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Brandenburg/Havel Sprechstunde mit Flüchtling und Dolmetscher
Lokales Brandenburg/Havel Sprechstunde mit Flüchtling und Dolmetscher
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02:17 08.10.2015
Flüchtlinge können mit Behandlungsschein in die Sprechstunden niedergelassener Ärzte kommen. Quelle: dpa-Zentralbild
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Brandenburg an der Havel

580 Flüchtlinge leben nach aktuellem Stand in der Stadt Brandenburg. Rein rechnerisch werden es jede Woche 56 mehr. Ihre ärztliche Versorgung ist nach Angaben der Ärzte und Kliniken sowie der Stadtverwaltung und des Deutschen Roten Kreuzes gesichert.

Als Ärztenetzwerk bezeichnen sie sich nicht, aber mehrere niedergelassenen Haus- und Fachärzte in Brandenburg haben sich schon seit mehr als einem Jahr lose zusammengeschlossen, um die medizinische Versorgung von Flüchtlingen sicherzustellen. Die Gäste aus dem Ausland erhalten keine Vorzugsbehandlung, sondern bekommen wie andere Patienten ihre Termine in den Sprechstunden der Ärzte, berichtet Michael Engst, der in Kontakt steht mit sämtlichen beteiligten Berufskollegen.

Versorgung hat sich bewährt

„Das lässt sich im Augenblick gut händeln“, sagt der in Brandenburg bestens vernetzte Facharzt. Er sieht auf allen Seiten guten Willen.

Nach der Erfahrung von Michael Engst und seinen Kollegen hat sich die Versorgung der Flüchtlinge innerhalb der vorhandenen Strukturen des Gesundheitswesens bewährt. Der Kontakt läuft zumeist über die Sozialarbeiter in den Heimen Flämingstraße (294 Menschen), Hafenstraße in Kirchmöser (87 Menschen) und Sophienstraße (120 Männer). Weitere 80 Menschen aus Flüchtlingsländern leben in Verbundwohnungen. In zwei Wochen kommen 125 Flüchtlinge hinzu, die dann in der neuen Unterkunft in der Fohrder Landstraße wohnen sollen.

Ein Flüchtling in ärztlicher Behandlung. Quelle: dpa

Völlig problemlos ist die Untersuchung und Behandlung von Menschen aus fernen Kulturkreisen nicht, räumt der Internist Michael Engst ein. Denn es gibt sprachliche und kulturelle Barrieren. Bei Bedarf begleiten ehrenamtliche Helfer mit Sprachkentnissen die Patienten.

Nicht immer sind allerdings die Krankheiten und Vorerkrankungen der Flüchtlinge bekannt, die aus immerhin 22 verschiedenen Ländern nach Brandenburg gekommen sind. Da kann es mühsam für den Arzt sein, sich ein umfassendes Bild zu machen. Unbefriedigend für Arzt und Patient ist es auch, wenn eine laufende Behandlung abgebrochen werden muss, weil jemand die Stadt kurzfristig verlassen muss.

Als ein gravierendes Problem sieht es der Internist an, dass es viel zu wenig Hilfsangebote für Kriegsflüchtlinge gibt, die durch die Gewalt in ihren Heimatländern schwer traumatisiert sind. Die Therapieplätze in einem Traumazentrum reichen für all die Menschen, die Hilfe benötigen würden, bei weitem nicht. Engst: „Um einen solchen Platz muss man kämpfen.“

Kampf mit Behörden ist ausgestanden

Dagegen ist der Kampf mit den Behörden um die Kostenübernahme weitgehend ausgestanden. Die Flüchtlinge erhalten in ihrem Wohnheim die benötigten Kranken-oder Zahnbehandlungsscheine des Sozialamtes, das diese Scheine nach der Sprechstunde ausgefüllt bekommt, prüft, stempelt und dann die Behandlungskosten übernimmt für Asylbewerber, die sich nachweislich noch nicht länger als 15 Monate in Deutschland aufhalten. Genehmigt ist für sie nur eine Akutbehandlung, die aus medizinischer Sicht dringend geboten ist.

Dagegen erhalten länger in Deutschland lebende Asylbewerber von einer Krankenkasse ihrer Wahl eine Chipkarte genau wie deutsche Leistungsberechtigte ohne Versicherungsschutz.

Für die medizinische Behandlung von Flüchtlingen hat die Stadt Brandenburg im vergangenen Jahr knapp 300.000 Euro auf aufgewendet. In diesem Jahr hat sie bisher Rechnungen in Höhe von etwa 280.000 Euro beglichen, berichtet Sozialamtschefin Kerstin Schöbe.

Die Stadt bleibt auf einem Teil der Kosten sitzen. Sie erhält zwar pro Asylbewerber und Jahr als Pauschale eine Summe von derzeit 9219 Euro, in der auch Kosten der medizinischen Versorgung enthalten sind. Da diese Pauschale nicht auskömmlich ist, versucht die Stadt Brandenburg, die Erstattung der Aufwendungen ab 2009 gerichtlich durchzusetzen. Das Verfahren läuft noch, so Kerstin Schöbe.

Das städtische Klinikum musste Flüchtlinge nach Angaben von Geschäftsführerin Gabriele Wolter bisher nur in Einzelfällen stationär aufnehmen. Ähnliches gilt für das Asklepios-Fachklinikum, das laut Geschäftsführerin Daniela Wolarz-Weigel keinen sprunghaften Anstieg in der Flüchtlingsversorgung verzeichnet.

Klinikum bald mit bedeutenderer Rolle?

Die Rolle des Klinikum in der Hochstraße könnte dann größer werden, wenn das Land Brandenburg wie angekündigt ein Erstaufnahmelager in der Stadt einrichtet. in dem Fall würde das Klinikum die Erstuntersuchung von 500 Neuankömmlingen übernehmen. „Wir sind dazu bereit“, sagt die Klinikchefin. Vorgespräche mit dem Land über einen entsprechenden Versorgungsvertrag seien bereits gelaufen.

Von Jürgen Lauterbach

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