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Stürme rütteln am Hochwasserschutz

Deichschau an der Havel Stürme rütteln am Hochwasserschutz

Jede Menge Windbruch haben die jüngsten Sturmtiefs an der Hochwasserschutzanlage zwischen Gollwitz und Götz hinterlassen. Bei einer Deichschau haben sich Fachleute über das weitere Vorgehen beraten. Der Havelradweg ist zwar befahrbar, aber entlang der Böschungen gibt es noch viel Arbeit. So lange droht Gefahr für den Deich.

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Der Havel-Radweg ist frei, doch beseitigt sind die Sturmschäden noch lange nicht.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Götz. Der Havelradweg ist wieder frei. Umgestürzte Bäume wurden zersägt und beiseitegeschafft. Doch die Aufräumarbeiten zu beiden Seiten der Hochwasserschutzanlage nehmen noch längere Zeit in Anspruch. So das Fazit der Herbstdeichschau, die am Mittwoch unter anderem auf dem Abschnitt zwischen Gollwitz und Götz stattfand. Kornelia Kumm vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz spricht von einem „Ausnahmejahr“. Noch nie mussten sich die Fachleute so viel Zeit für die jährlich zweimal stattfindende Begehung nehmen.

Im Frühjahr und im Herbst

Jeweils im Frühjahr und im Herbst werden die Deichanlagen entlang der Havel, des Emster-Kanals und des Sacrow-Paretzer-Kanals einer Kontrolle unterzogen. Für die Unterhaltung der Hochwasserschutzanlagen ist das Brandenburger Landesumweltamt zuständig.

Sturmbedingte Beschädigungen der Deichkörper sind die Ausnahme. Gefahr droht eher durch Unterspülungen und Wellenschlag. Auch Biber, Bisam und Maulwürfe können an den Anlagen unterirdische Schäden anrichten, die zu Absackungen führen. Deiche gibt es in Potsdam-Mittelmark auf einer Länge von 45 Kilometern.

Neben dem Abschnitt von Gollwitz nach Götz wird auch das gegenüber liegende Havelufer zwischen Weseram, Roskow und Zachow einer Deichschau unterzogen. Zu Fuß kontrollieren Mitarbeiter von Behörden, Katastrophenschutz und Wasser- und Bodenverband den Zustand der Bauwerke.

Während der Deich, der das Hinterland vor einem Havelhochwasser schützen soll, in einem guten Zustand in das Winterhalbjahr geht, sieht es im Vorland der Anlage teilweise chaotisch aus. Zahlreiche Pappeln und Erlen im nahen Uferbereich haben den jüngsten Sturmtiefs nicht standgehalten. Teilweise wurden die Bäume samt Wurzelteller aus dem durchfeuchteten Erdreich gehebelt. „In diesen Fällen droht Gefahr für den Deichfuß. Wellenschlag nagt an diesen Schwachstellen“, weiß Behördenmitarbeiterin Kumm.

Umgestürzte Bäume haben an der Decke des Havelradweges ihre Spuren hinterlassen

Umgestürzte Bäume haben an der Decke des Havelradweges ihre Spuren hinterlassen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Wem gehört welcher Baum? Um diese Frage geht es in der Regel, bevor Technik und Personal anrückt. Zu den Grundeigentümern in dem sensiblen Deichvorland gehören nicht nur Bund, Land und Kommunen. Auch die Flächenagentür Brandenburg besitzt entlang des Havelradweges einen größeren Baumbestand, der im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen heranwächst. „Wir nehmen die Schäden auf, um dann zügig reagieren zu können“, berichtete Agentur-Mitarbeiterin Sibylle Tinius. Das Landesumweltamt als Eigentümer der Deichanlage bedient sich für die Beseitigung der Sturmschäden des Wasser- und Bodenverbandes Nauen, der auch sonst die Pflege der Böschungen und des binnenseitigen Druckwassergrabens übernimmt.

Dieser überdachte Rastplatz am Havelradweg hat die stürmischen Tage nicht überlebt

Dieser überdachte Rastplatz am Havelradweg hat die stürmischen Tage nicht überlebt.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Etlicher Windbruch ist noch zu beseitigen. „Wir beauftragen mit diesen zusätzlichen Arbeiten Subunternehmen, damit die planmäßige Unterhaltung von Gräben und Gewässern zweiter Ordnung nicht zu kurz kommt“, berichtete Verbandsingenieur Sebastian Steiner der MAZ. Die Wetterextreme stellen den Verband in diesem Jahr ohnehin vor Herausforderungen. Der nasse Sommer habe gezeigt, wie wichtig ein funktionierender Abfluss des Oberflächenwassers sei, so Steiner. Der Verband hofft daher auf ein Umdenken bei den Umweltbehörden, um eine zeitigere Krautung der Hauptgräben genehmigt zu bekommen. „Ist ein Binnenhochwasser erst da, kommt Aktionismus für siedlungsnahe Bereiche zu spät“, meinte Steiner.

Einige Bäume sind komplett über den Deich und den Radweg gefallen

Einige Bäume sind komplett über den Deich und den Radweg gefallen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Unübersehbar am Haveldeich vor Götz sind die Schäden an der Asphaltdecke des 2008 eröffneten Radweges. Für dessen Unterhaltung ist die Gemeinde Groß Kreutz (Havel) zuständig. Dort ist das Problem nicht unbekannt. Es gab auch schon Reparaturen. Doch Risse und Abbrüche gehen weiter. Ein umgestürzter Baum hat den Radweg an einer Stelle sichtbar beschädigt. Deichkontrollen gab es am Mittwoch auch entlang des Emster-Kanals, wo das Landesumweltamt schon seit Jahren regelmäßig Baumpflegearbeiten durchführen lässt. „Die Sturmschäden hielten sich daher am Kanal in Grenzen“, berichtete Sebastian Steiner vom Wasser- und Bodenverband.

Von Frank Bürstenbinder

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