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Brandenburg/Havel Stadtwerke wieder mit Doppelspitze
Lokales Brandenburg/Havel Stadtwerke wieder mit Doppelspitze
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02:16 28.09.2015
Gunter Haase ist der neue technische Geschäftsführer der Brandenburger Stadtwerke. Quelle: Daniel Kaise
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Brandenburg an der Havel

Gunter Haase (47) ist ein vorsichtiger Mensch. Kaum ein Lächeln huscht über sein Gesicht, als ihn jetzt Steffen Scheller (CDU), Aufsichtsratschef der Brandenburger Stadtwerke erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Hände vor sich auf dem Tisch gefaltet, die Armbanduhr ist vor Stunden stehen geblieben, sitzt Haase fast regungslos da.

Scheller, sonst zurückhaltender Zahlenmensch, schwärmt: Der Entscheidung des Aufsichtsrates sei ein umfangreiches Auswahlverfahren vorausgegangen, in dem sich Haase mit Abstand als Bester durchsetzte und alle Stimmen auf sich vereinte. Für diese Wahl hat der Miteigentümer Eon-Edis sogar auf das Bennenungsrecht eines Geschäftsführer verzichtet. Wohl auch, weil sich die Benennung von Michael Schwarz, als Fehlgriff erwies.

Schwarz ist immer noch Thema

Auch wenn Schwarz an diesem Tag nicht dabei ist – er hat sein Urteil bekommen und die Haftstrafe akzeptiert – schwebt sein Name über der Veranstaltung: Denn wäre sein Tun inklusive der Bildung eines kriminellen Netzwerkes mit Brandenburger Unternehmen nicht aufgeflogen, würde es wohl noch heute so geschmiert funktionieren, wie zuvor. Und es gäbe keinen Nachfolger Gunter Haase, der nun nach dem Intermezzo des aus dem Ruhestand geholten Benno Felsch, nun das Ruder der Techniker übernehmen soll.

Tatsächlich gibt es einiges, was für Haase spricht. Er ist noch bis Oktober Geschäftsführer der Technische Werke Delitzsch. Das deutlich kleinere Unternehmen macht zwar nur ein gutes Drittel des Umsatzes der Stadtwerke, vereint aber ebenfalls alle Sparten unter einem Dach, arbeitet mit prozentual weniger Personal als sein Pendant und wurde von ihm allein geführt. Als 2014 unter Haases Führung in Delitzsch die Energiesparten zusammengeführt wurde, sagte er: „Die Energiewende verlangt von uns, bei der Energieversorgung neue Wege zu gehen. Das Zusammengehen macht uns schlanker und schlagkräftiger.“

Ein Brandenburger zurück in der Heimat

Was ferner für ihn spricht: Haase ist Brandenburger. In der Stadt geboren und in Premnitz ausgewachsen. Und er kennt die Stadtwerke aus dem Effeff: „Von 1996 bis 2010 war ich in verschiedenen Positionen des technischen Bereiches.“ Von 2010 bis 2012 führte er Bereiche des Versorgers LSW in Wolfsburg und wechselte 2012 nach Delitzsch. 20 Jahre Erfahrungen in der Branche bringt Haase mit, ist bestens zwischen Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen vernetzt und kennt zudem in der Stadt viele Interna.

Denn im Grunde war er nie weg: 1995 wieder in die Havelstadt gezogen, pendelte der studierte Elektrotechniker und Wirtschaftsingenieur stets zu seiner Frau, die mit den beiden Kindern immer in der Havelstadt wohnen blieb. Und dabei blieb sogar Zeit, hin und wieder laufen zu gehen und zu segeln. „Frischer Wind tut gut“, meint Gunter Haase doppeldeutig. Die Energieversorger befänden sich im Verdrängungswettbewerb. Auch wenn die Stadtwerke trotz des Skandals wirtschaftlich gesund da stünden, „gibt es nichts, was man nicht verbessern kann.“ Angesichts des steigenden Kostendrucks erhalte das Thema „strategische Personalplanung“ größere Bedeutung. Kein Wort verliert Haase zu Personaleinsparungen („Da kann man keine Zahlen nennen, aber sicher ist, wir dürfen uns nicht ausruhen!“) verweist aber auf die gesunde Struktur des Delitzscher Unternehmens.

Dem kaufmännischen Geschäftsführer Uwe Müller war im Vorfeld eine gewissen Skepsis nachgesagt worden, einen früheren Mitarbeiter des Hauses nun wieder als Chef zurückzuholen.

Haase ist vorsichtig

Doch inzwischen scheint er in Haase ein Partner gefunden zu haben, mit dem er den Umgestaltungsprozess vorantreiben kann. Er lobt Haase als „kreativen Kopf und Querdenker“. Wer die beiden erlebt, merkt: Das könnte passen.

Aber: Haase ist vorsichtig. Auch, weil er den Sumpf kennt, den sein Vorgänger hinterlassen hat. Die meisten Firmen, die in dem „dolosen System“ zu ihrem Vorteil und zum Schaden der Stadtwerke gewirkt haben, sind noch mit dem Stadtwerk verbandelt.

Es gäbe ja keine anderen Firmen vor Ort und man habe Verantwortung für die Mitarbeiter, wirft Scheller unwirsch ein. Und: Man müsse ja nicht immer über die Vergangenheit reden. Ein frommer Wunsch!

Denn es sind noch nicht einmal alle Prozesse zum „Netzwerk Schwarz“ eröffnet. Gleichzeitig versuchen mit juristischen Mitteln erste Unternehmer, die mit hohen Strafzahlungen verhinderten, vor Gericht erscheinen zu müssen, weitere Berichterstattungen über sie zu verhindern, weil sonst ihre Resozialisierung gefährdet sei. Das Thema bleibt virulent. Das weiß auch Scheller. Und das weiß auch Hasse. Er werde mit all den Unternehmen, mit denen man nicht grundsätzlich die Zusammenarbeit eingestellt habe, persönlich reden. Und: „Das ist sicher eine Gratwanderung. Aber auch der Grad der Kontrolle wird ein anderer sein als bisher.“ Das klingt durchaus selbstbewusst.

Von Benno Rougk

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