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Brandenburg/Havel Süßer die Pfeifen nie klingen: Orgel aus England
Lokales Brandenburg/Havel Süßer die Pfeifen nie klingen: Orgel aus England
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06:03 02.03.2019
Pfarrer Matthias Patzel in der Kirche „Heilige Dreifaltigkeit“. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Es geht ihr nicht besser: Sie knarrt, knurrt und ächzt. Von ihren sechs Registern lassen sich noch immer nur noch vier für die Begleitung der Kirchenlieder nutzen. Die Orgel der Katholischen Kirche „Heilige Dreifaltigkeit“ in der Neustädtischen Heidestraße hat ihre besten Tage lange hinter sich. Pfarrer Matthias Patzelt war kein Prophet, als er vor mehr als einem Jahr feststellte: „Auf Dauer geht das mit unserer jetzigen Orgel nicht mehr. Das ist nur noch eine Notlösung.“

Doch jetzt scheint die Gemeinde bereit zu sein, ihr Kircheninstrument auf seinem letzten Weg begleiten zu wollen. Die Gemeinde hatte im Vorjahr entschieden, den Bauverein mit der Suche nach einem neuen Instrument zu betrauen. Ein Neues? Ein Gebrauchtes? Ein Saniertes? Alles ist jetzt möglich. Und nun scheint der Bauverein mit Unterstützung der Orgelbaufirma Schulte aus dem Bergischen Land fündig geworden zu sein. Gut 100 Jahre ist die Auserwählte schon alt und sie steht auf einer Insel. In England.

Viele Kirchen in England sind geschlossen

In England sind in den vergangenen Jahren wiederholt Kirchen geschlossen worden, die über großartige, alte Instrumente verfügen. Die katholische Kirche St. Afra in Berlin-Wedding hat beispielsweise im Jahr 2012 eine 1869 vom englischen Orgelbauer William Hill geschaffene Orgel gekauft, die aus einer geschlossenen Methodistenkirche stammt. Die dortige Gemeinde mochte ihr Schmuckstück nicht ausschlachten und war begeistert, dass die Berliner es restaurieren und wieder aufbauen, also in gute Hände nehmen wollten.

Das Berliner Projekt hielt die dortige Gemeinde vier Jahre lang in Atem. Die Orgel wurde zerlegt, transportiert und von einer Orgelwerkstatt restauriert. Danach musste sie erneut zerlegt, nach Berlin gebracht und wieder aufgebaut werden. Kauf, Restaurierung und Transporte kosteten in Berlin 360.000 Euro.

Pfarrer Patzelt rechnet mit rund 200.000 Euro Kosten

So teuer wird das Brandenburger Projekt nicht, sagt Patzelt. Er glaubt, dass die Brandenburger mit der jetzt auf der Insel gefundenen Orgel etwa 200.000 Euro zusammen bekommen müssen.

Und mit der Firma „Orgelbau Schulte“ haben sich die Brandenburger auch Profis in Sachen Umbau und Restrukturierung an die Seite geholt. Denn in den vergangenen Jahren haben die Experten neben der Restaurierung historischer Instrumente immer mehr die Umstrukturierung bestehender Instrumente begleitet. Für Gemeinden, denen der Erwerb einer neuen Orgel objektiv unmöglich ist, war dies oft ein legitimer Kompromiss.

Doch entschieden ist noch nichts. In Zusammenarbeit mit einer Orgelbaufirma waren jetzt Vertreter der Brandenburger Gemeinde in England vor Ort und haben sich ein Bild von dem Instrument gemacht. Das soll, wie Pfarrer Matthias Patzelt erzählt, für 15.000 Euro gekauft und nach Deutschland transportiert werden, wo die Orgel bei den Orgelbauern eingelagert werde.

Gemeinde möchte Finanzierungskonzept erstellen

In den kommenden sechs Monaten will dann die Gemeinde ein Finanzierungskonzept erstellen und sehen, ob sie das Projekt in den kommenden vier bis fünf Jahren auch stemmen kann. Auch wenn die Orgelbauer noch keinen Zuschlag für den Auftrag in Brandenburg haben, werden sie das Instrument auf jeden Fall nach Deutschland holen.

Die etwa 100 Jahre alte Orgel ist zu groß für die Kleine Kirche in Brandenburg. Deshalb werden die Instrumentenbauer auch einzelne Register behalten und gegebenenfalls für andere Orgeln nutzen. Wie Patzelt sagt, sei das Pfeifenmaterial hervorragend. Über den Zwischenschritt der Sanierung einer alten Orgel könne man etwa 50 Prozent der Koste gegenüber einem gleichwertigen, neuen Instrument sparen.

80 Prozent der Teilnehmer an einer Gemeindeversammlung im Vorjahr hatten sich dafür ausgesprochen, dass der Bauverein der Kirche sich um die Anschaffung eines anderen Instrumentes für die Empore der Kirche kümmert. Nun hofft Patzelt, dass die Gemeinde auch bereit ist, den zweiten Schritt zu gehen. Am 10. März beim Gemeindeabend sollen das Projekt und der aktuelle Stand vorgestellt werden.

Suche nach Unterstützern

Wichtig wird sein, Geld für die neue Orgel zu sammeln. Dazu werde man versuchen, die Politik, die Sparkassenstiftung, die Lotto-Stiftung und andere Geldgeber als Unterstützer zu gewinnen. Auch das katholische Erzbistums selbst, wird sich an dem Unterfangen beteiligen müssen, wenn es an dem Vorhaben festhält, den Standort Brandenburg und die Kirchenmusik stärken zu wollen, wie es im Vorjahr bereits hieß.

Der Brandenburger Organist Jochen Nöhles, der jetzt mit dem Orgelsachverständigen des Bistums Norbert Gembaczka und dem Orgelbauer Oliver Schulte sich das begehrte Instrument in England angesehen hat, ist begeistert: „Das einzigartige an der englischen Hunter-Orgel ist, dass dieses Instrument über einen ganz besonderen, facettenreichen und klanglichen Charme verfügt, der sich unmissverständlich von einheimischen Instrumenten absetzt.“

Neben den vielen anderen reizvollen Klangfarben, verleihe als Sahnehäubchen ein geplanter „Zimbelstern“ und eine großflächig in verschiedenen Varianten angelegte Trompetenbatterie dem Instrument ganz besonderen Glanz. Nach dem Umbau werde die Orgel etwa 1300 Pfeifen besitzen.

Von Benno Rougk

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