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Streit um Dompfarrer: Gemeinde stellt sich quer

Brandenburg an der Havel Streit um Dompfarrer: Gemeinde stellt sich quer

Tobias Ziemann, Gemeindepädagoge im Sprengel Gutengermendorf, soll zum neuen Schuljahr der Pfarrer des Doms zu Brandenburg werden. Dieser Umstand hat dafür gesorgt, dass der Segen im Dom mehr als schief hängt. Denn die Domgemeinde will den Amtsinhaber Detlef Lippold behalten, der ein äußerst hohes Ansehen genießt.

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Pfarrer Tobias Ziemann (m.) und die Superintendentin Heilgard Asmus bei einem Gottesdienst im Juni 2015 in der Kirche von Meseberg. Rechts im Bild der Brandenburger Domdechant und frühere Bischof Wolfgang Huber und seinen Frau Kara.

Quelle: Uwe Halling

Brandenburg/H. Tobias Ziemann, derzeit ordinierter Gemeindepädagoge im Pfarrsprengel Gutengermendorf soll zum neuen Schuljahr der Pfarrer des Doms zu Brandenburg werden. Die jetzt bekannt gewordene Tatsache hat dafür gesorgt, dass der Segen im Brandenburger Dom mehr als schief hängt. Denn die Domgemeinde will den Amtsinhaber Detlef Lippold behalten, der das 850. Domjubiläum im Vorjahr ebenso souverän wie die Bundesgartenschau über die Bühne brachte und bei der Gemeinde hohes Ansehen genießt.

Allerdings entscheiden über solche Fragen in diesem Fall nicht die Gläubigen sondern das Konsistorium der Kirche in Berlin und das Domkapitel, das sich aus den Domherren rekrutiert, die allesamt nicht aus Brandenburg an der Havel kommen.

„Wir sind maßlos enttäuscht“, sagt Detlef Delfs, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats (GKR) und Küster des Doms. Zur Erinnerung: Detlef Lippold war 2014 vorerst für ein Jahr zum neuen Pfarrer der Brandenburger Domgemeinde. Eingesetzt worden, nachdem der früheren Dompfarrer André Wiethölter die Havelstadt Richtung Angermünde verlassen musste. Die Situation war für den Dom bedrohlich: Standen doch das 850. Domjubiläum mit großem Bahnhof, Bundespräsidentenbesuchen und riesigen Festgottesdiensten auf dem Programm. Zudem war gerade der Kurator des Doms Martin Martiny verstorben und die Bundesgartenschau „Von Dom zu Dom“ stand vor der Tür. Lippold behielt die Nerven und brachte alle Veranstaltungen erfolgreich ins Ziel.

Von Beginn an hatte man ihm, wie die Gemeindemitglieder beteuern, bedeutet, er habe gute Chancen, künftig der Theologe des Dom zu sein. Auf eine Ausschreibung des Konsistoriums hin bewarb sich Lippold. Doch da sich mit ihm nur zwei Interessenten meldeten, drang das Konsistorium auf einer neuerliche Ausschreibung. Warum? Im Gemeindekirchenrat weiß man das ebenso wenig wie im Domkapitel. Auch Knud Caesar, der Ehrenvorsitzende der Domherren, zuckte gestern mit den Schultern. Dennoch wurde die Stelle des Dompfarrers ausgeschrieben: Diesmal meldeten sich mehr Interessenten. Das Konsistorium bildete eine Arbeitsgruppe und lud (obwohl sie das nicht müsste) zwei GKR-Mitglieder zur Mitarbeit ein.

Schnell schälten sich unter den Bewerbern Lippold und Ziemann als geeignet heraus, wobei Ziemann Gemeindepädagoge und kein Theologe ist, was dem GKR wichtig ist zu bemerken. Die Voraussetzungen, als Pfarrer des Doms zu arbeiten, erfülle er dennoch, beteuert der neue Domkurator Cord Hasselmann. Er saß mit dabei, als das Domkapitel jetzt geheim über die beiden Kandidaten abstimmte und sich eine Mehrheit für Tobias Ziemann fand, obwohl die Domgemeinde und der GKR ebenso wie die Direktoren der beiden Schulen am Dom für Lippold geworben hatten.

Hasselmann zieht sich auf das Beratungsgeheimnis zurück, beteuert aber wie die Generalsuperintendentin Heilgard Asmus, „dass wir uns lange überlegt haben, was das Beste für die Gemeinde ist.“ Und es sei dem Domkapitel, das dem Konsistorium dann den Kandidaten Ziemann trotz der uneinheitlichen Abstimmung vorschlug, klar gewesen „dass das zu Frustrationen in der Gemeinde führt“, sagt Hasselmann. Doch die Frustrationen scheinen sich auch auf das Domkapitel selbst zu erstrecken. Dem Vernehmen nach will die Domherrin Maria von Katte heute deshalb ihren Rücktritt aus dem Gremium erklären. „Respekt vor so viel Haltung“, meint Delfs.

Insbesondere der Domdechant Wolfgang Huber soll sich massiv für Ziemann stark gemacht haben. Auf dem Domhof wird derweil mehrfach kolportiert, dass auch Hubers Frau Cara sich kritisch zur dauerhaften Berufung Lippolds geäußert habe.

Für Tobias Ziemann ist die ganze Angelegenheit mehr als misslich. Der Gemeindepädagoge ist im Löwenberger Land beliebt und freut sich, mit seiner Frau und seinen Kindern auf Brandenburg an der Havel. Am 1. Mai will er sich beim Gottesdienst vorstellen. Bis dahon wird er sich öffentlich nicht äußern. Auch Lippold, der vom GKR sogar schriftlich dazu gedrängt worden war, sich um die Stelle zu bewerben und nun völlig am Boden sein soll, war bis jetzt nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Von Benno Rougk

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