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Staatsanwalt ermittelt wegen Polizei-Prügel

Brandenburg an der Havel Staatsanwalt ermittelt wegen Polizei-Prügel

Die Polizeiermittlungen zum behaupteten Gewaltübergriff zweier Polizisten auf einen 64 Jahre alten Mann aus Schmerzke stehen vor dem Abschluss. Das Landeskriminalamt hat den seinerzeit im Gesicht und am Körper verletzten Mann angehört und ihm dabei Videoaufzeichnungen gezeigt. Ausgerechnet die entscheidenden Stelle des Films fehle jedoch, so das Opfer.

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Manfred Rau (64) trug am 28. September 2016 unter anderem Gesichtsverletzungen davon.

Quelle: Jürgen Lauterbach

Brandenburg/H. Die polizeilichen Ermittlungen zum behaupteten Gewaltübergriff zweier Brandenburger Polizisten auf einen 64 Jahre alten Mann stehen vor dem Abschluss. Das Landeskriminalamt hat den seinerzeit im Gesicht und am Körper verletzten Manfred Rau angehört und ihm dabei Videoaufzeichnungen gezeigt. Ausgerechnet die entscheidenden Stelle fehle jedoch auf den Filmen, beklagt der Bürger aus Schmerzke.

Der Konflikt zwischen Bürger und Polizei geschah am Vormittag des 28. September 2016 an der Tankstelle am Beetzsee-Center im Gewerbegebiet Hohenstücken. Dort betankte Manfred Rau sein Auto, hatte aber den starken Verdacht, dass mit der Zapfsäule etwas nicht stimme und ihm daher ein zu hoher Betrag berechnet wurde.

Der Tankwart kümmerte sich nach Raus Angaben nicht um seine Beschwerde, sondern forderte den Kunden auf zu verschwinden, allerdings vergeblich. Weil der Kunde aus Schmerzke nicht ging, rief der Mann von der Tankstelle die Polizei.

Zwei Polizeibeamte sollen Manfred Rau wenig später erst dumm gekommen sein und ihn dann ohne Not in den Schwitzkasten genommen und draußen auf der Tankstelle zu Boden gedrückt haben. Der Schwerere der beiden Polizisten habe sich auf seinen Rücken gesetzt, sein rechter Unterarm sei mit einem Tonfa (eine Art Schlagstock) abgedrückt worden und die Hände seien ihm auf dem Rücken in Handfesseln gelegt worden.

So auf den Rücksitz des Polizeiautos verfrachtet, hätten die Beamten ihn als „das Dreckschwein aus Schmerzke“ beschimpft, der kräftiger gebaute Polizist habe ihn vom Fahrersitz aus mehrmals ins Gesicht geboxt. Manfred Rau sagt, er habe im Polizeiauto große Angst um sein Leben gehabt.

Mit Verletzungen kam der Brandenburger, der zuvor frisch am Fuß operiert worden war, schließlich in der Polizeidienststelle in der Magdeburger an, wo die dortigen Beamten ihn dann korrekt behandelt hätten, wie der Bürger berichtet.

Polizei wies die Darstellung des Bürgers zurück

Die Polizei in Brandenburg hatte die Darstellung des Schmerzker Bürgers am 29. September zurückgewiesen. Nach ihrer Darstellung weigerte sich Rau, dem Platzverweis der Polizisten zu folgen, und beleidigte sie.

Körperliche Zwangsmittel seien angewandt worden, weil der 64-Jährige wild um sich geschlagen und sich gewehrt habe. Die Gesichtsverletzungen habe er sich zugezogen, weil er mit dem Gesicht auf den Boden geprallt sei, als die Beamten ihn unter Kontrolle bringen wollten.

Im Polizeiauto habe er sich weiter gewehrt und mit einem Bein den Hinterkopf eines Beamten getroffen.

Laut Staatsanwaltschaft Potsdam läuft gegen Manfred Rau ein Verfahren wegen Hausfriedensbruchs.

Anschließend machte sich Manfred Rau auf in die Notaufnahme des Klinikums, wo die Ärzte nicht nur das Veilchen am rechten Auge feststellten, sondern auch zahlreiche „Prellmarken“ an Hals, Schulter, Brustkorb, Oberarmen, außerdem Schwellungen an beiden Handgelenken sowie Schwellungen, Hämatome und Abschürfungen im Gesicht dokumentierten. 14 Tage sei er krank geschrieben gewesen, berichtet der 64-Jährige.

Weil er damals so aus der Fassung war über das von ihm geschilderte Geschehen, informierte Rau noch am 28. September auch die MAZ, die seine Verletzungen fotografieren durfte. Knapp fünf Monate hat ihn das Landeskriminalamt (LKA) zur Zeugenvernehmung nach Eberswalde geladen. Dort seien ihm die Videos aus den Überwachungskameras der Tankstelle gezeigt worden.

Aus den Aufnahmen geht nach Raus Angaben hervor, dass die Beamten über ihn hergefallen seien, obwohl er sich ruhig verhalten habe. „Für mein Dafürhalten ist gut zu erkennen, vom wem der Angriff ausging“, sagt Rau. Was ihn erbost ist die fehlende Videosequenz am entscheidenden Punkt, nämlich als er gefesselt auf dem Rücksitz des Polizeiautos gekauert, der kleinere Beamte neben ihm gesessen und der größere auf ihn eingedroschen habe. „Da ist bearbeitet, gekürzt worden, da muss jemand dran gedreht haben“, behauptet das mutmaßliche Opfer.

Zu sehen sei auf der Videoaufnahme erst wieder, wie das Polizeiauto losfährt. Rau wurde im Rahmen seiner Vernehmung beim LKA zudem stutzig, weil er eine Formulierung im Protokoll unterschreiben sollte, die er gar nicht benutzt habe: nämlich dass der Polizist „mit vollem Hafer“ zugeschlagen habe. „Das habe ich ändern lassen, denn ich kenne diesen Ausdruck gart nicht“, sagt er.

Wie sich das Geschehen aus Sicht der Ermittler darstellt, ist noch nicht bekannt. Das LKA verweist auf das laufende Verfahren wegen Körperverletzung im Amt und die Absprache mit der zuständigen Staatsanwaltschaft Potsdam, keine Angaben zu dem geschilderten Sachverhalt zu machen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem „Kommissariat Amtsdelikte“ im LKA das Verfahren am 30. Januar mit entsprechender Ermittlungsverfügung übersandt. „Nach dem derzeitigen Stand ist mit einem Abschluss der Ermittlungen und Übersendung des Ermittlungsverfahrens an die Staatsanwaltschaft Ende März 2017 zu rechnen“, teilt LKA-Sprecherin Karina Schulter mit.

Von Jürgen Lauterbach

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