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Stadt reagiert auf drohenden Personalmangel

Wohlfühl-Programm Stadt reagiert auf drohenden Personalmangel

Die bestehenden Mitarbeiter müssen gehegt werden, neue angeworben und alte zurückgeholt werden, damit das Rathaus der Stadt Brandenburg arbeitsfähig bleibt. Personalchefin Viola Cohnen hat nun ihr Konzept vorgelegt, das in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll. Der drohende Verlust der Kreisfreiheit spielt dabei nur eine Nebenrolle.

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Das Rathaus soll attraktiv für Berufsanfänger werden.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Die Rathausmitarbeiter müssen gehegt und gepflegt, neue sorgsam umworben und behütet sowie alte zurückgeworben werden. Das ist die Grundformel, auf der das neue Stellen- und Personalentwicklungskonzept fußt, das am 28. September von den Stadtverordneten beschlossen werden soll.

„Dabei wird sich politisch nicht unbedingt leicht vermitteln lassen, dass die Verwaltung ihren Mitarbeitern zukünftig ,mehr bieten’ muss“, schreibt Personalchefin Viola Cohnen gleich zu Beginn ihres 25-seitigen Papiers. Es genüge nicht mehr, nur mit dem sicheren Arbeitsplatz und den sicheren Gehaltseingängen zu punkten. Die junge Generation sorge sich nicht mehr um ihren Arbeitsplatz, schließlich wird sie heftig umworben, auch aus der freien Wirtschaft. Für Verwaltungs-Neueinsteiger sei der Anfangstarif des öffentlichen Dienstes auch nicht gerade attraktiv. Schnellere Aufstiegschancen, flexibleres Arbeiten oder „Home Office“ seien aber einige Beispiele, um für Verwaltungsarbeit zu werben. Mitarbeiterzufriedenheit, Gesundheitsvorsorge, Fortbildungsmöglichkeiten bessere Führungskräfteentwicklung, Optimieren der Abläufe oder interkommunale Zusammenarbeit seien ebenfalls spannende Themen, bei denen es sich lohne daran mitzuarbeiten.

„Die Mitarbeiter müssen ständig ihre Arbeitsabläufe hinterfragen. Die Antwort nach dem ,Warum’ darf dabei niemals lauten, ,weil wir es schon immer so gemacht haben’.“ Ein gutes Beispiel für das Umdenken sei der Aufbau einer Zentralen Vergabestelle, die alle Ausschreibungs-, Angebots- und Wettbewerbsverfahren der Verwaltung zentral koordiniert. Dabei könne Fachwissen gebündelt werden. Noch läuft die Vergabestelle allerdings noch nicht wie versprochen, weil sich der Aufbau in der Praxis schwieriger gestaltete als gedacht.

Förster im Rathaus

Die Stadt hatte sich vorgenommen, in den Jahren 2009 bis 2015 die Anzahl der Vollzeitstellen 75 auf 945,6 zu kürzen, derzeit sind es 938,8 Vollzeitstellen.

Bereits jetzt sind weitere 49 Stellen bis 2019 mit einem so genannten KW-Vermerk (Keine Wiederbesetzung) versehen.

Bis zum Jahr 2021 werden voraussichtlich 152 Beschäftigte aus dem aktiven Dienst aufgrund ihres Alters ausscheiden.

Die Verwaltung wird auch wieder gesünder: Wurden im Jahr 2010 25.448 Arbeitsunfähigkeitstage gezählt, waren es im Vorjahr „nur“ 25.165. Absoluter Höchststand war im Jahr 2013 mit 28.530 Krankentagen. Seit 2012 gibt es ein Betriebliches Gesundheitsmanagement im Rathaus mit Gesundheitsförderprogrammen, Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie einem Eingliederungsmanagement.

Selbst „Massagen am Arbeitsplatz“ sind seit September 2012 im Angebot.

Derzeit bildet die Verwaltung zwölf Verwaltungsfachangestellte aus, sieben Azubis im Studiengang Öffentliche Verwaltung Brandenburg (Bachelor of Laws), drei Brandmeisteranwärter sowie einen Vermessungstechniker.

Lediglich der Vermessungstechniker wird nicht ins Rathaus übernommen. Weil das Land aber Interesse an einer solchen Ausbildung hat, fördert es seine Lehre zu 80 Prozent.

Die Kommune hat zudem Ausbildungsberechtigung für Forstwirte, Fachangestellte Bäderbetriebe, Straßenwärter, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste in Bibliotheken und Archiven, Büromanager, Lebensmittelkontrolleure sowie Veranstaltungskaufleute.

Dennoch gelte es, sich vom „Tunnelblick“ zu lösen und neue Wege zu gehen. Im Herbst werden erste Ergebnisse einer „Aufgabenkritischen Analyse“ ausgewertet, darin wird auch betrachtet, welche (freiwilligen) Aufgaben die Verwaltung erbringen muss, um für ihre Bürger attraktiv zu sein. Unter anderem wird dabei wieder das Thema Outsourcing aktuell – was kann man an Dritte geben, die gleiche Aufgaben mindestens ebenso gut, aber billiger als die Verwaltung erbringen kann.

Interkommunale Zusammen arbeit wird bereits praktiziert – etwa mit Mittelmark bei Zulassungsstelle und Landwirtschaftsamt, mit Mittelmark und Teltow-Fläming bei der Regionalleitstelle, es wird beim Frauenhaus und bei der Verwaltungsausbildung zusammengearbeitet. Dennoch sollen die Fachbereichsleiter jetzt jährlich neue Vorschläge machen.

Zudem sind frei werdende Stellen künftig innerhalb von sechs Wochen wieder zu besetzen, damit es bei den anderen Mitarbeitern nicht zu Überlastungen kommt. Das gelte auch bei Dauererkrankungen und Elternzeit.

Bislang wurden Führungspositionen einzig nach fachlichen Gesichtspunkten besetzt, jetzt soll Führungskompetenz hinzukommen. Wer sich ständig qualifiziert, seine Teamfähigkeit und Führungsstärke nachweist, soll schneller verantwortliche Positionen einnehmen als bislang. Zudem werde die Teilnahme an Inhouse-Schulungen zu Verwaltungsrecht, Haushaltsrecht oder Datenschutz verpflichtend.

Von André Wirsing

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