bis zum Schluss. Ganz anders die vierteilige Komposition „Five Down – Impressions – Dance with me – Pearls“ von Michael Schütz (Jg. 1963) für Orgel solo. Prall und bunt ist die Musik dieses Komponisten. Tobias Berndt lässt sie auf der wunderbaren Wagner-Orgel leicht und beschwingt klingen. Hörte man da nicht sogar einige Takte im Salsa-Rhythmus?

Jeden achten Ton weggelassen

Anders als bei Jacques Loussier und seinen jazzigen Interpretationen von Bach’scher Musik grooved es bei „Chattin with Bach“ im Dom fast gar nicht. Dazu fehlen hier einfach Bass und Schlagzeug. Die Trompete vermittelt in ihren Improvisationen zwar ab und an so etwas wie Groove, aber nur kurz. Die Orgel klingt meist wenig jazzig. Mit einer Ausnahme: „Toccata in 7“ heißt eine weitere Komposition für Trompete und Orgel von Johannes Gebhardt. Wuchtig erklingt die Toccata, allerdings seltsam abgehackt. Der Komponist hat jeden achten Ton weggelassen und wie atemlos drängt die Musik nun im 7/16 Takt vorwärts, bricht ab, beginnt von neuem. Die Trompetenklänge tanzen halsbrecherisch auf den unermüdlich heranrollenden Orgelwellen. Mit diesem Titel ist wirklich etwas völlig Neues entstanden. Das Publikum ist begeistert und vermutlich hätte es auch Bach gefallen.

Natürlich gab es auch Bach pur. Die Zuhörer im Dom konnten sich an den sanften Orgelklängen von Bachs „Air“laben, die Daniel Schmahl mit dem Flügelhorn begleitete. Bravo-Rufe und viel Applaus erntete Organist Berndt auch für seine Interpretation von Präludium & Fuge a-Moll BWV 543. Bach ist einfach schwer zu toppen.

Von Ann Brünink

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