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Sturm krümmt Kirchturmzeiger

Brandenburg an der Havel Sturm krümmt Kirchturmzeiger

Keine schweren Personen- und Sachschäden: Das ist die Bilanz der Brandenburger Feuerwehr am Tag nach dem Sturm. Und doch rückte sie zu zahlreichen Einsätzen aus. Unter anderem drohte ein Zeiger der Kirchturmuhren von St. Katharinen herabzustürzen. Ausrichten konnte die Feuerwehr dort allerdings nicht. Und das aus gutem Grund.

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Steil ragt der Zeiger an der Katharinenkirche zur Seite: Er drohte herabzustürzen. Deshalb musste der Wochenmarkt umziehen.

Quelle: jast

Brandenburg/H. Der Sturm hat ganze Arbeit geleistet. Auch wenn die Brandenburger Feuerwehr vermeldet: „Die Wehren in der Stadt sind mit einer Vielzahl von Einsätzen konfrontiert gewesen. Nennenswerte Einsätze mit großen Schäden oder schweren Personenschäden sind ausgeblieben.“ So ganz ohne Folgen hat das Unwetter die Stadt Brandenburg dann doch nicht durchzogen.

Wohl am skurrilsten: Ein Minutenzeiger an einer der vier Turmuhren der St. Katharinenkirche ist dermaßen stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er im 90-Grad-Winkel vom Ziffernblatt abstand und drohte herabzustürzen.

Verbogener Minutenzeiger der St-Katharinen-Turmuhr

Verbogener Minutenzeiger der St.-Katharinen-Turmuhr.

Quelle: Jan Pfotenhauer

„Ich war um kurz nach fünf hier“, sagt Katharinen-Pfarrer Jonas Börsel und schaut hinauf zu den Uhren. Gerade sind zwei Arme zu sehen, die den Zeiger abmontieren. „Mein Auto war vom Wind bewegt worden. Bei der Gelegenheit hatte ich auch eine Runde um die Kirche gemacht, um zu sehen, ob etwas herabgestürzt war. Es war aber alles in Ordnung.“

Der Pfarrer hatte seinen Blick nicht gehoben. Und so bekam er erst mit, dass mit einem Zeiger etwas nicht stimmte, als Kantor Fred Lidwinski an seiner Tür klingelte und ihm davon berichtete. „Etwa zur gleichen Zeit ging bei der Feuerwehr ein Alarm wegen des Zeigers ein, durch einen besorgten Bürger“, erzählt Börsel weiter. Das war gegen 9 Uhr.

Die Drehleiter war zu kurz

Kaum an der Kirche angekommen, konnte die Feuerwehr schon wieder abrücken. Die Drehleiter war zu kurz. „Die höchste erreicht 27 Meter Höhe, der Kirchenturm ist aber 72,5 Meter hoch.“ So blieb der Feuerwehr nichts anderes übrig, als das Gebiet um die Kirche abzusperren. Die Ordnungsbehörde der Brandenburger Stadtverwaltung sorgte dafür, dass die Marktstände, die jeden Freitag auf dem Platz an der Südseite des Gotteshauses ihre Waren feil bieten, auf die Fläche vor dem Reisebüro zogen.

Ricco Merz, Glocke- und Turmuhrenmonteur, Firma Horst Bittner, mit einem verbogenem Zeiger der St-Katharinen-Turmuhr

Ricco Merz, Glocke- und Turmuhrenmonteur, Firma Horst Bittner, mit einem verbogenem Zeiger der St.-Katharinen-Turmuhr

Quelle: Jan Pfotenhauer

Kurz vor 11 Uhr fuhren die Glocken- und Turmuhrmonteure der Neuenhagener Firma Horst Bittner vor. Sie schätzten die Lage sofort als Notfall ein und so musste ein Termin in Prenzlau warten. „Von unten sah man, dass zwei Zeiger auf jeden Fall runter mussten“, gab Holger Bittner zu verstehen. „Oben haben wir festgestellt, dass auch ein dritter Zeiger ebenfalls herunter muss. Bei dem sind die Lötstellen komplett aufgerissen“, fügt er hinzu und zeigt auf den abmontierten Zeiger am Boden. Der Fachmann hofft, dass er ihn reparieren kann. Von den anderen beiden Zeigern weiß der Experte schon jetzt: „Die müssen wir komplett ersetzen.“

Nachdenkliche Worte

Pfarrer Jonas Börsel indes freut sich, dass die Gefahrenlage behoben ist und das Absperrband wieder aufgerollt werden kann. „Der Sturm geht mir auf den Zeiger“, sagt er und lacht. „Der Schaden ist ein Bild, das uns zeigt, dass die Zeit unseres Lebens nicht in unseren Händen liegt“, sagt er nachdenklich. „Das stammt aus dem Psalm 31 Vers 16, der sagt: Meine Zeit steht in deinen Händen.“

Auch wenn sie in Gottes liegt, auf die Anzeige der Zeit an der Katharinenkirche müssen die Brandenburger nicht verzichten. Eine Uhr ist nach wie vor komplett, bei den anderen dreien laufen die Stundenzeiger weiter. Holger Bittner schätzt, dass sie in drei Wochen wieder ihre Minutenzeiger haben.

Weitere Sturmschäden in der Stadt

Sturmschäden hatte es in der Nacht an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet gegeben, unter anderem im Wittstocker Gäßchen, auf der Wilhelmsdorfer Landstraße und auf dem Neustädtischen Markt. Insgesamt rückte die Brandenburger Feuerwehr zwischen Donnerstagabend und Freitagmorgen zu 42 Hilfseinsätzen in der Stadt aus. Zu 143 Einsätzen kam es in Potsdam-Mittelmark und zu 136 in Teltow-Fläming. Hier enthalten sind die Einsätze am Donnerstagnachmittag, als eine Windhose über das Land gezogen war.

Von Annika Jensen

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