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Brandenburg/Havel Die MAZ strickt mit den Donnerstagsfrauen
Lokales Brandenburg/Havel Die MAZ strickt mit den Donnerstagsfrauen
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09:40 03.02.2018
Justine Neumann und Ramona Maul (r.): Die Ältere zeigt der Jüngeren wie Stricken geht. Quelle: Marion von Imhoff
Woltersdorf

Stricken, bis der Arzt kommt – auch solche Folgen hat es schon gegeben bei den Donnerstagsfrauen, die sich einmal die Woche zum Handarbeiten in Woltersdorf treffen. Dort, in der Wusterwitzer Straße, bietet Dagmar Engelmann in einem gemütlichen Hinterhaus einen offenen Stricktreff an. Anfänger und Könner sind willkommen. Wolle und Stricknadeln liegen bereit, es gibt Tee, der Kamin brennt.

Seit anderthalb Jahren gibt es diesen Strickkurs für Jedermann. Eine Dame aber hat es einmal übertrieben. „Sie wollte einen Poncho für ihre Tochter so schnell stricken, dass sie es mit der Schulter bekam und zum Orthopäden musste“, berichtet Dagmar Engelmann. „Der Doktor hat ihr jetzt das Stricken streng verboten.“

Eine solche Sportverletzung vom Stricken schreckt Justine Neumann nicht ab. Die Abiturientin vom Saldern-Gymnasium in Brandenburg ist an diesem Donnerstag zum ersten Mal beim Damenkränzchen dabei. „In meinem Jahrgang kann niemand stricken“, sagt die 17-jährige . „Ich hatte Angst, dass das Wissen darum ausstirbt, deswegen bin ich heute hier und will es lernen.“

Ein Strickstück für die Ewigkeit

Eine Stunde später ist ein erster Streifen aus rosa Baumwollgarn entstanden. „Mein erstes Strickstück. Das rahme ich ein“.

Hände, Nadeln, Fäden: Stricken braucht Fingerfertigkeit. Quelle: Marion von Imhoff

Justine Neumann kann’s jetzt. Dagmar Engelmann und die übrigen fünf Frauen, die sich mit ihren Handarbeiten eingefunden haben, zeigten ihr die Kniffe.„Man muss die Nadeln zuerst rutschig stricken“, weiß Dagmar Engelmann. Erst dann gleitet die Wolle gut. „Du hebst eine Masche ab, ziehst mit der anderen Nadel den Faden durch und lässt die Masche fallen“, dutzende Male hat die Woltersdorferin das schon Anfängern so erklärt.

„Du schmeißt die Masche runter, behältst die Nadeln aber in der Hand.“ Was bei den geübten Strickerinnen behände von der Hand geht, ist für die Schülerin noch Schwerstarbeit.

Justine Neumanns Werk nach einer Stunde Strickunterricht: Sie kann’s. Quelle: Marion von Imhoff

Ramona Maul ist 67 Jahre und strickt – mit langen Unterbrechungen – seit dem 17. Lebensjahr. Socken für die Enkel sind ihr Knüller. Neben der Betriebswirtin sitzt die frühere Sekretärin Christel Ackermann aus Brandenburg. Sie lässt sich jede Woche von ihrem Mann zum Stricken nach Woltersdorf bringen. Einzig Sturm Friederike hielt sie zuletzt ab. Gerade hat sie die Arbeit an einer Patchworkdecke beendet. Vier Pudelmützen für Kinder und Enkel hat Christel Ackermann schon im Patentmuster gestrickt. Die Bommeln daran sind der Hit.

Schnell entbrennt ein Gespräch, wie es war, Strickenlernen in der Schule. „Nach der Wende war damit Schluss“, sagt Christel Ackermann. Zu DDR-Zeiten hätten Jungen und Mädchen noch Handarbeiten und Werken gehabt. In Westdeutschland gab es Grundschulen, in denen, noch nach Geschlechtern getrennt, in den 70er Jahren die Mädchen Stricken, Nähen und Häkeln lernten und die Jungen Werken.

Einen Knopf annähen zu können, ist keine Selbstverständlichkeit mehr

„Wenn bei uns ein Knopf angenäht werden muss, macht das am besten die Oma“, berichtet die Schülerin. Solche Kenntnisse gebe es in ihrer Generation und auch in der ihrer Mutter nicht mehr.

Für die Fördermittelgeber dieses Strickkurses vom Landkreis Potsdam-Mittelmark und seiner Offensive „Aktiv sein im Alter – für generationsübergreifende Projekte auf dem Land“ dürfte das Musik in den Ohren sein. Eine 67-Jährige zeigt einer 50 Jahre Jüngeren das Stricken. Musik in Form von klappernden Stricknadeln.

Info: Stricken in Woltersdorf, Wusterwitzer Straße 14, donnerstags 16 bis 18.15 Uhr. Am 8. Februar fällt der Kurs ferienbedingt aus.

Von Marion von Imhoff

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