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Brandenburg/Havel Surfer-Spaß: Der Wellenmacher von der Havel
Lokales Brandenburg/Havel Surfer-Spaß: Der Wellenmacher von der Havel
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10:31 05.08.2017
Er macht es allen vor: Frank Sorge reitet auf einer der beiden Heckwellen seines 2-Wave-Bootes. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Tieckow

Nach dem Start sind es wenige Sekunden bis zum gefühlten Eintritt in die Schwerelosigkeit. Natürlich scheint der Vergleich lächerlich. Weder befinde ich mich auf den Weg in den erdnahen Orbit noch an Bord einer Boing C-135 während eines Parabelfluges. Meine Umlaufbahn verläuft auf der Havel bei Tieckow.

So viel Spaß macht Surfen auf der Havel. Dank seines genialen Arbeitsbootes kann Frank Sorge auf der Wasserski-Strecke bei Tieckow unabhängig von Wetter und Jahreszeit jede Menge Funsport liefern.

Knieend lasse ich mich auf einem Surfboard von einem 150-PS-Boot ziehen. Plötzlich hängt die Leine durch. Obwohl der Zug fehlt, falle ich nicht nach achtern ab. Der Schub kommt von hinten. Der Moment ist da: Ich bin auf der Welle!

So schön der erste Augenblick eines freien Ritts im Heckwasser ist, der heikle Teil nach dem Loslassen des Seils kommt mit dem Take-Off. So nennen Surfer den Moment des Aufrichtens. Mein Brett ist großvolumig, das sollte die Sache erleichtern. Dachte ich als Anfänger. Mein Nachbar auf der

Gleiten wie auf Meereswellen

Das Boot 2-Wave hat Frank Sorge gemeinsam mit der Kiebitzwerft in Havelberg entworfen. Bei einem Tempo von 16 bis 18 Stundenkilometer geht es darum, das Surfer auf zwei Kielwasserwellen ohne Leinen gleiten können.

Möglich sind zwei surftaugliche Wellen durch eine besondere Rumpfform in Verbindung mit zwei Trimmklappen und einem speziellen Ballastsystem. Zunächst wurde ein Modell gebaut. Heimathafen ist die Pritzerber Marina.

Das Boot bietet Platz für bis zu zwölf Personen. Neoprenanzüge und Surfboards werden gestellt. Bevorzugtes Revier ist die Wasserski-Strecke in Höhe Tieckow. Nähere Informationen im Internet www.2wave.de

Steuerbordseite hält den Zeitpunkt für das Aufstehen für gekommen. Er drückt sich mit den Armen hoch und springt in die Hocke. Das ist schon mal die halbe Miete. Dann setzt er den vorderen Fuß zwischen den Händen auf, den hinteren vor der Finne. Ein letztes Aufrichten und der Mann geht mit der Geschwindigkeit der künstlichen Welle – 275 Meter ohne Seil. Normalerweise muss ein Surfer dafür lange ans Meer fahren.

Surfprofis und Anfänger treffen sich neuerdings im Havelland. Auf dem 2-Wave-Boot von Frank Sorge geht es entspannt zu. Quelle: JACQUELINE STEINER

Bei mir läuft es suboptimal. Mein Körper ist das Ausbalancieren im Wasser nicht gewohnt. Patzer beim Sprung in den Take-Off. Bevor ich es zur Glückseligkeit schaffe, verliere ich das Gleichgewicht. Das Brett verabschiedet sich unter meinen Füßen. Coach Frank Sorge brüllt mir ein paar Haltungsnoten zu. Doch die Erdanziehungskraft holt mich wieder ein. Es folgt der freie Fall ins 23 Grad warme Wasser. Nichts passiert. Neuer Versuch.

Udo Preissler hat es drauf. Der Berliner ist ein begeisterter Havel-Surfer. Quelle: JACQUELINE STEINER

Zunächst muss ich mein Brett einholen. Wind und Strömung lassen es schnell talwärts treiben. Auf dem Bauch paddelnd erreiche ich die nächste blau-weiße Tonne, die Wendemarke für das 2-Wave-Boot, mit dem Frank Sorge aus Mögelin seit vier Jahren für Surf-Feeling auf der Unteren Havel sorgt. Es folgt Runde auf Runde. Das Wetter spielt keine Rolle. Der Neoprenanzug schützt vor Wärmeverlust und Sonnenbrand.

Frank Sorge begleitet MAZ-Redakteur Frank Bürstenbinder (m.) an den Start. Quelle: JACQUELINE STEINER

Ich greife noch einmal nach der Backbordleine. „Halte den rechten Arm ausgestreckt! Nach hinten beugen und mit dem linken Knie das Brett nach außen drücken“, ruft mir Frank Sorge zu. Der 2-Wave-Erfinder und mehrfache Landesmeister im Wakeboarden ist selbst auf einem Brett im Wasser, um seinen Kunden Hilfestellung zu geben. Am Ende lande ich wieder in der Havel – weit vor dem Ziel. Bei einer durchschnittlichen Bootsgeschwindigkeit von 16 Stundenkilometer fällt jeder Abgang ins Wasser sanft aus.

Wellenreiten hat für alle Altersklassen einen hohen Spaßfaktor. Quelle: JACQUELINE STEINER

Nach zwei Stunden im nassen Element bin ich platt. Der Nacken spannt. Die Schultern schmerzen wie nach dem Tapezieren einer Drei-Zimmer-Wohnung. Ich muss einsehen, dass Surfen einer harter Sport sein kann. Trotzdem besteht kein Grund zur Scheu. Der Spaß kommt auch für Neulinge nicht zu kurz. Andere Surfer der Gruppe sind noch in Aktion. Sie werden im Rotationsverfahren in die Wellen gezogen. Im Durchschnitt bekommt jeder Surfer alle fünf bis zehn Minuten die Chance auf eine eigene 275-Meter-Welle.

Das 2-Wave-Boot auf der Wasserski-Strecke bei Tieckow. Quelle: JACQUELINE STEINER

Nach drei Stunden sammelt Frank Sorge seine Surfer ein. Die Session geht zu Ende. Die Stimmung an Bord ist euphorisch. Eine Flasche Champagner macht die Runde. Mit 60 hat Udo Preissler eine gute Figur auf dem Wasser abgegeben. Seit drei Jahren kommt der Berliner nach Pritzerbe, um bei Frank Sorge an Bord zu gehen. „Ich bin ein Havel-Surfer. Einmal habe ich es auf dem Atlantik versucht. Aber da habe ich so was von auf die Fresse bekommen“, erinnert sich Preissler.

Premiere auf dem Brett: Helena Bödiger macht sich klar zum Aufstehen. Quelle: JACQUELINE STEINER

Jan Trenn aus Potsdam beschreibt sein Glücksgefühl nach dem Take-Off so: „Einmal in der Welle stehen ist wie drei Wochen Urlaub.“ Auch für die Jüngsten in der Gruppe ist es super gelaufen. Die Freunde Hannes (13) und Toni (12) sind das dritte Mal vor Tieckow auf die Surfboards gestiegen. Natürlich werden sie wiederkommen. Noch ist das 2-Wave-Boot von Frank Sorge ein Unikat in der Region. Über ihr Erfolgserlebnis freut sich die einzige aktive Frau an Bord. Helena Bödiger (20) schaffte das Wellenreiten im Stehen fast auf Anhieb. Für mich ein Ansporn. Irgendwann werde ich dem Gefühl der Schwerelosigkeit noch einmal nachsurfen.

Von Frank Bürstenbinder

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