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Strom statt Mehl durch Wasserkraft

Glienecke: Eulenmühle über 600 Jahre alt Strom statt Mehl durch Wasserkraft

Seit über 600 Jahren gibt es die Eulenmühle bei Glienecke. Korn wird dort schon lange nicht mehr gemahlen. Dafür treibt die Buckau ein Wasserrad an, mit dem Strom erzeugt wird. Die bewegte Geschichte des technischen Denkmals hat Eulenmüller Otto Schmücker in einem Buch aufgeschrieben.

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Otto Schmücker hat ein Buch über die bewegte Geschichte der Eulenmühle geschrieben.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Glienecke. Er besitzt eine der letzten funktionierenden Wassermühlen im Landkreis. Doch Otto Schmücker (78) mahlt längst kein Korn mehr, sondern erzeugt mit der Kraft der Buckau Strom. Im Frühling ist das Flämingflüsschen gut gefüllt. Etwa ein Kubikmeter Wasser fällt in der Sekunde auf die Schaufeln des 1999 installierten Zuppinger-Wasserrades. In regenreichen Zeiten kann es die doppelte Menge werden. Auf rund 100 Kilowatt bringt es momentan der vom Wasserrad angetriebene Generator täglich. Eingespeist wird die Energie der Eulenmühle ins öffentliche Netz. Daran war 1408 freilich noch nicht zu denken.

Es war das Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung einer „Uhlenmühle“ an der Buckau. Damals gab es bei Glienecke ein Hauen und Stechen zwischen den Brandenburgern und den Anhängern des Magdeburger Erzbischofs. Wie die Chronisten berichten, ging der Sieg an die Brandenburger. Die ganze wechselvolle Geschichte der Eulenmühle bei Glienecke hat Schmücker jetzt in einem Buch aufgeschrieben. Persönliche Erinnerungen, Berichte von Verwandten und Bekannten sowie historische Unterlagen vermitteln ein Bild über das oft nicht leichte Leben in der Abgeschiedenheit der Glienecker Heide.

Mehl für die Umgebung

Nach zahlreichen Besitzerwechseln übernahmen Otto und Luise Schmücker die Eulenmühle am 1. August 1927. Bis 1930 wurden bis auf die Mühle und das Wohnhaus fast alle Gebäude neu gebaut. In dieser Zeit wurde auch der erste Lkw gekauft, es war ein Gebrauchtwagen vom Typ Hans Loyd.

Bauern aus der Umgebung brachten ihr Korn zum Mahlen und Schroten. Mit dem Lkw konnte Otto Schmücker sen. einen Teil des Mehls nach Magdeburg liefern, weil in der Börde höhere Preise für Roggenmehl gezahlt wurden. Auf dem Rückweg wurde Weizenkleie und Sojaschrot für die hiesigen Bauern transportiert. Sohn Otto jun. wurde 1937 geboren. Buch: Otto Schmücker „Die Eulenmühle bei Glienecke“, ISBN 978-3-86460-397-6.

Bei Kriegsende 1945 war die einsame Lage des Gehöftes sogar lebensgefährlich. Gleich in mehreren Kapiteln beschreibt der Autor die Ankunft der Roten Armee. „Die Russen kamen und gingen. Sie nahmen sich, was sie brauchten. Es kam zu gefährlichen Situationen. Aber es gab auch friedliche Soldaten“, erinnert sich Schmücker.

Gern denkt der Eulenmüller an seine Kinderzeit zurück, wo er an langen Winterabenden den Geschichten der Eltern und Großeltern lauschte. „Wegen der zugefrorenen Buckau konnte kein Strom erzeugt werden. So haben wir es uns eben bei Kerzenschein gemütlich gemacht“, berichtet Schmücker. Zwar erschien 2007 zum 80-jährigen Betriebsjubiläum der Familie Schmücker in der Eulenmühle bereits eine Festschrift, doch vieles von dem, was damals aufgeschrieben worden war, ist inzwischen durch die Entdeckung neuer Dokumente und Zeitzeugenberichte nicht mehr auf dem aktuellen Stand.

Zwergziegenbock Elvis aus dem Streichelzoo der Eulenmühle macht vor Otto Schmücker Männchen

Zwergziegenbock Elvis aus dem Streichelzoo der Eulenmühle macht vor Otto Schmücker Männchen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Knapp 100 Seiten umfasst das gerade erschienene Buch über die Eulenmühle, das beim Mühlenbesitzer gekauft oder im Buchhandel bestellt werden kann. Noch einmal zum Strom. Schon ab 1910 war das Mühlrad auch dazu da, um Strom zu erzeugen. Und zwar für das ganze Dorf Glienecke. Eine Freileitung wurde gebaut. Diese blieb so lange in Betrieb, bis Glienecke 1926 an das Überlandnetz angeschlossen wurde. „Der Mühlenkomplex selbst erhielt erst 1985 einen richtigen Stromanschluss“, berichtet Schmücker. Mit der Mehlproduktion war es damals schon gute 20 Jahre vorbei. Denn mit dem Tod von Otto Schmücker sen. 1961 erlosch das Gewerbe der Mühle. Der gelernte Müller sattelte notgedrungen um auf Busfahrer, Mischfutter-Hersteller in einer LPG und Obstkistenbauer um. Doch wer Kisten bauen will, braucht gesägtes Holz.

Noch immer steht in der Eulenmühle ein fünf Tonnen schweres Sägegatter, Baujahr 1910. Es wurde von Otto Schmücker in einem stillgelegten Sägewerk in Rietz in Einzelteile zerlegt. Mit seinem Brockenhexe-Traktor transportierte der Glienecker die Anlage stückweise nach Hause, um sie dann wieder zusammenzubauen. Lohnschnitt in Nachbarschaftshilfe übernimmt Schmücker bis heute. Außerdem kümmert er sich um seine zehn Hektar Acker. Das Weideland dient der Futterversorgung für westafrikanische Zwergziegen, Ponys und Pferde. Alles Tiere, die zum Streichelzoo der Eulenmühle gehören. Am Pfingstmontag, 16. Mai, ist Schmücker wieder bei der Ausrichtung des Mühlentages dabei. Auch zur Brandenburger Landpartie ist die Eulenmühle samt ihrer Gastwirtschaft und den Ferienwohnungen gerne Gastgeber für Ausflügler.

 

Von Frank Bürstenbinder

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