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Brandenburg/Havel Steffen Reiche lästert gegen die „Platzecks und Woidkes“
Lokales Brandenburg/Havel Steffen Reiche lästert gegen die „Platzecks und Woidkes“
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19:03 11.01.2019
Steffen Reiche zu Gast im Industriemuseum. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Die Treuhand fand Steffen Reiche (SPD) nicht so schlecht. Der Ex-Kulturminister schilderte am Donnerstagabend im Industriemuseum Brandenburg den Kampf um den Siemens-Martin-Ofen. Nebenher teilt er aus gegen die „Platzecks und Woidkes“.

Zur zweiten „Plauderei am Siemens-Martin-Ofen“ haben Museumsleiter Marius Krohn und Axel Krause von der Humanistischen Union ins Industriemuseum eingeladen. Ihr Gast ist ein Zeitzeuge des Kampfes um den Erhalt oder Abriss des letzten Siemens-Martin-Ofens im glorreichen Stahl- und Walzwerk Brandenburg.

Zwei Metallurgen beim Abstich am Siemens-Martin-Ofen. Quelle: Industriemuseum Brandenburg

Steffen Reiche (58) stand als damaliger Kulturminister des Landes aufseiten der als „Nostalgiker“ beschimpften Menschen.

Zur Erinnerung. Im Dezember 1993 legte die Treuhand das letzte Siemens-Martin-Stahlwerk in Deutschland still. Unter Minister Reiche wurde der Siemens-Martin-Ofen XII in die Denkmalliste der Stadt Brandenburg an der Havel eingetragen.

Dieser Ofen stand Mitte der neunziger Jahre aber der geplanten Investition der Firma Rethmann aus Westfalen im Weg, welche die Werkshallen für Müllrecycling nutzen wollte. Ihre Vertreter beanspruchten auch die 500 Meter lange Halle des heutigen Industriemuseums.

„Was sollen wir mit dem kalten Hund?“

„Wir nehmen die Halle nur, wenn die Öfen raus sind, sonst gehen wir da nicht rein“, erinnert sich Reiche an die Haltung des Unternehmens. Während „wunderbare Frauen“ wie Sieglinde von Treskow und Jeannette Goldmann kämpften, kippte die Stimmung in der Stadt.

Schließlich sollte es um 180 Arbeitsplätze gehen. „Was sollen wir mit dem kalten Hund?“, fragte etwa der damalige Stadtverordnete Wilhelm Lischke. Die Entscheidung für den Erhalt fiel schließlich im Februar 1996. Rethmann kam trotzdem.

Marius Krohn (links) und Axel Krause (rechts) im Gespräch mit Steffen Reiche. Quelle: JACQUELINE STEINER

Steffen Reiche schildert den 30 Besuchern des Abends, wie der Firmenchef damals in ein „Ei investiert habe“ und den komischen Minister mit der Flickenlederjacke aus dem Osten zu Hause bei sich in Bielefeld zum Frühstück empfangen habe.

„Herr Rethmann war sehr freundliche und vernünftig und sagte seine Bemühungen um eine Lösung zu“, erzählt Reiche, der sich selbst damals in der aufgeheizten Stimmung ein halbjähriges Betretungsverbot für Brandenburg/Havel auferlegt hatte.

Rethmann habe Wort gehalten und seine Mitarbeiter aufgefordert, ihm zu erklären, warum die Investition nicht mit dem Erhalt des Ofens vereinbar sein soll. Damit habe das Industriedenkmal gerettet werden können.

Das heutige Museum mit 16.000 Besuchern im vergangenen Jahr zeige, dass man es „damals richtig gemacht“ habe.

Rohwedder wäre andere Nummer gewesen

Die Treuhand stand zwar damals aufseiten des Industriebetriebs und Steffen Reiche berichtet auch, dass der damalige Abwickler mit 8,5 Millionen Euro zu den Großverdienern der Treuhand gehört habe. Dennoch sagt er: „Die Treuhand hat ihre Aufgaben nicht so schlecht gemacht.“

Das gelte, auch wenn Birgit Breuel nur zweite Wahl gewesen sei und der von „den Linken abgeknallte“ Detlef Rohwedder als erste Wahl eine andere Nummer gewesen sei.

Der in seinen Beruf als Pfarrer zurückgekehrte Ex-Politiker ist auf einige seiner sozialdemokratischen Parteifreunde nicht gut zu sprechen. Manfred Stolpe habe als Ministerpräsident Leute wie Hans-Otto Bräutigam aus New York geholt habe, die größer waren als er und das Beste für Brandenburg, berichtet Reiche.

Senftleben? „Davor hätte ich Bammel“

Stolpe habe sich das immer leisten können, weil er Prozesse unersetzlich gut moderieren könne. „Platzeck und Woidke sind eine andere Nummer.“ Auch sie hätten Leute von außen geholt, jedoch darauf geachtet, dass sie nach unten greifen könne. Das Motto: „Aber er darf nicht besser sein als ich.“

Bei anderen Parteien sieht Reiche Ähnliches. CDU-Chef Ingo Senftleben sei zwar nicht schlecht: „Aber ob man ihm ein ganzes Land anvertrauen kann? Davor hätte ich Bammel.“

Der SPD den Rücken zu kehren, kommt für den Gast des Abends nicht in Frage, auch wenn „alle Parteien außer der AfD und der FDP sozialdemokratisiert sind und die SPD sich nach dem Motto, Mission erfüllt, in Nichts auflöst“. Reiche: „Die Partei, die ich mit gegründet habe, werde ich trotz der Platzecks und Woidkes nicht verlassen.“

Von Jürgen Lauterbach

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