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Brandenburg/Havel Spielgerät hilft unfreiwillig kranken Menschen
Lokales Brandenburg/Havel Spielgerät hilft unfreiwillig kranken Menschen
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02:15 19.11.2017
Karen Otte ist spezialisiert auf die Bewegungsanalyse bei Menschen, die Multiple Sklerose oder Parkinson haben. Quelle: Foto: Motognosis
Brandenburg/H

Vor knapp zehn Jahren hat Karen Otte (28) ihr Studium im neuen Studiengang der damaligen Fachhochschule Brandenburg begonnen. Drei Jahre später hatte die gebürtige Potsdamerin ihren Bachelorabschluss in Medizininformatik in der Tasche. Als die TH Brandenburg vor wenigen Tagen 10 Jahre Studiengang Medizininformatik feierte, berichtete Karen Otte was aus ihr geworden ist: Gastwissenschaftlerin, Promotionsstudentin an der Charité und Firmengründerin.

Das Arbeits- und Forschungsgebiet der einstigen Brandenburger Studentin liegt in der Neuroimmunologie. Seit inzwischen sechs Jahren befasst sie sich mit der Bewegungsanalyse bei Erkrankungen wie Parkinson und Multiple Sklerose (MS), einer Krankheit, bei der das Autoimmunsystem gestört und das Nervensystem chronisch entzündlich ist hervorgerufen wird.

Im Jahr Jahr 2014 hat Karen Otte die Firma Motognosis in Berlin mit gegründet. „In unserer Firma haben wir ein System entwickelt, welches sich zur kontaktlosen Bewegungsanalyse eignet und auf Sensoren aus der Spieleindustrie (X-Box) basiert“, berichtet sie.

Derzeit wird das System in verschiedenen Studien an der Charité-Universitätsklinikum Berlin und im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) eingesetzt. Eine Übung besteht darin, mit geschlossenen Augen zu stehen. Die Messungen zeigen, dass MS-kranke Menschen stärker schwanken als nicht erkrankte Frauen und Männer. Das ist darauf zurückzuführen, dass MS-Kranke keine Rückmeldung mehr von ihren Füßen erhalten, sondern ihr Gleichgewicht nur mit Signalen aus dem Innenohr halten. Die Wissenschaftlerin vergleicht die Messdaten von MS- und Parkinson-kranken Patienten.

In ihrer Arbeit ist Karen Otte zu gleichen Teilen an der Software-Entwicklung und der Erforschung neuer Analysemethoden beschäftigt. Neben ihrer Arbeit bei Motognosis arbeitet sie im gleichen Feld an ihrer Doktorarbeit an der Charité. Die Grundlage wurde einst in Brandenburg/Havel an der FHB gelegt und im Masterstudium an der Uni Magdeburg.

Marian Krüger. Quelle: privat

Ähnliches gilt auch für Marian Krüger (29), der aus der Nähe von Ziesar stammt und nicht weit von seiner einstigen Hochschule seinen Arbeitsplatz gefunden hat. In der Strahlentherapiepraxis neben dem städtischen Klinikum ist er verantwortlich für den Strahlenschutz von Krebspatienten.

So plant Marian Krüger die Bestrahlung und bereitet so die Behandlung der Patienten im „klinischen Linearbeschleuniger“ vor. „Ich simuliere zunächst die Bestrahlung in dem Gerät und unterstütze die Ärzte dabei, die Höhe der benötigten Dosis und den Zielort im Körper festzulegen“, erklärt der Experte für Medizinphysik.

In seiner Masterarbeit untersucht Marian Krüger, wie die Qualitätssicherung sich automatisieren lässt und wie eine verbesserte Bildqualität bei Implantaten zu erreichen ist.

In der Rückschau auf die vergangenen zehn Jahre Medizininformatik an der THB kamen auch Kooperationspartner des Studiengangs zu Wort. Die Diplom-Medizinpädagogin Annett l’Orteye bildet den Physiotherapie-Nachwuchs an der Medizinischen Schule in Brandenburg aus.

Annett l'Orteye bildet in der Medizinischen Schule Physiotherapeuten aus. Quelle: privat

Aufgrund der Zusammenarbeit mit den Medizininformatikern kann die Ausbilderin die Effekte bestimmter physiotherapeutischer Behandlungen darstellen und Erfolge oder Misserfolge ermitteln. Solche nachweise sind wichtig für den Berufsstand, der bei den Kostenträger selten die angemessene Anerkennung erfährt.

Katja Orlowski hat in ihrer Doktorarbeiten untersucht, wie beinamputierte Menschen kräftiger und beweglicher werden können. Quelle: privat

So wie Annett l’Orteye ist auch Katja Orlowski für die Kooperation mit den Medizininformatikern dankbar. In ihrer Doktorarbeit an der Universität Magdeburg hat die Brandenburger Wissenschaftlerin geprüft, ob und wie sehr sich mit Hilfe eines Trainingsgerätes die Kraft und die Gleichgewichtsfähigkeit von Menschen verbessern lassen, die am Oberschenkel amputiert wurden.

Katja Orlowski hat anhand der in Kooperation mit Medizininformatikern gemessenen und ausgewerteten Daten erste Hinweise darauf bekommen, dass sich die Kraft und die Verteilung des Körpergewichts mit dem Gerät positiv verändern lassen.

Von Jürgen Lauterbach

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