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Stadt Brandenburg kämpft gegen Einkreisung

Bürgerfest auf dem Altstädtischen Markt Stadt Brandenburg kämpft gegen Einkreisung

Mit Pfiffen begrüßten 500 bis 1000 Bürger am Montagnachmittag auf dem Altstädtischen Markt in Brandenburg an der Havel Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD). Der Minister will auf seiner Tour durchs Land die Bürger von den Vorzügen der Einkreisung überzeugen. Die Teilnehmer des Bürgerfestes wollen aber weiter lieber selbstständig bleiben.

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Innenminister Schröter traf in Brandenburg an der Havel auf viele Teilnehmer des Bürgerfestes.

Quelle: V. Maloszyk

Brandenburg an der Havel. Mit Quietsche-Enten, Buhrufen und ohrenbetäubenden Pfiffen, mit tonlosen Symphonikern und wortgewaltigen Laiendarstellern, mit ihren Appellen und Argumenten versammeln sich am Montagnachmittag mehrere hundert Brandenburger vor dem Altstädtischen Rathaus in Brandenburg an der Havel. Sie alle verfolgen ein Ziel: Ihre Heimatstadt kreisfrei und damit selbstständig zu halten.

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Viele Hundert Brandenburger haben am Montag friedlich deutlich gemacht, dass sie ihre Stadt nicht aufgeben werden, vielmehr um deren Eigenständigkeit kämpfen wollen

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Bürgerfest nennt Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann die Volksversammlung auf dem Altstädtischen Markt. Die Christdemokratin und politische Mitstreiter aller in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien engagieren sich in seltener Einmütigkeit für den Erhalt der Kreisfreiheit in der Stadt Brandenburg. Ein Showprogramm mit Musik, Imbiss und Spaß bringt die Gäste in Stimmung für den späteren Info-Abend im Stahlpalast.

Der Innenminister lobt den „guten Showteil“

An dem Tag, an dem Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) nach Brandenburg an der Havel kommt, um seine Gebietsreformpläne zu erklären, bereiten ihm 500 bis 1000 Brandenburger einen Empfang mit gellenden Pfiffen. Reden und ausreden darf der Landespolitiker trotzdem, als er auf dem Altstädtischen Markt nach vorn tritt. Schröter lobt den Showteil als „wirklich gut“. „Wenn die Argumente genauso gut sind, steht der Kreisfreiheit nichts im Wege“, fügt er hinzu.

Doch hält der Minister die Argumente der Brandenburger für offenbar nicht so gut wie die Show. Denn er lässt bereits am früheren Nachmittag keinen Zweifel daran, dass er am Vorhaben der Landesregierung festhält, die kreisfreien Städte des Landes mit Ausnahme Potsdam den geplanten größeren Landkreisen einzuverleiben. Auch Brandenburg an der Havel. Er verspreche, dass die Stadt auch künftig ihr eigenes Theater, eine eigene Musikschule und einen städtischen öffentlichen Nahverkehr haben könne, wenn dies so beschlossen wird.

Ein Höhepunkt des Bürgerfestes ist ein gellendes Pfeif und Entenquietschkonzert, das gefolgt wird von einem Auftritt der Brandenburger Symphoniker. Das Orchester spielt keinen Ton. Die Botschaft: Wenn die Stadt ihre Kreisfreiheit verliert, wird es kein Orchester mehr geben, das spielen könnte.

Bad Belzig unterstützt Brandenburg an der Havel

Bad Belzigs Stadtoberhaupt Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) stärkt den Brandenburgern den Rücken. Beim Bürgerfest in der Altstadt wünschte sich die Bürgermeisterin der aktuellen Kreisstadt, dass es den Brandenburgern gelingen möge, sich mit ihren guten Argumenten Gehör bei der Landesregierung zu verschaffen.

Der Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher (SPD) stellte sich ebenso gegen die Einkreisung wie Kommunalpolitiker von CDU, SPD, Linken, AfD und FDP.

An zeitweise drei Ständen auf dem Altstädtischen Markt können sich die Brandenburger und auch Gäste auf Unterschriftenlisten für die Kreisfreiheit stark machen. Ohne Unterbrechung werden die Stände belagert.

„Zu unterschreiben ist mir ein Bedürfnis, nicht um den Politikern hier den Allerwertesten zu retten, sondern weil ich Brandenburger bin und in der ältesten Stadt des Landes lebe“, erklärt Frank Stach (55). Gisela und Manfred Städtner (76) möchten nicht, dass ihre Heimatstadt in irgendeinem Kreis untergeht. „Unsere Stadt lebt doch in ihrer Tradition“, sagt der Ehemann. „Paket zur Entschuldung“, dieses Wort höre sich so an, „als wollten die uns kaufen“.

Charlotte Wiwalski (77) will schlicht „die Stadt behalten“. „Wo gibt es denn so etwas, dass alle Ämter dann außerhalb und damit weit weg sind?“, fragt die Rentnerin. Solche Nachteile fürchten auch Ines und Danny Kern (35 und 36) mit Sohn Jamie (8).

Befürchtung: Die Stadt wird „unregierbar“

Die alte Chur- und Hauptstadt einzukreisen findet die junge Familie ebenso unmöglich, wie Norbert Meyne, Geschäftsführer der WBG, der größten Wohnungsgesellschaft in der Stadt: Allein auf die Idee zu kommen, findet er schon abenteuerlich. Zudem verspürt Meyne wenig Neigung, für Bauanträge weite Wege in Kauf zu nehmen.

Dietlinde Jagdhuhn (58) fürchtet, dass die Stadt bei einer Einkreisung „unregierbar“ würde und ihre Interessen auf der Strecke blieben. „Die Randgebiete in einem solchen enorm großen Kreis kennen doch die Belange der Stadt nicht und umgekehrt gilt das gleiche.“

Arno Kabisch möchte mit seinen knapp 90 Jahren, dass „wir selbstständig bleiben, und unterschreibt folglich ebenfalls. Brigitte Getzlaff (72) fürchtet, dass weniger Geld in eine nicht mehr kreisfreie Stadt fließen würde und die Brandenburger Mitspracherechte einbüßen würden.

Von Jürgen Lauterbach

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