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Spektakuläre Fotos aus der Stratosphäre

Hobbybastler bauen fliegende Kamera Spektakuläre Fotos aus der Stratosphäre

Sterne knipsen sie schon lange: Jetzt wollen die Hobbyfotografen Sebastian Rasel (28) und Oliver Szachowal (29) Fotos von der Erde machen. Wochenlang tüftelten sie an ihrem Höhenballon. Am Wochenende ist es soweit: Die Jungs schicken ihre Sonde samt Kamera bei Bad Belzig 30 Kilometer in den Himmel. Doch was, wenn sie den Ballon nach dem Flug nicht wiederfinden?

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Letzter Technik-Check, bevor der Ballon in den Himmel steigt: Oliver Szachowal (l.) und Sebastian Rasel.

Quelle: Josefine Sack

Brandenburg an der Havel. Frische vier Grad Celsius, leichter Westwind und bewölkter Himmel: Die Wetterprognose fürs Wochenende könnte besser sein, aber es hilft nichts. „Wir ziehen das jetzt durch, bevor der Winter kommt“, sagt Sebastian Rasel. Wochenlang tüftelten der 28-jährige Informatiker aus Potsdam und sein Freund, Oliver Szachowal (29), Solartechniker aus Brandenburg an der Havel, an ihrem Stratosphärenballon.

Nun ist es soweit: Die Deutsche Flugsicherung hat den beiden Ballonbauern eine Flugerlaubnis für Samstag- und Sonntagmorgen erteilt. Gegen neun Uhr wollen Rasel und Szachowal ihren Ballon nördlich von Bad Belzig auf einem Feld nahe der Bundesstraße 246 in den Himmel steigen lassen.

„Sterneknipser“ wollen Erde endlich von oben sehen

Die Idee, einen Heliumballon auf eine Höhe von 30.000 Metern in die zweite Schicht der Erdatmosphäre zu schicken, ist nicht neu. Erst im Frühjahr war Szachowal im Internet auf ein Video eines Stratosphärenflugs gestoßen. Der Brandenburger ist selbst Hobbyfotograf – oder „Sterneknipser“, wie er sagt. Die Astronomie ist sein Steckenpferd: „Seit ich klein bin, gucke ich in den Himmel.“ 2013 initiierte er die erste Sternwarte in Brandenburg und den Stammtisch der „Sternfreunde“, der sich bis regelmäßig in der Havelstadt trifft.

Stratosphärenballons werden sonst zu Forschungszwecken verwendet

Stratosphärenballons werden sonst zu Forschungszwecken verwendet.

Quelle: DLR

Jede Menge Fotos hat Oliver Szachowal bislang durchs Teleskop von Mond, Sonne und Sternen gemacht. In die andere Richtung, vom Himmel aus auf die Erde, hat er hingegen noch nie fotografiert – mit dem Stratosphärenballon soll sich das nun ändern. Seinen Freund Sebastian brauchte er nicht lange zu überreden, um ihn für das Vorhaben zu gewinnen: Auch Rasel fotografiert in seiner Freizeit – als Informatiker hat er zudem das nötige technische Wissen. Innerhalb kürzester Zeit baute er die Ballonsonde zusammen. „Kaufen kann ja jeder.“ Viel spannender sei es, selbst an der Technik zu feilen.

Ballon sendet Koordinaten per SMS

Das Kernstück des Höhenballons ist eine Styroporkiste: In ihr befindet sich ein Mini-Computer. Dieser misst den Luftdruck, die Außentemperatur und ist mit einer kleinen Kamera verbunden, die den gesamten Flug über filmt. Sollte sie ausfallen, gibt es noch ein altes iPhone, das ebenfalls an den Rechner angeschlossen ist, und Fotos macht. Der Rechner ist zudem mit einem GPS-Empfänger ausgestattet, durch den der Ballon geortet werden kann. Im Sekundentakt zeichnet das Gerät die genaue Flugroute samt Zeit, Höhe und Position auf. So kann der Ballon nicht verloren gehen. „Es wird trotzdem spannend“, ist Sebastian Rasel überzeugt.

Denn obwohl die beiden Hobbybastler alle Eventualitäten durchgespielt und berechnet haben, alles können sie nicht kontrollieren. Den Mini-Computer haben die jungen Männer so programmiert, dass er alle paar Minuten eine SMS mit den Koordinaten des Ballons sendet. „Bis zu einer Höhe von zwei Kilometern sollte das noch funktionieren. Danach wird es vermutlich keinen Handyempfang mehr geben,wir fliegen dann sozusagen blind“, erklärt Rasel. Erst wenn die Sonde wieder tief genug ist, sendet sie ein Signal.

Blick in die Styroporbox

Blick in die Styroporbox: Sie schützt die Technik vor der Kälte.

Quelle: Josefine Sack

Die Ballonbauer sind dennoch optimistisch, ihren Ballon nach dem zwei- bis dreistündigen Flug wiederzufinden. Die ungefähre Flugroute lassen sie sicherheitshalber vorher von einem speziellen Programm berechnen. Wenn sie Pech haben, müssen die beiden bis nach Dresden, um den Ballon nach der Landung wieder einzusammeln. Die Hobbybastler sind auf das Schlimmste vorbereitet: Den Ballon beschriften sie zur Sicherheit mit ihren Namen und Adressen. Sogar ein Schlauchboot haben sie für den Notfall im Gepäck – „falls der Ballon auf einem See oder Fluss landet“, sagt Rasel. Die Jungs haben wirklich an alles gedacht.

Die Erde von oben

Ein Stratosphären- oder Höhenballon ist ein mit Helium gefüllter Wetterballon, der in große Höhe aufsteigt und dort irgendwann zerplatzt.

Je nach Bauweise erreicht der Ballon eine Flughöhe zwischen 20 und 35 Kilometern. Verkehrsflugzeuge fliegen etwa auf einer Höhe zwischen 10 und 15 Kilometern.

Der Aufstieg dauert zwei bis drei Stunden. Eine Kamera dokumentiert den Flug. Gelingen die Aufnahmen, zeigen diese ein Stück Weltraum: den schwarzen Himmel, die Erdkrümmung und den blauen Planeten von oben.

 

Von Josefine Sack

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