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Brandenburg/Havel Späte Hilfe für Opfer sexueller Familiengewalt
Lokales Brandenburg/Havel Späte Hilfe für Opfer sexueller Familiengewalt
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18:24 14.07.2015
Die Sozialpädagogin Julia Rollheiser von der Opferhilfe Brandenburg Quelle: Jacqueline Steiner
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Brandenburg/H

Das Hilfsangebot reicht zeitlich weit zurück, bis zum 23. Mai 1949, dem Gründungstag der alten Bundesrepublik. Wer von diesem Datum an in einer Zeitspanne, die bis zum 30. Juni 2013 reicht, als Kind oder Jugendlicher im familiären Umfeld sexuell missbraucht wurde, kann eine Art von Unterstützung erhalten, von der er womöglich gar nichts weiß. Darauf macht Julia Rollheiser (33) aufmerksam.

Die Sozialpädagogin arbeitet in der Opferhilfe Brandenburg, Steinstraße 12 und ist, was den Fonds sexueller Missbrauch angeht, eigens geschult. Sie betont, aber gleich, dass der Fonds kein Geld auszahlt, sondern nur Sachleistungen mit einem Wert von bis zu 10 000 Euro. Die Bundesregierung hat dem Fonds 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, das Geld ist noch nicht ausgeschöpft. Die Antragsfrist endet allerdings am 30. April 2016.

Der Fonds wurde eingerichtet, weil vermehrt seit dem Jahr 2010 Menschen ihr Schweigen gebrochen und über schlimme Kindheits- und Jugenderlebnisse berichtet hatten: Wie Väter, Mütter oder andere Familienmitglieder, wie auch Trainer, Lehrer, Priester und andere, die Macht über sie hatten, sexuelle Übergriffe gegen sie begangen haben, ohne dass die Verbrechen zwingend zu rechtlichen Konsequenzen führten.

Kunsttherapie bis zur Weiterbildung

Um das Leid der Opfer zumindest etwas auszugleichen stellt der Staat Geld zur Verfügung für bestimmte Leistungen, zum Beispiel Psycho- oder Kunsttherapien, wenn die Krankenkasse nicht mehr zahlt, oder für eine Aus- und Weiterbildung, die das Opfer unter dem Eindruck des Missbrauchs seinerzeit nicht wahrnehmen konnte.

Auch Beratungs- und Betreuungskosten kann der Fonds übernehmen sowie in Härtefällen die Finanzierung eines Hundes oder die Einrichtung eines Hobbyraums. Nach Angaben von Julia Rollheiser sind auch eine Reit- oder sogar eine Delfintherapie nicht von vornherein ausgeschlossen.

Der Haken an der Sache: Um von dem ergänzenden Hilfesystem zu profitieren, müssen Opfer einen Antrag bei der Geschäftsstelle des Fonds stellen und etliche Angaben zum Geschehen machen. Julia Rollheiser bietet an, dabei zu helfen. Ob der Antrag angenommen wird, darüber entscheidet aufgrund anonymisierter Daten eine Clearingstelle, der auch ein Opfer sexueller Gewalt angehört.

Information: Der Opferhilfe in der Steinstraße 12 ist erreichbar unter Tel. 03381/224855.

Von Jürgen Lauterbach

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