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Brandenburg/Havel Seit der Wende floss eine Milliarde in die Bausubstanz
Lokales Brandenburg/Havel Seit der Wende floss eine Milliarde in die Bausubstanz
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15:37 28.09.2018
Das Ensemble mit dem Stadtcafé in der Hauptstraße 26-28 ist nun komplett saniert. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Die Stadt konnte das Gebäudeensemble Hauptstraße 26-28 nicht halten und sanieren, also hat es ein Privatmann getan: Matthias Gregersen. Die Kommune hatte es ihm 2014 für 301.000 Euro verkauft. „Es handelt sich um eines der markantesten Gebäude der Innenstadt, das wieder zu einem Schmuckstück geworden ist. Uns ist das nicht gelungen“, gibt Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) neidlos zu.

Matthias Investor und Bauherr Matthias Gregersen. Quelle: JACQUELINE STEINER

Das feierliche Sanierungsende nutzte der Rathauschef, um für die ganze Innenstadt mit Neustadt, Altstadt und Dom eine beeindruckende Sanierungsbilanz zu ziehen: 1992 habe es erste Voruntersuchungen gegeben, die ein Jahr später zur Ausweisung eines innerstädtischen Sanierungsgebietes mit einer Größe von 94 Hektar führten.

Eingeschätzt wurde, dass 90 Prozent der historischen Gebäudesubstanz zu sanieren seien. „Rund 100 Millionen Euro an Städtebauförderung sind dafür geflossen, eingeschlossen die städtischen Eigenanteile. Mehr als 800 Millionen Euro privater Investitionen hat dies nach sich gezogen“, resümiert der Oberbürgermeister. Auch die Stadt selbst habe sich beteiligt, beispielsweise mit dem Sanieren von Paulikloster, Spielwarenfabrik, Gotischem Haus oder Johanniskirche.

745 sanierungsbedürftige Gebäude habe es gegeben, bei 644 sei die Sanierung schon erfolgt. 602 dieser Vorhaben seien gefördert worden. 19 Gebäude sind aktuell in der Sanierung. Dass das Reanimieren der Innenstadt gelungen ist, macht Scheller auch an einem anderen Punkt fest: „Wir haben wieder 7500 Einwohner in der Innenstadt, fast so viel wie 1989. Im Jahr 2005 waren es zwischenzeitlich nur 5770 Innenstadtbewohner.“ Weil die Entwicklung so weit fortgeschritten ist, werde das Sanierungsgebiet im Jahr 2021 förmlich geschlossen.

Es gebe erfreulicherweise Anzeichen, dass bis dahin weitere große Sanierungsvorhaben erledigt sind. Ausdrücklich nennt Scheller die Schomaker-Gruppe, die sich um das Ensemble des Flakowski-Kaufhauses bemüht, die Investoren um Moritz Krekeler, die den Alten Roland wiederbeleben sowie Matthias Gregersen, der nicht nur den Stadtcafé-Komplex saniert, sondern gerade auch die gegenüberliegende Hauptstraße 25 und im kommenden Jahr das ehemalige Hotel Lange beziehungsweise Zentral direkt neben der Werft.

Sanierung des Die Konditorei Graf war im vorigen Jahrhundert Vorläufer des Stadtcafés. Quelle: JACQUELINE STEINER

Neben dem Stadtcafé sind nun zwei weitere Gewerbeeinheiten (Juwelier Kretschmer und Eissauna) fertig sowie elf Wohnungen in Größen von 100 bis 170 Quadratmetern entstanden. Drei Jahre lang wurde gebaut, immer wieder gab es Überraschungen, erinnert sich der Bauherr. „Wir haben allein fast 100 Container Müll und 66 Container Bauschutt abgefahren.

36 Balken wurden ausgetauscht. 30 Handwerksbetriebe waren hier tätig und sie haben 600 Rechnungen geschrieben.“ Gregersen zur Seite stand der Planer Dieter Galla. Er berichtet, dass teilweise am Dachstuhl Träger im Durchmesser von 30 mal 40 Zentimetern ausgetauscht werden mussten, „sie halten die ganze Hausecke zusammen“.

Gregersen erinnert auch an die bewegte Bau- und Nutzungsgeschichte: Zuerst entstand zwischen 1860 und 1870 die Nummer 28 als Zweieinhalbgeschosser mit neogotischen Fenstern. 20 Jahre später kam die Nummer 26 im neoklassizistischen Stil und zu Beginn der 20. Jahrhunderts wurde die 28 bis aufs Erdgeschoss abgetragen, danach kamen drei Geschosse drauf, diesmal im Neobarock. Zu DDR-Zeiten bekamen alle drei Häuser eine einheitliche Fassade. Das Stadtcafé sei immer ein Nobelcafé gewesen, darüber gab es eine Weinstube. In der Goldschmiede war früher ein Weinhandel, darüber befanden sich Billardsäle und eine Diskothek.

Der Saal im Hof war ein nachträglich eingesetzter Industriebau, der zuletzt als Tanzsaal genutzt wurde. Der Erwerber hat bei der ersten Besichtigung noch die komplette Silvesterdekoration aus DDR-Zeiten vorgefunden. „Ich habe einen siebten Sinn. Immer, wenn ich früher an dem Gebäude vorbeigegangen bin, schien es mit mir zu sprechen: „Rette mich, ich bin eine verlorene Schönheit.“

Zum Verdruss seiner Frau habe er die Stimmen erhört und sich an das schwierige Vorhaben gemacht. Zur jetzigen Eröffnung hat sich seine Gattin wieder mit ihm gefreut.

Von André Wirsing

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