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Schwarz-Prozess: „System von Abhängigkeiten“

Freundschaften aus Kindertagen und vom Jagdhochsitz Schwarz-Prozess: „System von Abhängigkeiten“

Alte und neue Männerfreundschaften, ein übler Leumund, Druck und Abhängigkeiten ermöglichten erst das weit verzweigte Betrugssystem im Skandal um die Stadtwerke in Brandenburg an der Havel. Das wurde beim Prozess am Landgericht in Potsdam deutlich. Demnach verschwanden bei Wolfgang-Michael Schwarz die Grenzen zwischen Persönlichem und Dienstlichem.

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Wolfgang-Michael Schwarz (links) und Verteidiger Ursus Koerner von Gustorf im Potsdamer Landgericht.

Quelle: Foto: André Wirsing

Potsdam. „Wie hat das alles angefangen, wie konnten Sie sicher sein, dass Ihnen Ihr Gegenüber nicht an die Gurgel geht, wenn Sie ihm unlautere Geschäfte vorschlagen?“ Der Vorsitzende Richter der 5. Großen Strafkammer am Potsdamer Landgericht Andreas Dielitz will ergründen, wie Ex-Stadtwerkegeschäftsführer Wolfgang Michael Schwarz sein Beziehungsgeflecht aufbaute, ohne welches das Betrugssystem mit Scheinrechnungen zu Lasten der Stadtwerke Brandenburg nicht möglich gewesen wäre.

Deals und Geschäfte

Im Konkreten ging es um das Anbahnen der zwielichtigen Geschäftsbeziehung zum Brennstoffhändler Harry Hoth. Beide - so haben es Schwarz und Hoth zugegeben - haben betrogen beim Abtanken der Ersatzheizöltanks, beim Verkauf des Öls und beim Wiederbefüllen. „Mir war bekannt, dass Hoth dem Geschäft nicht abgeneigt sein wird, der hat immer gedealt und Geschäfte gemacht“, sagt Schwarz. Auf Dielitz’ Nachfrage gibt er zu, während all der Zeit der Spiritus rector gewesen zu sein. „ Es gab einen fruchtbaren Boden, ich habe die entscheidenden Fragen gestellt.“ Hoth konnte am Donnerstag - obwohl als Zeuge geladen - nichts entgegnen, er liegt herzkrank im Krankenhaus, soll demnächst notfalls am Krankenlager befragt werden.

In anderen Fällen war es noch einfacher für Schwarz. Den Bau- und Transportunternehmer Jost Bossan hat er vor mehr als 20 Jahren beim gemeinsamen Hobby Jagd kennengelernt. „Wir haben uns gemocht, es entstand eine richtige Männerfreundschaft. Er hat mir geholfen, meine Jagdhütte instand zu setzen, hat mir die bestechenden Leistungen geschenkt, auch die Konstruktion übernommen.“

Verquickungen und Freundschaften

Die Ehefrau des Ex-BDL-Geschäftsführers Lars Büchner kennt Schwarz von Kindesbeinen an. Sie sei eines Tages zu ihm gekommen und habe nach einem Job für ihren Mann gefragt, der es leid war, täglich nach Berlin zu pendeln. So kam er zu der BDL-Stelle, Büchner habe sich aber im Auswahlverfahren durchgesetzt. Nach einiger Zeit habe er gefragt, wie er sich revanchieren könne. Über den Inhaber der Fohrder Land- und Forsttechnik Hermann Hinz - auch er ist ewig mit Schwarz befreundet - wurden Waffen, Jagdzubehör, Messer und Kleidung bestellt und über die BDL an die Stadtwerke abgerechnet. „Ich habe damit meine Sammelleidenschaft befriedigt. Ich hätte natürlich das Geld gehabt, es selbst zu kaufen. So bekam ich es aber geschenkt“, sagt Schwarz auf Nachfrage.

Der Bad Belziger Elektromeister Fritz Belitz war eng mit Schwarz’ Vater befreundet, der Junior war häufig dabei. Belitz sollte ebenfalls Scheinrechnungen an die Stadtwerke schicken und die Hälfte des Netto-Gewinns an Schwarz abgeben. Er hat nach Erkenntnissen von Staatsanwältin Dagmar Stürmer allerdings keine Rechnungen geschrieben, lieber den „Gewinnanteil“ von Schwarz aus eigener Tasche bezahlt. Allerdings hat er sich auf Drängen von Schwarz an einer Schein-Ausschreibung mit einem überteuerten Angebot beteiligt.

„Haben Sie nie Skrupel dabei gehabt, bei den eigenen guten Freunden die Hand aufzuhalten?“, fragt die Anklägerin. An Stelle von Schwarz antwortete Strafverteidiger Ursus Koerner von Gustorf: „Es haben doch auch viele von ihnen mitverdient.“ In einem System von Verquickungen, bei denen Persönliches und Dienstliches nicht mehr getrennt wurde, einem System von Druck und Abhängigkeiten.

Von André Wirsing

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