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Brandenburg/Havel Stahlgeschichte zum Anfassen
Lokales Brandenburg/Havel Stahlgeschichte zum Anfassen
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16:27 07.12.2017
Zwei Metallurgen beim Abstich am Siemens-Martin-Ofen. Quelle: Industriemuseum Brandenburg
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Brandenburg/H

Für jeden, der sich für die Geschichte Brandenburgs und dessen lange Tradition als Industriestandort interessiert, bietet das Industriemuseum Geschichte zum Anfassen. Etwa 15000 Besucher machen sich hier im Jahr mit den erstaunlichen Dimensionen der Metallproduktion im Stahlwerk im Westen der Stadt bekannt. Allein der Ofen 12, der letzte noch vorhandene Siemens-Martin-Ofen des Werks und einmalig in Westeuropa, hat die Größe eines Mehrfamilienhauses. Auch die imposanten Krananlagen, die riesigen Stahlpfannen und die Diesellok mit Gießzug sind genauso beeindruckend wie die Arbeitsplätze und -räume der Schmelzer, Elektriker, Schlosser, Lokfahrer, Ofenmaurer und Kranfahrer.

Das Industriemuseum – Geschichte des Stahlwerkes und anderer Brandenburger Betriebe

Im Mittelpunkt der Museumsarbeit unter Leitung des Historikers Marius Krohn steht der denkmalgerechte Erhalt des Ofens mit seinen Nebenanlagen. Zudem wird in einem Ausstellungsbereich die Stahlerzeugung erläutert und die Geschichte des Stahlwerkes dargestellt.

Diese begann 1912 mit dem Kauf des 800000 Quadratmeter großen Geländes durch Rudolf Weber und der Errichtung des Weber-Walzwerkes. 1914 waren die ersten beiden Siemens-Martin-Öfen und ein Blechwalzwerk in Betrieb. Der erste Abstich erfolgte im Mai 1914. Durch den günstigen Standort bei Berlin, der guten Verkehrsinfrastruktur und der Lage am Mittellandkanal (Silokanal) wurde das Werk bereits 1920 und vor allem zur Rüstungsproduktion in Zeiten des Nationalsozialismus erheblich erweitert.

Als noch alle Schornsteine standen: Stahlwerk Brandenburg Quelle: privat

Während es den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstand, wurde das Stahlwerk in den Jahren 1945 bis 1947 demontiert und bis 1953 von der DDR-Regierung mit zehn Siemens-Martin-Öfen und einem Walzwerk neu errichtet. Bis Dezember 1993 wurde in zwölf Öfen Stahl geschmolzen. Mit einer durchschnittlichen Jahresleistung von etwa 2,3 Millionen Tonnen war das Stahl- und Walzwerk Brandenburg seit den 1970er Jahren der größte Rohstahlproduzent der DDR mit über 10000 Beschäftigten. 1967 wurde der letzte Siemens-Martin gebaut und die bestehenden modernisiert. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Technik der Öfen zunehmend durch Elektroöfen verdrängt.

Für das Brandenburger Stahlwerk fand sich nach der Wende kein Investor, der die Modernisierung des Werkes ermöglicht hätte, und so fand im Dezember 1993 der letzte Abstich statt.

Anfahrt und Kontakt

Das Industriemuseum ist von November bis Februar geöffnet: Dienstag bis Sonntag und Feiertage von 10 bis 16 Uhr. Von März bis Oktober ist das Museum eine Stunde länger geöffnet.

Erwachsene zahlen 5 Euro Eintritt, ermäßigt 3 Euro. Eine Audioführung kostet 2 Euro pro Gerät.

Für Gruppenführungen ist eine Anmeldung erforderlich unter 03381/304646.

Das Industriemuseum befindet sich auf dem alten Nordwerksgelände in August-Sonntag-Straße 5 in 14770 Brandenburg.

Mit der Straßenbahn fährt mit Linie 2 in Richtung Quenz und steigt an der Station Am Stadion/Industriemuseum aus.

Mehr über das Museum im Internet unter www.industriemuseum-brandenburg.de

Damit ist das Industriemuseum ein beeindruckender Zeuge für die vergangene Epoche der Stahlerzeugung, aber ebenso auch ein Rudiment der einst die Stadtgestalt und das Leben tausender prägenden Industriebetriebe in der Vergangenheit der Stadt.

Und die Besucher sind stets begeistert. „In unserem Gästebuch findet sich nicht ein negativer Beitrag“, sagt Museumsleiter Krohn. „Von den rund 15000 Gästen im Jahr leben etwa 10000 nicht in Brandenburg, manche kommen von überall auf der Welt“. So hätten sich zwei finnische Familien im Gästebuch wiedergefunden, ohne von der Reise der jeweils anderen gewusst zu haben.

Der Rundgang in der Ofenhalle dauert 90 Minuten, eine Führung durch Personal ist optional. Besonders stolz sei man auf die Audioführung, die auf Englisch und Französisch Wissenswertes zu der Geschichte des Werkes vermittelt. „Die Geräte arbeiten mit Lautsprechern, somit können sich mehrere Personen einen Apparat teilen ohne Kopfhörer nutzen zu müssen“, sagt Krohn. „Das ist besonders für Familien sinnvoll“.

Das Programm für Kinder werde noch ausgebaut. Bereits jetzt wird bei den Besuchen von Kindertagesgruppen eine Plüschkatze in der Halle versteckt, die von den Kindern gefunden werden muss. Das Museum bietet außerdem eine Tour für blinde und sehbehinderte Menschen an, hier liegt der Fokus auf Ertasten und Fühlen. Barrierefrei sind allerdings momentan nur die beiden Dauerausstellungen „Ein Jahrhundert Stahl aus Brandenburg im sozialen und politischen Umfeld“ und „Brennabor“.

Modell vom Stahl- und Walzwerk Brandenburg Quelle: Tobias Wagner

Während erstere die Geschichte des Stahlstandortes Brandenburg von 1914 bis 2000 veranschaulicht, zeigt die Ausstellung „Brennabor“ die vier großen Produktionslinien der Brennabor-Werke mit originalen Kinder- und Puppenwagen, Fahrrädern, Motorrädern und Automobilen im Sonderausstellungsraum. Auf dem Werksgelände der Brennabor-Werke Gebrüder Reichstein etablierten sich zu DDR-Zeiten die Brandenburger Traktorenwerke, die bis 1964 Rad- und Kettenschlepper produzierten und dann die Produktion auf Nutzfahrzeuggetriebe umstellten. Die Traktoren halfen beim Wiederaufbau des Stahlwerkes nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Somit rundet die Ausstellung das Erlebnis zur Geschichte des Brandenburger Stahlwerkes geschickt ab.

Von Tobias Wagner

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