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Südländer und Tausendfüßler

In der Brandenburger City regiert ziviler Ungehorsam Südländer und Tausendfüßler

Die Steinstraße in Brandenburg an der Havel ist eine Tempo-20-Zone. Daran halten sich die wenigsten Autofahrer. Auch in der Plauer Straße, zur Buga tagsüber eigentlich komplett für den normalen Durchgangsverkehr gesperrt, setzen sich Unzählige über Verkehrsschilder hinweg. MAZ-Redakteur André Wirsing hat südländische Verhältnisse in der Havelstadt ausgemacht.

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Damit Buga-Gäste nicht am Straßenrand warten müssen, wird die Plauer Straße tagsüber gesperrt.

Quelle: Archiv/Steiner

Brandenburg an der Havel. Der gemeine Brandenburger ist ja eigentlich ein Südländer: Auf den raren wilden wie kostenfreien Parkflächen stapelt er gekonnt 30 Autos, wo nach deutscher Stellplatzordnung maximal acht Kraftfahrzeuge Platz finden sollten. Respekt! Sagen die südländischen Nachbarn in Bayern.

Doch es geht auch italienisch: Der neue zivile Ungehorsam manifestiert sich derzeit am besten in der Plauer Straße. Durchfahrtsverbot von 9 bis 19 Uhr? Mein Chronometer ist um 8.55 Uhr stehen geblieben – sagen viele. Ein paar drehen angstvoll vor der Sperre ab – das sind meist die Auswärtigen. Aber die sollen ja ohnehin auf dem Buga-Parkplatz am Wiesenweg ihr Auto abstellen und nicht die Innenstadt mit ihrem Suchverkehr verstopfen!

Der Brandenburger fährt durch. Immerhin ganz langsam. Kommt ja doch mal vor, dass sich ein Rollator in der Straßenbahnschiene verheddert, wenn gerade wieder eine Busladung an Buga-Gästen vom Parkplatz zur Tschu-tschu-Bahn am Marienberg pilgert. Außerdem muss der wachsame Autofahrer ja schauen, ob sich nicht ein Polizist mit dem Knöllchenblock in der Hand bis zu dem gesperrten Straßenabschnitt verirrt hat. Doch die Beamten haben gerade ihre eigenen Baustellen, außerdem Personalnot. So ist die Wahrscheinlichkeit des Erwischtwerdens ein überschaubares Risiko.

Derweil spielen sich schier unglaubliche Dramen hinter den Rathaustüren ab. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann ist erklärtermaßen kein Fan von Straßensperrungen – das hat sie auch oft genug betont. Im internen Buga-Stab, der Ärger jedweder Art vermeiden oder minimieren soll, hat sie den Ex-Polizisten Norbert Langerwisch gefragt, was dieser von einer Tempo-20-Zone statt Vollsperrung hielte. Der Kommunalpolitiker mit ebenso viel Bauchgefühl und „Ohr-an-der-Masse“ ist auch kein Freund von Verbotsschildern.

Mit dem Segen des SPD-Mannes begibt sich die Rathauschefin zu ihrem CDU-Parteifreund und Verkehrsbeigeordneten Michael Brandt. Anweisen kann sie ihm diesmal nichts, denn er vertritt mit der Verkehrsbehörde eine dem Land unterstellte Institution. Und die Behördenmitarbeiter glauben den Zahlen vom Buga-Zweckverband, nach denen es in den 177 Schau-Tagen 2,8 Millionen Fußgänger-Querungen der Plauer Straße gebe. Diese sind natürlich utopisch.

Wahrscheinlich wird in Premnitz noch mit Wanderungsbewegungen von einer Kolonie Tausendfüßler durch Brandenburg gerechnet. Also keine 20er-Zone, die Behörde will sich absichern – unabhängig von der Realität.

Doch – oh Wunder – das südländische Temperament infiziert nun auch noch die preußischen Beamten! Jetzt soll gehandelt werden wie auf dem Basar über die Sperrzeiten. Am Ende dürfte herauskommen, dass nur noch von 10 bis 17 Uhr gesperrt ist. Was schert dies nun wieder den Brandenburger Autofahrer?

Von André Wirsing

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