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Streit im Ausflugslokal: Vater steht vor Gericht

Brandenburg an der Havel Streit im Ausflugslokal: Vater steht vor Gericht

Eine solche Konstellation ist ungewöhnlich. Ein Familienvater, Gründer eines bekannten Ausflugslokals, steht als Angeklagter vor Gericht, weil er 35.000 Euro Einnahmen unterschlagen haben soll. Als Zeugen stehen Mitglieder der eigenen Familie bereit. Doch sie erhalten keine Gelegenheit, gegen den Vater auszusagen.

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Der Fall des Restaurantgründer ist vorerst abgeschlossen.

Quelle: Foto: Uli Deck

Brandenburg/H. Gustav M. war mehrere Jahre lang Bauunternehmer, ehe er 1997 ein Anwesen in der Nähe von Bad Belzig kaufte und zu einem beliebten Ausflugslokal ausbaute. Zeitweise habe er die Gaststätte mitgeführt, berichtet er in dieser Woche in seinem Prozess vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel.

Der Staatsanwalt wirft dem einstigen Unternehmer in seiner Anklageschrift Unterschlagung vor. Denn im Zeitraum von April bis August 2016 habe er sich 35. 775,07 Euro rechtswidrig zugeeignet. Dem Ankläger zufolge sollte er zur fraglichen Zeit die Finanzen des Ausflugslokals verwalten. Doch der genannte Betrag landete in seinem Vermögen.

Der Familienfrieden ist gestört

In dem kurzen Prozess wird deutlich, dass nicht alle Restauranteigentümer dieser Art der Finanzverwaltung zugestimmt hatten. Das Lokal gehört nämlich inzwischen allen drei Kindern von Gustav M. Sie haben jeweils unterschiedlich hohe Anteile an dem Familienunternehmen.

Offenkundig ist der interne Frieden gestört und steht hinter dem ganzen Strafprozess ein Familienstreit. Denn mindestens eines seiner Kinder hat in dem Finanzgebaren des Vaters eine Straftat gesehen und ihn angezeigt. Die Vorwürfe waren dann so stichhaltig, dass der Staatsanwalt Anklage erhob und das Gericht das Verfahren eröffnete

Die Verteidiger des Angeklagten überzeugen den Staatsanwalt und Richterin Karin Eichmann-Hoormann kurz vor Prozessbeginn in einer nichtöffentlichen Erörterung davon, dass der Restaurantgründer nichts Böses im Schilde geführt habe. Der ganze Rechtsstreit beruhe auf einem Missverständnis. Der Vater habe gedacht, er dürfe das Geld behalten und zweckgebunden verwenden.

Richterin verzichtet auf Anhörung der Familienmitglieder

Die etwa zehn als Zeugen geladenen Familienmitglieder, darunter der älteste Sohn des Angeklagten als aktueller Geschäftsführer des Gastronomiebetriebs, kommen wegen der Vorab-Verständigung nicht mehr dazu, zum Geschehen und den Hintergründen der vorgeworfenen Straftat auszusagen. Dabei ist für sie sogar ein Rechtsanwalt als Zeugenbeistand mitgekommen.

Die Richterin verzichtet darauf sie anzuhören, weil sie wie der Staatsanwalt davon ausgeht, dass Gustav M. das Geld nur aufgrund eines Missverständnisses an sich genommen hat. Der Familienvater erklärt sich bereit, den gesamten Betrag von gut 35.000 Euro bis zum 1. März 2018 zurückzuzahlen.

Das Gericht stellt das Verfahren mit dieser Auflage vorläufig ein, weil das öffentliche Interesse und die Schwere der Schuld dem nicht entgegenstehen. Nur wenn M. nicht wie vereinbart zahlt, kann das Verfahren neu aufgerollt werden.

Von Jürgen Lauterbach

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