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Brandenburg/Havel Scheller will die Verwaltung umbauen
Lokales Brandenburg/Havel Scheller will die Verwaltung umbauen
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11:27 28.02.2018
Probesitzen im künftigen Dienstzimmer nach dem Wahltag: Steffen Scheller (CDU) ist der neue Oberbürgermeister von Brandenburg an der Havel. Quelle: Jacqueline Steiner
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Brandenburg/H

Zwölf Jahre war Steffen Scheller (CDU) Beigeordneter der Stadt. Lange Zeit war er linke und rechte Hand der Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU), die ihren Bürgermeister als „kleinen Kronprinzen“ ins Rennen schickte, das Rathaus für die CDU nach ihrem Abgang zu retten.

Wer wachen Blickes den Wahlkampf verfolgte, merkte schnell, die Machtverhältnisse haben sich längst verschoben, Scheller ist raus aus Tiemanns Schatten. Montag lud er die MAZ ins Büro im Altstädtischen Rathaus ein, das nun nicht mehr ihres, sondern seines ist. Der OB-Stab ist bester Dinge, aus dem Vorraum klingt Mundharmonikamusik. Scheller zuckt mit den Schultern und lacht. Aufbruchstimmung.

Scheller ist alles, nur kein Newcomer

Dabei ist Scheller, der Sonntag seinen Kontrahenten Jan van Lessen mit 66 Prozent abhängte, kein Newcomer. Den Verwaltungsablauf hat er seit Jahren ebenso organisiert wie die Stadtkasse, die städtischen Beteiligungen, etliche Aufsichtsräte und seit einhalb Jahren auch den Baubereich. Doch augenscheinlich ist es ihm gelungen, mit dem Wechsel in der Stadtverwaltung und in Teilen der Bevölkerung ein Gefühl des Neuanfangs zu entfachen.

Im Alltag ändert sich zunächst nicht viel

Was er zuerst tut? Die Postfächer und -mappen abarbeiten, einen Termin mit Ministerpräsident Dietmar Woidke vereinbaren („Wenn er für mich Zeit hat“), die SVV planen.

Im Alltag ändert sich erst einmal nicht viel, er führt ja seit Monaten die Verwaltung und das hat trotz des Wahlkampfes für erste Anzeichen von politischem Tauwetter gesorgt. Jetzt nur nichts überstürzen, meint Scheller. Trotz aller Fairness, mit der sein Konkurrent und er sich duellierten, müssten sich nun die Wogen glätten.

Nur 40 Prozent Wahlbeteiligung in der Stadt

Nur 40 Prozent der Wähler sind in Brandenburg zur Wahlurne gegangen. „Auch 50 oder 60 Prozent wären zu wenig“, sagt Scheller, und: „Wir müssen als Lokalpolitiker das Vertrauen der Bürger wieder zurückgewinnen.“ Womöglich sei die Politik zu abgehoben gewesen.

Viele Stadtteilforen hat er in den zurückliegenden Monaten besucht. Genau dort wurden die Probleme der Bürger benannt und offen ausgesprochen. Nicht in der SVV. Fehlende Mülleimer, eine zusätzliche Nachtbuslinie, mit der man auch um 5 Uhr zum Zug kommt, und andere alltägliche Probleme seien an ihn herangetragen worden.

50.000 Euro kostete der Wahlkampf

„Da kamen viele, die mich unterstützen wollten und unterstützt haben. Mit Spenden und aufmunternden Worten.“ Etwa 50 000 Euro haben er und die CDU in den Wahlkampf gesteckt. „Manchmal war es mit fast peinlich, wenn Leute gesagt haben: Wo können wir was spenden.“ Er glaube, „viele wollten mich als Person unterstützen, nicht als Politiker.“

Politik nach Gutsherrenart solle es mit ihm nicht geben: „Ich gehe jetzt offen auf alle zu und erwarte von allen auch die Bereitschaft, zusammenarbeiten zu wollen. Wir müssen keine politischen Spiele austragen.“ Er habe gute Gespräche mit Vertretern von SPD, Grünen und Linken geführt. Auch mit den Freien Wählern.

Einen Bürgermeister will er vorerst nicht küren

Was er vorerst nicht brauche, sei ein Bürgermeister. Darüber werde man viel später reden. Er habe mit Michael Brandt (CDU) und Wolfgang Erlebach (Linke) zwei Beigeordnete, mit denen er die Stadtverwaltung organisiere.

Tiemann hatte Brandt 2016 kalt gestellt und ihm das Gros seiner Aufgaben entzogen. „Da gab es keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“, sagt Scheller. Er aber „habe nicht gespürt, dass Brandt gegen mich gearbeitet hat.“ Ergo werde er mit ihm als seinem Stellvertreter die Verwaltung umorganisieren.

Fachbereiche der Verwaltung sollen umgebaut werden

Viel spricht dafür, dass Brandt seinen Baubereich nicht zurückbekommt. „Ich habe seit September 2016 gemerkt, dass sich dort fast alle Themen bündeln, welche die Bürger interessieren. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Sicher ist: Scheller wird die Verwaltung umstrukturieren. Nicht sofort, aber umfassend: „Ich halte die Fachbereichsstruktur nicht für sinnvoll.“

Fachbereiche seien kaum vergleichbar und würden zu viele Gebiete bündeln. Er setze zukünftig auf die Ämterstruktur, die Tiemann abgeschafft hatte – was er, Scheller, umsetzen musste. Allerdings müsse sein Vorhaben sehr gut vorbereitet werden.

Scheller will acht Jahre im Amt bleiben

Allen Spekulationen, für ihn, der auch in der Landespartei einen guten Namen hat und mit der rot-roten Landesregierung gut kann, sei der OB-Posten nur ein Sprungbrett für einen Ministerposten, erteilt Scheller eine Absage.

„Es gibt genug gute Leute in der CDU, die sich das 2019 verdient haben. Ich habe vor, die Arbeit hier jetzt acht Jahre lang zu machen. Und ich glaube, dass das total spannend wird!“

Von Benno Rougk

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