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Sonatenabend in der Studiobühne Brandenburg

Musikalische Kostbarkeiten Sonatenabend in der Studiobühne Brandenburg

Zugegeben, die „Vier Stücke für Violine und Klavier“ von Anton Webern sind karg und kompromisslos und klingen fremd mit ihrer stark reduzierten Spieldauer von jeweils nur 9, 24, 14 und 15 Takten. Dabei sind sie eine Herausforderung an die Virtuosität der Musiker, die Jean-Jacques Dünki am Klavier und Andreas Preißer an der Solo-Violine mit Bravour gemeistert haben.

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Andreas Preißer, 1. Konzertmeister der Brandenburger Symphoniker

Quelle: Privat

Brandenburg/H. „Wenn neue Musik mit auf dem Programm steht, gehe ich nicht mehr ins Konzert, weil ich die nicht leiden kann“, vertraute am Pfingstmontag eine Besucherin des Kammerkonzerts in der Brandenburger Studiobühne ihrer Begleitung an. Zuvor waren gerade „Vier Stücke für Violine und Klavier“ von Anton Webern verklungen.

Zugegeben, die vier Stücke sind besonders karg und kompromisslos und klingen fremd mit ihrer stark reduzierten Spieldauer von jeweils nur 9, 24, 14 und 15 Takten. Dabei sind sie durchaus eine Herausforderung an die Virtuosität der Musiker, die Jean-Jacques Dünki am Klavier und Andreas Preißer an der Solo-Violine mit Bravour gemeistert haben. Insbesondere gelingt es den beiden Musikern hervorragend die Kontraste dieser vier Stücke darzustellen, die Langsamkeit des Beginns, die sich aufbauende Intensität der Klangwelt, bis hin zum Adagio am Schluss, das wie ein Hauch verklingt.

Das Fremdeln vor neuer, innovativer Musik ist vermutlich so alt, wie es Musik gibt. Zu Beethovens Sonate für Klavier und Violine Nr. 3 Es-Dur, mit der die beiden Musiker das Konzert eröffnet haben, beklagte die damalige Kritik: „Keine Natur, kein Gesang.“ Stattdessen: „Ein Suchen nach seltener Modulation, ein Ekelthun gegen gewöhnliche Verbindungen, ein Anhäufen von Schwierigkeit auf Schwierigkeit, dass man alle Geduld und Freude dabey verliert.“ Heute hingegen genießen wir die Schönheit und Innigkeit dieser wunderbaren Komposition ebenso wie ihre Themenvielfalt und fröhliche Leichtigkeit.

In der Sonate für Klavier und Violine von Claude Débussy machten Preisser und Dünki Melancholie und Lebensfreude pur hörbar. Als der Komponist 1917 dieses Werk schrieb, lag die Welt um ihn herum in Trümmern. Sein Ehrgeiz: Er wollte eine Musik schaffen, die typisch französisch klingt. Weder sollte sie sich an dem opulenten Richard Wagner aus Deutschland orientieren, noch an der Walzerseligkeit der Österreicher, noch an den italienischen Opernfürsten, die überall in Frankreich auf den Konzertprogrammen standen. Débussys Vorbilder waren die französischen Komponisten Jean-Philippe Rameau und François Couperin, mit ihrer klar strukturierten, eleganten Musik, denen er in der Formsprache seiner Violinsonate folgt. Und statt vier Sätze, wie damals in Europa in Sonaten üblich, schrieb Débussy nur drei. Diese Sonate ist sein letztes vollendetes Werk.

Die Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 78 von Johannes Brahms, auch Regenlied-Sonate genannt, ist anrührend, melancholisch und klingt in der Interpretation von Andreas Preisser und Jean-Jacques Dünki sehr innig. Düstere, heftige Passagen kommen in diesem Werk auch vor. Brahms hat es seiner Freundin Clara Schumann zum Tod ihres jüngsten Sohnes Felix gewidmet.

Die Zuhörer in der Studiobühne erlebten ein technisch brillant dargebotenes Konzert. Doch die Musiker wirkten dabei seltsam teilnamslos, was der hohen Konzentration geschuldet gewesen sein mag, die die durchweg schwierigen Stücke gefordert haben.

Von Ann Brünink

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