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Brandenburg/Havel Sport als Mittler zwischen den Kulturen
Lokales Brandenburg/Havel Sport als Mittler zwischen den Kulturen
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18:33 19.08.2015
Eric Riverse stammt aus Kamerun. In Brandenburg an der Havel hat er schon nach wenigen Wochen Kontakte geknüpft – dank des Sports. Quelle: Philip Rißling
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Brandenburg an der Havel

Eric Riverse lacht viel, als er mit seinen Teamkollegen über das Hallenparkett läuft, in der rechten Hand einen Basketball. Der junge Mann, der hier mehrmals in der Woche in der Halle am Marienberg trainiert, fühlt sich schon nach wenigen Wochen sichtlich wohl in diesem für ihn völlig fremden Land. Eric kam erst im Juni nach Brandenburg. Wie gut er heute bereits in der Stadt integriert ist, lässt Beobachter staunen. Geholfen dabei hat der Sport.

Die Geschichte von Eric Riverse ist eine bewegte. Erst 21-jährig, hat der junge Mann schon eine ganze Menge erlebt. Geboren und aufgewachsen ist er in Kamerun in behüteten Verhältnissen. Das afrikanische Land ist kein Brennpunkt der aktuellen Weltpolitik, es gilt als friedlich. Hier ziehen keine marodierenden Terroristenhorden mordend und brandschatzend durchs Land. Und doch war die Perspektive für den jungen Mann, der in der Heimat Elektrotechnik studierte und dessen Leidenschaft seit jeher der Basketball ist, keine gute. Seine Mutter schickte ihn ob der vermeintlich besseren Perspektive nach Europa.

Odyssee durch Europa

Hier landete Eric im vergangenen Jahr zunächst in der Türkei, später verschlug es ihn nach Griechenland. Doch in beiden südeuropäischen Ländern blieb er nicht lang. Im Mai dann kam er in der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt an und wurde schließlich ins Asylbewerberheim in der Flämingstraße geschickt.

Ein Glücksfall für den freundlichen jungen Mann, wie sich herausstellen sollte. Schnell war der Kontakt zu den hiesigen Baskets hergestellt, die Eric gern in ihrer Mitte aufnahmen.

Eric Riverse beim Baskets-Training in der Halle am Marienberg. Quelle: Philip Rißling

Dort trainiert der junge Mann seither nicht nur mit, sondern wird bereits als vollwertiges Teammitglied angesehen. „Wir freuen uns sehr, dass wir Eric bei uns haben“, sagt Coach Florian Schöttler, der sich für die kommende Oberliga-Saison über eine absolute Verstärkung seiner Mannschaft freut. „Erics Fähigkeiten sind schon gut, er kann uns sicher weiterhelfen“, frohlockt der Trainer der Oberliga-Mannschaft.

Dass der Baskets-Coach nun eine Option mehr in seinem Team hat, liegt auch und vor allem an dem Engagement des Stadtsportbundes (SSB). Dort hat man sich die Integration von Asylbewerbern auf die Fahne geschrieben. „Sport verbindet Generationen, Männer und Frauen aus den unterschiedlichsten Kulturen der Welt. Diese Stärke nutzen wir und unterstützen Neuankömmlinge in unserer Stadt“, sagt deshalb SSB-Chef Sebastian Bradke.

Stadtsportbund koordiniert und unterstützt

Er und seine Mitarbeiter koordinieren die Angebote vor allem für junge Asylbewerber, suchen die direkte Ansprache der Vereine, klopfen die Bereitschaft vor Ort ab. Ein knappes Dutzend der hiesigen Sportvereine hat sich im Laufe der letzten fünf Jahre bereit erklärt, Asylbewerbern die Integration durch Sport zu erleichtern.

„Man darf nicht vergessen, dass diese Menschen meist ohne viel Hab und Gut hier ankommen. Wenn sie dann hier sind, haben sie erst mal nicht viel zu tun, arbeiten dürfen sie nicht“, sagt Bradke. Der Sport könne da eine gewichtige Rolle spielen, den Menschen eine erste Aufgabe geben. „Vor allem Mannschaftssportarten eignen sich da natürlich, die Menschen kommen mit anderen in Kontakt. Im besten Fall erhalten sie über die Abwechslung durch die sportliche Betätigung hinaus auch zwischenmenschliche Kontakte“, so Bradke.

Integration durch Sport

Der Stadtsportbund tritt als Vermittler von Sportvereinen der Stadt und Asylbewerbern auf und ist auch aktiv im Übergangswohnheim in der Flämingstraße präsent.

Bisher engagieren sich neben den Baskets Turn-, Kampfsport-, Kegel-, Fußball-, Akrobatik- und Schachvereine in der Stadt für gelebte Integration.

Asylbewerber, die sich einem Sportverein anschließen, sind automatisch unfall- und haftpflichtversichert. Hier engagiert sich der Landessportbund.

Im Fall von Eric Riverse hat das bisher super geklappt. Beim und nach dem Training lacht und scherzt er mit den Teamkollegen, hat sichtlich Spaß und freut sich über die Abwechslung vom Alltag im Übergangswohnheim. Arbeiten würde er gern. Doch so lange sein Status nicht geklärt ist, darf er das nicht.

Spielgenehmigung kein Problem

Umso schöner, dass er im Mannschaftsgefüge bereits vollends akzeptiert ist. So folgten auf die ersten Trainingseinheiten gemeinsame Besuche beim Havelfest oder eine Mannschaftsfahrt nach Dresden, an der er auch teilnahm. Auch auf Privatfeiern war Eric mit seinen Jungs schon. „Zwar versteht er nicht viel, aber wir geben uns mit unseren paar Brocken Französisch und natürlich Englisch alle Mühe“, berichtet Teamkollege Jochen Trapp.

„Das ist natürlich ein besonders positives Beispiel“, freut sich auch Sebastian Bradke über das Paradebeispiel sozialer Integration. Er würde sich aber wünschen, dass noch mehr Vereine sich in diesem Bereich engagieren. „Wir bieten da gern unsere Unterstützung an.“

Die braucht es im Fall von Eric Riverse nicht mehr. Die Spielberechtigung für die neue Baskets-Saison ist kein Problem, das bestätigt der Deutsche Basketballverband auf Nachfrage. Angst hat der junge Mann vor der nahen Zukunft zumindest nicht. Auf die Frage, ob er eine wichtige Rolle in seiner neuen Mannschaft spielen kann, antwortet er nur: „Ich denke, ich bin gut genug.“

Von Philip Rißling

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