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Brandenburg/Havel Spielflächen für künftige Mediziner
Lokales Brandenburg/Havel Spielflächen für künftige Mediziner
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18:48 08.08.2016
Die künftige Studenten-Cafeteria haben die Nicolaischüler schon künstlerisch vorbereitet. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Die Nicolaischule ist gerade eine der angenehmeren Baustellen in der Stadt – weil die Brandenburger so wenig davon mitbekommen. Dabei entsteht hinter den knapp 120 Jahren alten Mauern Sehenswertes. Die Unternehmer Robert Müller und Uli Krieg bauen die einstige Realschule zur Hochschule um, die Medizinstundenten der MHB sollen im kommenden Jahr hier einziehen.

Das Lernen hat sich sehr verändert, das wird auch am Raumkonzept deutlich. Die Übungs- und Seminarräume im ersten Obergeschoss werden gleichzeitig zu Prüfungsräumen: Die Prüflinge müssen dabei einen Parcours, eine Art Stationsbetrieb, absolvieren. In jedem der zehn Räume wartet ein anderer Notfall, den es zu diagnostizieren und zu behandeln gilt – ganz wie bei einer regulären Visite im Krankenhaus. Im Erdgeschoss gibt es deshalb auch ein so genanntes Skills Lab, in dem an Patienten-Schauspielern und -puppen praktische Übungen absolviert werden. Die Seminarräume an anderen Unis sind sehr groß, „hier umfassen sie etwa 25 Quadratmeter, weil nur sechs bis acht Studenten mit einem Professor den Studienstoff erörtern“, sagt der Architekt Uli Krieg.

Ein Raum kann als Fernsehstudio genutzt werden, mit spezieller Verdunklung, mit Schallschutz und Übertragungstechnik ist der Seminarraum schnell zum Studio verwandelt. Hier kann es Übertragungen zwischen den Studienorten Brandenburg an der Havel und Neuruppin geben, oder Live-Schaltungen aus den angeschlossenen Kliniken oder Fernvorlesungen. Ein 60 Quadratmeter großer Multifunktionsraum hat in der Mitte eine Faltwand, um bei Raumgrößen variabel zu sein.

Darunter im Erdgeschoss schließt sich hinter Lesesaal und Bibliothek die Cafeteria an, die auch den Realschülern als Pausen- und Essensraum diente und von diesen an einer Längswand mit unzähligen künstlerisch verzierten Kacheln beklebt wurden. Konrektor Wilfried Pommerien will diese Wand erhalten, ansonsten dürfen sich hier die Studenten verwirklichen. „Wir legen das Ziegelmauerwerk frei, überziehen es mit einer leichten Kalkschlämme und warten gespannt ab, was den jungen Leuten so einfällt“, sagt Krieg.

Robuli investiert

Das zu sanierende Grundstück der Nicolaischule umfasst 831 Quadratmeter, im Gebäude gibt es 2105 Quadratmeter.

Zwei Drittel dieser Flächen werden von der Medizinischen Hochschule genutzt. Weitere Räume werden von der Medizinischen Schule sowie der Technischen Hochschule Brandenburg gemietet.

Bauherrin ist offiziell die Städtische Klinikum GmbH, realisiert wird das Vorhaben aber durch den Bauunternehmer Robert Müller und den Architekten Uli Krieg. Beide haben in einer Kombination ihrer Vornamen die Robuli GmbH gegründet, die rund zwei Millionen Euro investiert.

Die Monatsmiete für die Mieter liegt bei 8,40 Euro/Monat. Der Erbbauzins an die Stadt liegt bei 12 000 Euro im Jahr, die monatlichen Betriebskosten werden mit 4000 Euro veranschlagt.

Am 1. April sollen hier 47 Studenten des fünften Semesters studieren, die ihre Ausbildung zwei Jahre zuvor im anderen MHB-Standort Neuruppin begonnen haben. Dann kommen jedes Jahr weitere Studenten hinzu.

Gemeinsam mit den Arbeitern der Müller-Bau Genthin wurden in den vergangenen Wochen bereits Teile des Gebäudes entkernt, neue Leitungen installiert und erstmals Sanitäranlagen eingebaut. Viele Zwischenwände sind gesetzt, die riesigen Raumtüren mit den Oberlichtern werden derzeit aufgearbeitet und originalgetreue Nachbauten bestellt, weil es nun mehr Räume gibt. Die Kugellampen in den hohen Fluren werden ergänzt, die Terrazzo-Platten auf den Fußböden gnädig mit Linoleum überdeckt.

Die hohen Kappendecken bleiben erhalten, müssen an einigen Stellen saniert werden. Sorgen machen bislang nur die tragenden Wände, die für den 100-Personen-Hörsaal sowie den Multifunktionsraum herausgenommen werden müssen. Diese werden dann durch Stahlträger ersetzt, die von beiden Seiten eingezogen und in der Mitte verschweißt.

Mitte nächster Woche werden die Gerüste gestellt, dann wird auch der letzte Brandenburger sehen, dass das 1896/97 errichtete Gebäude saniert wird. Alle Fenster sind auszutauschen, im Denkmal natürlich in Holz. In der Fassade sind teilweise noch Einschüsse aus dem Krieg zu sehen, zwei Fensterachsen waren ganz zerstört, die Flickstellen sind bis heute zu sehen. Deshalb will Krieg auch nicht ganze Flächen erneuern, sondern nur die Verzierungen und Bänder aus Formsteinen sowie die ebenfalls „handgefertigten“ Fensterlaibungen.

In der Fassadenfläche werden auch nur punktuell Steine ersetzt beziehungsweise repariert. Der Architekt hat an einer Stelle auch eine Flächenreinigung ausprobiert, doch sieht das Ergebnis zu „neu“ und glatt aus, „etwas Patina tut dem historischen Gebäude doch gut“.

Von André Wirsing

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