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Stadtwerke-Skandal wird größer

In Brandenburg/Havel kommen neue Betrügereien ans Licht Stadtwerke-Skandal wird größer

Der Stadtwerke-Skandal von Brandenburg/Havel wird für die Stadt teuer: 1,1 Millionen Euro soll der entlassene Stadtwerke-Chef über Jahre in die eigene Tasche gesteckt haben. Für Rechts- und Wirtschaftsgutachten entstehen weitere 500.000 Euro Kosten. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt wegen Untreue und Vorteilsnahme.

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Der geschasste Stadtwerke-Chef Wolfgang-Michael Schwarz.

Quelle: Joachim Wilisch

Brandenburg an der Havel. Der Stadtwerke-Skandal von Brandenburg an der Havel wird für die Stadt teuer: 1,1 Millionen Euro soll der entlassene Stadtwerke-Chef Wolfgang-Michael Schwarz über Jahre in die eigene Tasche gesteckt haben. Zusätzlich müssen weitere 500.000 Euro für Gutachten von Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten aufgebracht werden. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt gegen Schwarz wegen Untreue und Vorteilsnahme.

Ein paar Tage lang sah es so aus, als wäre ein Ende des Skandals um die Stadtwerke in Brandenburg an der Havel abzusehen. Weit gefehlt. Mutmaßlich weitere mehr als 300.000 Euro Schaden soll der ehemalige Technische Stadtwerke-Chef Wolfgang-Michael Schwarz verursacht haben. Damit läge der reine Schaden bei 1,1 Millionen Euro. Hinzu kommen noch mehr als 500.000 Euro Kosten für Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, die seit dem Bekanntwerden des Skandals Mitte Juni angefallen sind.

Die privaten Ermittler haben Belege für die vermutlich hohe kriminelle Energie von Schwarz penibel zusammengetragen. Zuerst ging es lediglich um vermutete Garten- und Unterhaltungsarbeiten an Schwarz' Privathaus in Rathenow (Havelland) durch die Stadtwerketochter Brandenburger Dienstleistungen. Dafür sollen Scheinrechnungen vom Unternehmen bezahlt worden sein. Schaden: 35. 000 Euro.

Später soll Schwarz die Heizöl-Reserve für das Stadtwerkekraftwerk für verdorben erklärt haben. 400.000 Liter wurden für 25 Cent je Liter offiziell weiterverkauft, Marktpreis waren 70 Cent. Weitere 134.000 Liter wurden für komplett wertlos erklärt. Entsorgungsrechnungen gab es allerdings nie. In Zusammenarbeit mit einem Mineralölhändler wurde das Öl mutmaßlich weiterverkauft und der Erlös aufgeteilt. Schaden etwa 515.000 Euro. Reparaturen an Blockheizkraftwerken waren zu teuer, in drei Fällen kamen 134.000 Euro Schaden zusammen.

Alle mutmaßlich strafbaren Handlungen summierten sich bislang auf knapp 800.000 Euro. Am Donnerstag wurden dem Aufsichtsrat von den Prüfern zwei weitere Fälle offeriert, bei denen mindestens jeweils weitere 150.000 Euro Schaden entstanden sein sollen. Es geht um völlig überhöhte Rechnungen für Abbruch- und Unterhaltungsarbeiten an der Kessel anlage des Heizkraftwerkes.

Die Vorsitzende des Aufsichtsrats, die Brandenburger Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) hofft nun, „dass langsam alles ans Tageslicht gekommen ist“. Rund 2.800 Rechnungen wurden bislang untersucht, dabei nur solche mit einem Wert von mehr als 2000 Euro. Die Neuruppiner Korruptionsstaatsanwälte haben gemeinsam mit Ermittlern des Landeskriminalamtes mittlerweile genau ein Dutzend Firmen in der Region durchsucht – vom Caterer bis zum Landtechnikhändler. Bei einem Abrissunternehmer wurde nach MAZ-Informationen die komplette Computertechnik vom Landeskriminalamt ausgebaut.

Noch völlig unklar ist die Schadenshöhe beim missglückten Versuch der Stadtwerke, eine Biogasanlage zu errichten. Verbaut wurden bislang 1,6 Millionen Euro, ein Abriss käme noch einmal so teuer. Dieses Projekt hatte Schwarz ganz allein verantwortet.

Von André Wirsing

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Stadtwerke arbeiten mit verdächtigen Firmen weiter

Im seit mehr als fünf Monate anhaltenden Stadtwerkeskandal hat sich erstmals die Geschäftsführung geäußert.Es sei äußerst schwierig gewesen, die mutmaßlichen kriminellen Machenschaften des ehemaligen Technischen Geschäftsführers Wolfgang Michael Schwarz zu erkennen, sagt der Kaufmännische Chef Uwe Müller.

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