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Spitze im Stall und auf der Weide

Berufswettbewerb für Tierwirte Spitze im Stall und auf der Weide

Wer will schon um 4 Uhr in der Früh zur Schicht? Für Anna-Maria Rennebarth kein Problem. Die 19-Jährige aus Ziesar lässt sich im benachbarten Tucheim zur Tierwirtin ausbilden. Die Karriereaussichten in den Grünen Berufen stehen gut. Vor allem, wenn man zu den besten Nachwuchskräften Deutschlands gehört.

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Anna-Maria Rennebarth aus Ziesar gehört zu den besten Nachwuchs-Tierwirten der Bundesrepublik.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Ziesar/Tucheim. Um 16 Uhr kommt Leben in den Doppel-20er Melkstand. Für Anna-Maria Rennebarth (19) beginnt die Spätschicht. Die junge Frau trägt Stiefel, Latzhose, T-Shirt und Gummihandschuhe. Ihre Aufgabe bis Mitternacht: Die Kühe der Agrargenossenschaft Tucheim melken. Dort wird Anna-Maria zur Tierwirtin ausgebildet. Im 2. Lehrjahr trägt sie zusammen mit anderen Kollegen im Schichtbetrieb die Verantwortung für eine reibungslose Milchproduktion – die Haupteinnahmequelle der Tucheimer.

Ruhig und umsichtig wie es in einem Melkstand zugehen soll, erledigt die Auszubildende zunächst ein paar Routinearbeiten, bevor die erste Gruppe von Schwarzbunten an der Reihe ist. Jeweils 20 stehen sich bei dieser Bauart mit den Hinterteilen gegenüber. Getrennt durch die Melkgrube, dem Arbeitsplatz der Melker. Begonnen wird mit dem Vormelken per Hand. Mindestens zwei Strahlen pro Zitze sollten es sein, um einen zügigen Milchfluss zu erreichen.

Wettbewerb ist Gemeinschaftsaktion

An den Qualifikationen zum Bundeswettbewerb der Tierwirte haben sich deutschlandweit mehr als 10 000 junge Menschen beteiligt. Der Berufswettbewerb wurde erstmals 1953 veranstaltet. Er zählt zu den größten grünen Fort- und Weiterbildungsprojekten in Deutschland.

Der Wettbewerb ist eine Gemeinschaftsaktion des Bundes der Deutschen Landjugend, des Deutschen Bauernverbandes sowie der Schorlemmer-Stiftung. Schirmherr ist der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Die Agrargenossenschaft Tucheim im Jerichower Land ist der Nachbarbetrieb der Fiener Agargenossenschaft Ziesar. Die Tucheimer haben rund 600 Milchkühe, für die zwei Melkstände zur Verfügung stehen. Die weibliche Nachzucht kommt aus dem eigenen Bestand.

Empfindlich dürfen Melker nicht sein. Denn natürlich lässt eine Kuh auch mal etwas fallen. Nach der Eutervorbereitung beginnt Anna-Maria ebenfalls von hinten mit dem Ansetzen und Ausrichten der Melkzeuge. Ist der Milchentzug beendet, dürfen die Kühe zurück in ihren Stall, denn die nächsten Tiere warten schon. Norbert Kandora kann sich auf seine Auszubildende verlassen. Der Leiter der Tierproduktion ist froh, dass er die junge Ziesaranerin in seinem Team hat. „Es ist schwer Nachwuchs für diesen Beruf zu finden. Die Arbeitszeit richtet sich nach den Tieren. Kühe kennen kein Wochenende. Und dreckig macht man sich auch.“

Für Anna-Maria alles kein Problem. Auch nicht die Frühschicht, die um 4 Uhr beginnt. Tiere sind ihre Leidenschaft. Nur für Hobbys bleibt wenig Zeit. Im Musikverein Ziesar spielt sie Klarinette. Doch bei Auftritten geht der Betrieb vor. „Nach dem Abitur am Brandenburger Domgymnasium stand meine Berufsentscheidung fest“, berichtet die angehende Tierwirtin. Nach den Prüfungen im kommenden Jahr will sie Landwirtschaft studieren. Aber danach soll es zurück in die Praxis gehen. Ihre Karrierechancen in der Branche sind glänzend. In den nächsten fünf Jahren steht auch in der Agrargenossenschaft Tucheim ein Generationswechsel an. Viele ältere Kollegen gehen in den Ruhestand, doch neue Arbeitskräfte sind knapp.

Blick in den Melkstand der Agrargenossenschaft Tucheim

Blick in den Melkstand der Agrargenossenschaft Tucheim.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Dass Anna-Maria das Zeug für eine gute Tierwirtin hat, bewies sie beim jüngsten Bundesentscheid des Berufswettbewerbes der Deutschen Landjugend im mecklenburgischen Güstrow. Die in Ziesar wohnende Auszubildende gehört zu den acht besten Nachwuchs-Tierwirten der Bundesrepublik. Zuvor hatte sie bereits mit einem zweiten Platz bei den Landesmeisterschaften Sachsen-Anhalt ein Achtungszeichen gesetzt. Im Finale des 33. Berufswettbewerbes musste Anna-Maria zum Beispiel eine Weidezaunanlage errichten, Futterrationen für bestimmte Tiere zusammenstellen und den Tierkomfort eines Stalles beurteilen. Am Ende schaffte sie es in die Spitzengruppe der Nachwuchskräfte.

„Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Andererseits war der Berufswettbewerb eine gute Möglichkeit festzustellen, mit welchen Bereichen des eigenen Fachs man sich noch mehr beschäftigen muss“, sagte die Auszubildende. Stolz ist auch ihr Tucheimer Ausbildungsbetrieb. „Toll, dass Anna-Maria so weit gekommen ist. Ihr gutes Abschneiden spricht für unser Unternehmen, das sich seit Jahren in der Lehrlingsausbildung engagiert“, so Tierproduktionschef Kandora.

 

Von Frank Bürstenbinder

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