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Stadtmuseum soll ins alte Bauhausbad ziehen

Investor für Brandenburg an der Havel Stadtmuseum soll ins alte Bauhausbad ziehen

Seit Jahren plagt sich die Stadt Brandenburg mit ihrem alten Heimatmuseum herum. Das Freyhaus ist zu klein und für Ausstellungen ungeeignet, die Depots sind in der Stadt verteilt, es fehlen Konzept und roter Faden für ein attraktive Schau. Doch es sieht so aus, als wäre jetzt der gordische Knoten durchschlagen.

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Bauhausensemble in Brandenburg an der Havel. Die AOK hat die jetzt verkauft.

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/H. Seit Jahren plagt sich die Stadt Brandenburg mit ihrem alten Heimatmuseum herum. Das Freyhaus ist zu klein und für Ausstellungen ungeeignet, die Depots sind in der Stadt verteilt, es fehlen Konzept und roter Faden für ein attraktive Schau, die einen gut gemachten Einblick in über 1000 Jahre Stadtgeschichte geben.

Doch es sieht so aus, als wäre jetzt der gordische Knoten durchschlagen. Die perfekte Lösung ist in greifbarer Nähe, sagen der Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher (SPD) und der Kulturbeigeordnete Wolfgang Erlebach (Linke) unabhängig voneinander. Die „perfekte Lösung“ für das Museum könnte man im alten Stadtbad und den angeschlossenen Bereichen finden. Wie berichtet, hatte der Planer Florian Grotmann das denkmalgeschützte Bauhaus-Ensemble im ehemaligen Wohlfahrtsforum von der Stadt für 255000 Euro gekauft und angekündigt, gemeinsam mit einem Partner einen zweistelligen Millionenbetrag dort zu investieren.

 Leeres Schwimmbecken im alten Stadtbad in Brandenburg an der Havel

Leeres Schwimmbecken im alten Stadtbad in Brandenburg an der Havel.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Entstehen sollten in der Hülle des alten Stadtbades selbst 24 Wohnungen mit bis zu 130 Quadratmetern Größe. Erhalten werden sollen das Entree und die alten Treppenhäuser. In den Anbauten hatte Grotmann Maisonette-Wohnungen geplant, 28 Drei- bis Vier-Raum-Wohnungen von 100 bis 130 Quadratmetern Größe sollten gebaut werden. „Vielleicht gibt es auch eine ganz andere Nutzung für das Stadtbad. Das ist allerdings noch nicht spruchreif“, sagt Grotmann vor Wochen geheimnisvoll zur MAZ.

Inzwischen ist klar: Grotmann hat der Stadt den Altbau samt Anbauten als Museumsstandort angeboten. Und in der Stadtverwaltung sind alle begeistert. Von Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) bis zu Erlebach gibt es nur zufriedene Gesichter. Die klare Botschaft an den Investor: Das Stadtbad selbst ist ein Museum und eignet sich ideal um dem Museum der Stadt Brandenburg eine neue Heimat zu geben. Wie Wolfgang Erlebach sagt, sei die Kulturverwaltung derzeit dabei, eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Projekt zu erarbeiten. Zwischen 800 und 1200 Quadratmeter würde das Museum der Stadt für eine Dauerausstellung brauchen, die den Namen auch verdient. Dafür sei die Haus-im-Haus-Lösung bestens geeignet, sagt Grotmann. Lichtdurchflutet und im eigentlichen Schwimmbad stehend könnte der Museumsneubau auf vielen verschiedenen Ebenen zu einem Erlebnis werden.

 Planer Florian Grotmann im alten Stadtbad

Planer Florian Grotmann im alten Stadtbad.

Quelle: JACQUELINE STEINER

In den Anbauten des Bades könnte das Depot von mehreren Standorten aus zusammengeführt werden. Dafür würde man nach ersten Berechnungen etwa 2500 Quadratmeter benötigen, hat Erlebach errechnen lassen. „Platz ist genug da“, meint Grotmann auf Nachfrage, der einmal mehr die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung lobt.

Mit dem 1929 eingeweihten Wohlfahrtsforum im Bauhausstil hat sich der Architekt eine Lebensaufgabe gestellt. Zu dem einstigen Stadtbad gehören nämlich noch das seit 2002 von der Krankenkasse genutzte AOK-Gebäude und die 2005/6 durch die Stadt sanierte Turnhalle.

Und nun nennt Grotmann auch noch das AOK-Gebäude sein eigen: Der Verkauf wurde in dieser Woche notariell beglaubigt. Jahrelang hatte die AOK versucht die Bauhaus-Immobilie an der Bauhofstraße zu verkaufen. Rund 1,5 Millionen Euro wollte die Kasse haben. Dafür fand sich niemand, zumal es wegen der Nähe zur Havel Gründungsprobleme geben soll und zumindest das große viergeschossige Hauptgebäude nach unten gegen aufsteigendes Grundwasser abgedichtet werden muss. Dem Vernehmen nach soll der Kaufpreis jetzt bei etwa 1 Million Euro gelegen haben. Alles in allem dürfte der Umbau weitere Millionen kosten. Noch ist offen, wann die AOK auszieht. Bis dahin nutzen wir die leer stehenden Flächen, sagt Grotmann, um die Arbeiten am Gesamtkomplex fortzusetzen.

Derzeit organisiert er den Umzug seiner Firma Artectura von Michendorf nach Brandenburg an der Havel, weil der Schwerpunkt seiner Aktivitäten schon seit Jahren in der Stadt liegt, wo er beispielsweise das den Bären und das Landratsamt an der Johanniskirche entwickelt hat. Tatsächlich hat Grotmann mit dem Stadtbad und dem AOK-Gebäude, aus dem er ein „Kreativ-Komplex“ entwickeln will, noch längst nicht genug. Schließlich soll ja zur Kanalstraße hin noch ein Neubau entstehen. In dem Komplex, der bereits zu den Ursprungsplanungen aus den 20er-Jahren passt, entstehen 44 Wohnungen verschiedener Größen. Der Quadratmeterpreis für die Eigentumswohnungen soll unter 3000 Euro liegen und bereits 2018 fertig sein.

Für Wolfgang Erlebach wäre es ein Glückfall, sollte das Gesamtprojekt so gelingen, wie es sich Grotmann und die Verwaltung vorstellen. Für Erlebach ist auch vorstellbar, dass sich die Stadt auch von der Turnhalle verabschieden könnte, um dann den Gesamtkomplex aus einem Guss entwickeln zu lassen.

Ralf Holzschuher hat zugesagt, das Projekt auch in Potsdam unterstützen zu wollen. Das Kulturministerium sei interessiert, er halte es für denkbar, dass für dieses außergewöhnliche Denkmal Fördermittel bewilligt würden. Im Übrigen lobte Holzschuher die Ideen Grotmanns, die dem ursprünglichen Plan der SPD, aus dem E-Werk gegenüber eine Museumshalbinsel zu machen, nahe kommen würden.

Von Benno Rougk

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