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Staatsanwalt hat junges Paar im Visier

Feuer in Asylunterkunft Staatsanwalt hat junges Paar im Visier

So schnell kann es gehen, dass eine unbescholtene Brandenburger Familie sich auf der Anklagebank wiederfindet. So geschehen nach dem Brandanschlag auf eine geplante Asylbewerberunterkunft am Neujahrsmorgen 2013 in Beelitz-Heilstätten. Kein Gericht ist aber davon zu überzeugen, dass die Angeklagten versucht haben, die Bestrafung des Brandstifters zu verhindern.

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Im einstigen Schwesternwohnheim wurde das Feuer gelegt. Der Brandstifter wurde – noch nicht rechtskräftig – verurteilt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Brandenburg an der Havel. So schnell kann es gehen, dass eine unbescholtene Brandenburger Familie sich auf der Anklagebank wiederfindet. So geschehen nach dem Brandanschlag auf eine geplante Asylbewerberunterkunft am Neujahrsmorgen 2013 in Beelitz-Heilstätten. Dabei hatte keiner der vier gezündelt. Angeblich aber haben sie mit ihren Aussagen versucht, die Bestrafung des Brandstifters zu verhindern.

An diesem Montag sind der Landwirt Marc P. (24) und die Auszubildende Maxi H. (25) im Landgericht Potsdam angeklagt. Das Amtsgericht Brandenburg hatte den gebürtigen Brandenburger und seine Partnerin zwar vor einem Jahr freigesprochen, doch die Staatsanwaltschaft Potsdam legte dagegen Berufung ein.

Die Behörde wirft beiden Angeklagten zunächst vor, sie hätten in ihrer polizeilichen Vernehmung versucht, die Bestrafung von Björn K. zu vereiteln. Dabei hatte das Paar nicht mehr getan, als in der Silvesternacht 2012/13 mit Björn K. zu feiern, dem Mann, der im Schein der Feuerwerkskörper den Brand legte im ehemaligen Schwesternwohnheim in Beelitz-Heilstätten. Das Gebäude war seinerzeit als Asylunterkunft vorgesehen.

Eine Partyteilnehmerin sieht das Feuer im Schwesternwohnheim

Die fragliche Silvesternacht läuft feucht-fröhlich im Haus von Maxi H.’s Eltern, direkt neben der geplanten Flüchtlingsunterkunft. Außer den Eltern und dem jungen Paar feiern zwei weitere Paare mit, darunter Björn K.

Kurz vor Mitternacht gehen alle Gäste der kleinen Party vor die Tür, um Raketen in die Luft zu schießen. Nur Björn K. entfernt sich. Eine Partyteilnehmerin sieht, wie er durch ein Fenster in das noch leere Schwesternwohnheim einsteigt und wenig später dort ein Feuer auflodert. Die anderen bekommen das offenbar nicht mit, erst im späteren Verlauf der Party wieder daheim wird darüber gesprochen.

Zu dieser Zeit sind Marc P. und Maxi H. offenbar schon zu Bett gegangen, denn der junge Landwirt muss am nächsten Morgen früh raus und arbeiten. So sagen sie es auch bei der Polizei aus, nachdem gegen Björn K. ermittelt wird.

Doch der Staatsanwalt glaubt den jungen Leuten nicht, dass sie von dem Feuer, den Björn K. in jener Nacht an zwei Stellen gelegt hat, nichts mitbekommen hätten, weil sie schliefen. Er zieht aus weiteren, nicht sehr klaren Zeugenaussagen den Schluss, dass das Paar versucht habe, die Tatbegehung durch Björn K. zu verschleiern. Den gleichen Vorwurf macht er den Eltern der jungen Frau, also den Gastgebern jenes Abends.

Verteidiger Schmedes: Normalbürger unerbittlich verfolgt

Die Verteidiger Daniel Simon Schmedes und Mathias Noll erreichen für ihre Mandanten bereits in der ersten Instanz einen Freispruch. Denn Amtsrichter Ellen Hofmann erkennt keine Nachweise für die Behauptungen des Staatsanwalts. Auch die vorsitzende Richterin der Landgerichtskammer, Ulrike Phieler-Morbach, fragt, womit die junge Frau denn eigentlich kriminell geworden sei.

Die Richterin regt an, dass die Staatsanwaltschaft ihre Berufung zurückzieht. Dies geschieht. Damit gilt der Freispruch der ersten Instanz. Das Verfahren gegen die Mutter von Maxi H. ist bereits vorher eingestellt worden, das gegen den Vater läuft noch. Björn K. wurde wegen Brandstiftung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, das Urteil ist aber noch nicht rechtzeitig.

Verteidiger Schmedes wundert sich, wie unerbittlich in diesem Fall Normalbürger verfolgt wurden, die mit solchen strafrechtlichen Folgen ihrer polizeilichen Vernehmung überhaupt nicht gerechnet hatten.

Von Jürgen Lauterbach

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