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St. Johannis: Vor 30 Jahren stürzte Dach ein

Brandenburg/H. St. Johannis: Vor 30 Jahren stürzte Dach ein

Mehr als 40 Jahre lang war sie eine Wunde im Stadtbild, die im Krieg halbzerstörte Johanniskirche in Brandenburg an der Havel. Das beschädigte Dach stürzte vor genau 30 Jahren ein. Vier Jahre später begannen die Rettungsarbeiten, seit zwei Jahren ist sie komplett wiederhergestellt. Ein Rückblick.

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Blick vom Turm auf das kaputte Kirchenschiff.

Quelle: Jörg Schulze

Brandenburg/H. Jörg Schulze hatte das Glück, das viele Amateurfotografen. gerne hätten. Nur wenige Wochen vor dem Einsturz des Daches der Kirche Sankt Johannis wagte das Mitglied der Evangelisch-reformierten Gemeinde gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer Ulrich Barniske den Aufstieg auf den Glockenturm des Gotteshauses. „Er hat mich am Gürtel festgehalten, damit die Aufnahmen überhaupt entstehen konnten. Da vom Turm aus ein Übergang in den Raum über dem Gewölbe besteht, entstanden auch hier einige Aufnahmen, deren Zustandekommen nicht immer ungefährlich war“, erzählt Schulze.

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Am 30. März 1945 wurde die Kirche Sankt Johannis von einer Luftmine getroffen und schwer beschädigt. Der Westflügel wurde komplett zerstört, das Dach verschoben. Weil es kaum Sicherungs- und Rettungsmaßnahmen in der DDR gab, stürzte am 10. August 1986 das Dach komplett ein. Erst ab Juni 1990 bis zum Jahr 2014 gelang die spektakuläre Rettung des Gotteshauses der evangelisch-reformierten Gemeinde.

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Am 10. August 1986 – vor genau 30 Jahren – weckte nachts ein lautes Krachen die Einwohner rund um die Johannis-Kirche. Das Dach, der am 30. März 1945 durch einen Bombenangriff schwer beschädigten Kirche, war eingestürzt. Dass es noch mehr als 40 Jahre in diesem schwer angeschlagenen Zustand gehalten hatte, war sicher der soliden Bauweise zu verdanken.

Wenige Tage nach dem Einsturz wagten die beiden erneut den Aufstieg, dabei entstanden spektakuläre Bilder. Schulze hatte zwei Kameras dabei: Eine Kleinbildkamera mit Dia-Film sowie eine Mittelformatkamera (6 x 6 Zentimeter). „Die Dias hatten durch ein Fremdlicht weiße Ecken. Ich habe sie wohl weggeworfen.“ Die anderen Fotos hat er erst jetzt vom Negativ scannen lassen.

Als Gemeindemitglied bei den Evangelisch-Reformierten verfolgte er natürlich genau, was weiter mit dem um 1240 errichteten Denkmal passierte: „Wie in vielen kirchlichen Gemeinden, fehlte auch der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Sankt Johannis die finanziellen Mittel, um die zerbombte Kirche zu restaurieren.“ Pläne der DDR-Oberen, diese zu sprengen oder abzutragen, wurden zum Glück nicht mehr umgesetzt. Schon ganz früh nach der Wende - noch vor der Deutschen Einheit – kam Hilfe aus dem anderen Teil der Republik, erinnert sich die städtische Denkmalpflegerin Katrin Witt, die gerade gemeinsam mit der Landesdenkmalbehörde eine Publikation über die Kirche vorbereitet: „Als eine der ersten Maßnahmen der Stadtsanierung war ein Westberliner Bauunternehmen im Juni 1990 durch den Sanierungsträger der Stadt beauftragt worden.

Der Auftrag umfasste die Erstellung eine Stahlrohrrüstung zum Vermindern der weiteren Schiefstellung der Außenwände. Er wurde schließlich um die Errichtung eines Notdachs erweitert.“ Unkonventionell ging es damals noch zu _ der Auftrag im Wert von mehr als 2,5 Millionen Mark wurde pauschal erteilt, die Baugenehmigung hatte weniger als zwei DIN-A-4-Seiten. „Das war vermutlich der absoluten Dringlichkeit der Notsicherung und dem unerwarteten Geldsegen aus dem Devisenfonds geschuldet und wäre so heute nicht mehr vorstellbar.“ Im Juni 1991 war das Stützgerüst fertig, im September 1991 traten neue Risse in den Gewölbekappen auf, die nördliche Hochschiffwand bewegte sich.

Im März 1992 wurde der Stillstand der Setzungsbewegungen festgestellt und die Kirche der Gemeinde wieder übergeben. Doch hatte die immer noch kein Geld. „Ich konnte Oberbürgermeister Helmut Schliesing im Jahr 2003 dazu bewegen, als Stadt die Kirche für den symbolischen Euro zu kaufen. Es zeichnete sich schon ab, dass es öffentliche Förderung für dieses Denkmal geben wird. So kam es dann auch“, sagt der damalige Baubeigeordnete Ralf Krombholz. Seitdem wurden mehr als 3,6 Millionen Euro in die Kirche gesteckt, die im Vorjahr als Blumenhalle die Buga-Besucher erfreute.

Von André Wirsing

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