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Brandenburg/Havel Sommermusiken widmen sich dem Unerhörten
Lokales Brandenburg/Havel Sommermusiken widmen sich dem Unerhörten
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00:18 12.05.2017
Der Norddeutsche Kammerchor bietet Lieder von Martin Luther dar, die andere Komponisten aufgegriffen, interpretiert und neu bearbeitet haben. Quelle: Gernot Kolberg
Brandenburg/H

Auch Fußballfans kommen im Dom auf ihre Kosten: Bloß werden sie sich wundern, dass nach Händels „Zadok the Priest“ im Chorkonzert mit dem Brandenburger Kantatenkreis nicht gleich die Live-Übertragung eines Champions-League-Spieles beginnt. Die Uefa hat die Krönungspsalmen aber nur geklaut. Aber das machen ja viele. Und deshalb hat Domkantor Marcell Fladerer-Armbrecht auch keinerlei Mühe, die am Sonntag beginnende Sommermusiken-Saison unter das Domjahres-Motto „Wiederverwendung“ zu stellen. Eher dürfte ihm die Auswahl schwergefallen sein.

„Besonders einfach ist das Thema Wiederverwendung auf der Orgel zu realisieren. Wir bestreiten fünf reine Orgelkonzerte mit gregorianischen Musikthemen, mit Stücken aus der Orchesterliteratur oder mit Stücken, die für andere Instrumente geschrieben worden sind. Es ist spannend, der Frage nachzuspüren, was ist neu und was geklaut.“

Das Reformationsjahr ist das zweite spannende Thema. Gleich im ersten Konzert an diesem Sonntag wird der Norddeutsche Kammerchor Lieder von Martin Luther interpretieren – im Fokus stehen die Motetten „Vater unser im Himmelreich“ von Samuel Scheidt, „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen“ von Johannes Brahms und „Mitten wir im Leben sind“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch hier geht es um die Frage, wer hat was wie aufgegriffen und weiterentwickelt? Reformator Luther wird der Hörerschaft auch noch in einem ganz anderen Kontext wiederbegegnen: Mit dem gerade erst fertig gewordenen Luther-Oratorium des zeitgenössischen Komponisten Ralf Hoyer wagt sich Fladerer-Armbrecht erstmals seit Jahren wieder an die so genannte „Neue E-Musik“.

„Wir planen das seit zwei Jahren, es ist eine aufwendige Geschichte mit Posaunenchor, Solisten, Sprechern, Chören, Bläserchor und Brandenburger Symphonikern. Deshalb realisieren wir das gemeinsam mit dem Team vom Halberstädter Dom, wo das Stück ebenfalls aufgeführt wird.“ In Hoyers Werk, für dass Kerstin Hensel das Libretto geschrieben hat, wird die Lebensgeschichte Martin Luthers aufgegriffen und der Reformationsgedanke in die heutige Zeit transferiert. Die Zuhörer werden mit verschiedenen Klangeffekten überrascht, beispielsweise, wenn der Choral oder die das Bläsersolo aus unerwarteten Ecken erklingen.

Es geht aber nicht allein um die moderne Wiederverwendung – der musikalische Weg lässt sich auch in umgekehrter Richtung beschreiten: „Wer weiß beispielsweise heute noch, dass die bombastische h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach auf einer ganz einfachen Kantate beruht“, fragt der Kantor.

Wiederverwenden heißt auch Rückbesinnen auf erfolgreiche Formate: 2014 war die große Wagner-Orgel ausgebaut und generalüberholt worden, da musst die Dommusik in kleineren Formaten aufgeführt werden – in der Domaula, in der Krypta, in Sankt Petri oder im Kreuzgang gab es kleine und erfolgreiche Kammerkonzerte. Diese Form soll nebenbei wiederbelebt werden.

„Ich habe in diesem Jahr etwas mehr Mut beim Programm gezeigt. Mein Ansatz ist es, neue Zuhörerschaft zu erschließen, ohne das treue Publikum zu vergraulen“, resümiert Fladerer-Armbrecht.

Termin: 14. Mai, 17 Uhr, Domkirche Brandenburg, Norddeutscher Kammerchor mit dem Luther-Programm.

Von André Wirsing

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