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Brandenburg/Havel Spannende Zeitreise im Dom: Adel zwischen Monarchie und Diktatur
Lokales Brandenburg/Havel Spannende Zeitreise im Dom: Adel zwischen Monarchie und Diktatur
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18:28 11.05.2018
Eckart Conze referiert im Sommerrefektorium des Doms. Quelle: Christine Lummert
Brandenburg/H

Für Geschichtsinteressierte ist das Sommerrefektorium im Brandenburger Dom einmal im Monat ein fester Versammlungspunkt. Das ganze Jahr über läuft dort eine Vortragsreihe, die sich mit der Geschichte des Domstifts zwischen 1810 und 1948, sowie verwandten Themen beschäftigt.

„An ihrem Zulauf und Interesse ist abzulesen, dass wir mit der Konzeption der Reihe nicht ganz falsch liegen“, zeigte sich Domkurator Cord-Georg Hasselmann zufrieden. Er begrüßte etwa 40 Gäste zum jüngsten Vortrag dieser Tage.

Der Marburger Geschichtsprofessor Eckart Conze war eingeladen, der einem größeren Publikum durch die Veröffentlichung des Buches „Das Amt und die Vergangenheit“ bekannt wurde. Darin hat Conze, zusammen mit drei Co-Autoren, die intensiven Forschungen zu den Verstrickungen von Außenamtsmitarbeitern im Nationalsozialismus öffentlich gemacht, genauso wie die Versuche der Reinwaschung von Schuld nach der Gründung der Bundesrepublik.

Adel verliert die Privilegien

Conzes Vortrag im Brandenburger Dom, der unter der Überschrift „Adel zwischen Monarchie und Diktatur (1918-1945)“ stand, bot Anknüpfungspunkte zu vorigen Veröffentlichungen des Geschichtsprofessors, sowie zu dem Personenkreis, der über Jahrhunderte die Geschicke des Brandenburger Domstifts und der Ritterakademie gelenkt hat.

Eckart Conze. Quelle: Christine Lummert

Die Ausrufung der Republik und die Abdankung des Kaisers nach dem Ersten Weltkrieg machten den Weg frei für die erste parlamentarische Demokratie auf deutschem Boden. Mit dem Gleichstellungsartikel 109 in der Weimarer Reichsverfassung wurden die über Jahrhunderte etablierten Grundsätze der Gesellschaftsordnung nichtig.

Alle Deutschen, Frauen wie Männer, durften nun wählen, die Adelsprädikate waren nur mehr Bestandteil des Namens und jegliche damit verbundene Privilegien wurden abgeschafft. „Die Republikfeindlichkeit des Adels findet hier eine Begründung“, erklärte Conze.

Bürgertum drängt auf Veränderung

Schon vorher herrschte mit aufkommender Industrialisierung und der zunehmenden Urbanisierung ein verstärkter Druck auf Mitglieder des Adels. Immer noch beherrschten sie wichtige Positionen in Verwaltung, Militär und Diplomatie. Mit dem Beginn der Weimarer Republik setzte eine Öffnung ein. „Viele im Adel wünschten sich die gute alte Zeit zurück, als sie in ihren Gutsbezirken noch ungehindert schalten und walten konnten und patriarchalische Führung als das einzig Richtige angesehen wurde“, erklärte Conze.

In der Zeit des Umbruchs wurde deshalb in nationalkonservativen Kreisen fleißig an Legenden gestrickt. Die Dolchstoßlegende wird propagiert und auch das sogenannte Blutopfer, das der Adels auf den Schlachtfeldern des ersten Weltkriegs erbracht hat, wird in den Vordergrund gerückt, sowie die demokratische Regierung verteufelt.

Unterstützung der Nationalsozialisten

Alle diese Stichworte finden sich auch im aufkommenden Nationalsozialismus wieder. „Wenn es schon die Monarchie nicht mehr gab, setzten viele Adlige zumindest auf das Kommen eines starken Diktators, der die alten Wege zu Ämtern, Karrieren und Privilegien wieder eröffnen sollte“, sagte Eckart Conze.

Den Adel als eine geschlossene Gruppe, in der alle die gleichen Ansichten vertreten, gibt es natürlich nicht. Einige stellten sich vehement gegen die Hitler-Diktatur und bezahlten mit ihrem Leben.

Aber die Geschichtserzählung der bundesdeutschen Nachkriegszeit, in welcher der adlige Widerstand besonders betont und andere Gruppen nicht die gleiche Aufmerksamkeit erfahren haben, ist auch irreführend. „Für jeden Tresckow oder Schulenburg, der sich im Widerstand engagierte, gab es 30 andere mit dem gleichen Familiennamen, die Mitglied in der NSDAP waren“, erklärte Conze.

Von Christine Lummert

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