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Sturmwarnung legt Rathaus lahm

Brandenburg an der Havel Sturmwarnung legt Rathaus lahm

Noch bevor „Xavier“ die Stadt Brandenburg überhaupt erreicht hat, legte er bereits das Rathaus lahm. Nach einer Rundmail von Personalchefin Viola Cohnen machten Bürgerservice und Kfz-Zulassungsstelle ihre Büros ab 13 Uhr komplett dicht. Eigentlich sollten aber die Öffnungszeiten gewährleistet werden.

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Der Sturm riss Äste aus der Plantane am Nicolaiplatz und wehte sie auf die Oberleitung. Die Bahnen blieben stehen.

Quelle: Renee Rohr

Brandenburg/H. Endzeitstimmung in der Brandenburger Stadtverwaltung: Mit zwei Rundmails hat Personalchefin Viola Cohnen am Donnerstag das Rathaus komplett lahmgelegt. Zuerst stellte sie den Mitarbeitern frei, ab mittags den Dienstbetrieb wegen der Sturmwarnung einzustellen. Um 12.55 Uhr schickte sie eine zweite Mail herum, Öffnungszeiten seien aber abzusichern. Zu dieser Zeit hatten aber Bürgerservice und Kfz-Zulassung – die Ämter mit dem größten Publikumsverkehr – allerdings schon längst dicht gemacht. „Wir haben nur das in der E-Mail Empfohlene umgesetzt“, sagt der für die Ämter zuständige Beigeordnete Michael Brandt (CDU).

Die Verwaltungsspitze will den Fall in der kommenden Woche auswerten, der Deutsche Wetterdienst hatte für das Stadtgebiet lediglich Windspitzen von 85 Stundenkilometern vorhergesagt, das kommt einige Male im Jahr vor, man könne aber nicht jedes mal dicht machen, war auch Kritik aus dem Rathaus zu hören. „Wir haben nichts anderes gemacht als bei anderen Wetterereignissen in der Vergangenheit. Den Mitarbeitern war es frei gestellt, die Arbeit einzustellen. Nur ganz wenige haben davon Gebrauch gemacht. Sie müssen das natürlich in ihrem Zeitkonto verrechnen“, sagt Viola Cohnen. Aus dem von ihr verantworteten Ressort Personal sowie Schule und Sport mit 100 Mitarbeitern sei niemand vorzeitig nach Hause gegangen.

So stand es gestern auch an vielen Behörden in Brandenburg an der Havel zu lesen

So stand es gestern auch an vielen Behörden in Brandenburg an der Havel zu lesen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch einige Schulen nahmen das Angebot des Staatlichen Schulamtes an, ab 12 Uhr nach der 5. Stunde den Unterricht zu beenden, darunter die Nicolaischule und die Krugparkschule. „Wir hatten ein paar übereifrige Anfragen von Schulen, deshalb haben wir auf die entsprechende Verwaltungsvorschrift zur Unterrichtsorganisation per E-Mail hingewiesen“, sagt Frank Quella, Vizechef im Staatlichen Schulamt Brandenburg. Danach entscheide die Schulleitung selbst über das vorzeitige Ende des Schulbetriebs, gleichzeitig muss abgesichert sein, dass alle minderjährigen Schüler in Hort beziehungsweise Schule betreut werden, bis sie abgeholt werden oder sicher nach Hause gelangen können.

Die Verkehrsbetriebe VBBr hielten den Fahrplan durch. „Bei Blitzeis beispielsweise haben wir in der Vergangenheit mal sämtliche Busse über die Leitstelle ins Depot gerufen, das würden wir auch machen, wenn der Sturm zu gefährlich ist“, sagt VBBr-Betriebsleiter Rolf Nothnagel. Es gebe eine Zusatzbereitschaft in der Werkstatt.

Zudem werde am Freitagmorgen eine Stunde vor der ersten Zugausfahrt eine so genannte Turmbahn auf alle drei Strecken geschickt, um besonders die durch Wald verlaufenden Streckenabschnitte zu kontrollieren. „Es muss nur ein Ast quer auf der Oberleitung liegen, da kann es den ganzen Strombügel abreißen und es entsteht ein Schaden von rund 10000 Euro“, sagt Nothnagel. Das Unternehmen sei zwar das ganze Jahr über hinterher, Totholz aus den Trassen zu entfernen, aber erst bei Sturm zeige sich, was noch alles in den Gehölzen kaputt war.

Äste auf dem Nicolaiplatz

Äste auf dem Nicolaiplatz.

Quelle: Renee Rohr

Schäden gab es auch: Auf dem Nicolaiplatz blockierten abgerissene Äste der großen Platane den Straßenbahnverkehr, in der Ziesarer Landstraße wurde ein Bus von herabstürzenden Ästen gebremst, die Feuerwehr musste wegräumen. Auf der Straße nach Grüningen gab es einen Auffahrunfall in Höhe der Neuen Mühle, weil ein Pkw-Fahrer wegen umherfliegender Äste plötzlich bremste und ein anderer auf ihn auffuhr. Die Fähre Neuendorf stellt ihren Betrieb wegen im Wasser liegender Bäume am Nachmittag ein.

„Wir haben alle Freiwilligen Feuerwehren in die Gerätehäuser beordert, damit sie von da aus in ihren Gebieten helfen können“, sagt Brandt, der auch die Feuerwehr verantwortet. „In der Hauptfeuerwache in der August-Bebel-Straße ist eine technische Einsatzleitung eingerichtet, die alle Meldungen abarbeitet.“ Manche greifen zur Selbsthilfe – wie der Mann im Eichhorstweg, der einen umgefallenen Baum selbst zersägte.

Im Brandenburger Umland stellten zahlreiche Schulen vorsorglich den Unterricht ab 12 Uhr ein. „Wer die Erlaubnis der Eltern hatte, durfte die Schule für den sofortigen Nachhauseweg verlassen. Andere Kinder warteten im Ganztagsbereich auf ihre Abholung“, so Schulleiterin Katharina Voigt zur MAZ. Diese Praxis wurde auch in Wusterwitz angewandt.

Die Jeseriger Grundschule beließ es für ihre Schützlinge bei einem Aufenthaltsverbot im Freien. Auch im Amt Beetzsee blieben Hort- und Ganztagsbereiche geöffnet. „Auch der Kita-Betrieb lief normal weiter. Denn dort sind die Kinder sicher“, sagte Amtsdirektor Guido Müller. Alle Behörden blieben auf dem Posten. Die zwischen Pritzerbe und Kützkow pendelnde Havelfähre stellte den Betrieb wegen des Sturms zeitweise ein. Anders als im Brandenburger Rathaus wurde im Landratsamt in Bad Belzig und in allen mittelmärkischen Dienstorten durchgearbeitet.

Von André Wirsing und Frank Bürstenbinder

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