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Brandenburg/Havel Syrisches Baby soll Angela heißen
Lokales Brandenburg/Havel Syrisches Baby soll Angela heißen
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17:52 17.12.2015
Ashraf Mahmaud und die schwangere Shaza Al Bagdadi mir ihrer Gastgeberin Anja Lüthy (Mitte). Quelle: jl
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Brandenburg/H

Anja Lüthy lehrt seit fast 15 Jahren Betriebswirtschaftlehre an der Fachhochschule Brandenburg. In ihrer Heimatstadt Berlin engagiert sie sich seit mehreren Monaten für Flüchtlinge, klappert mit einer befreundeten Zahnärztin Notunterkünfte in der Hauptstadt ab um zu helfen.

Vor einigen Wochen lernte sie das Ehepaar Ashraf Mahmaud (42) und Shaza Al Bagdadi (33) aus Damaskus kennen, er Rechtsanwalt, sie Geowissenschaftlerin und schwanger, beide vor zwei Monaten auf der Flucht aus der Heimat in Berlin gelandet. Das Paar lebte zu jener Zeit sehr beengt in einer Notunterkunft in Wannsee und sollte nach Berlin-Marzahn verlegt werden.

Die FHB-Professorin, Mutter zweier Söhne, schaute auf die schwangere Frau, überlegte kurz und bot dem Paar an, sie in der eigenen Wohnung unterzubringen. „Frau Dr. Lüthy hat ein großes Herz“, sagt der werdende Vater. Ihrer Gastgeberin sind sie sehr dankbar und ebenso herzliche Worte finden sie für Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Dankbarkeit ihr gegenüber ist so groß, dass sie das kleine Mädchen Angela nennen wollen, wenn es im April zur Welt kommt. Und wenn es ein Junge gewesen wäre, wie hätte er dann geheißen? Mit dem deutschen Namensrecht noch nicht ganz vertraut, sagen die beiden Syrer wie aus einem Munde: „Merkel.“

Der CDU-Parteizentrale sind solche Dankbarkeitsbekundungen syrischer Flüchtlinge bisher übrigens unbekannt. „Das ist das erste Mal, dass ich davon höre“, sagt eine Parteisprecherin.

Am Ende verrät das syrische Ehepaar noch, wie ihr Mädchen mit zweitem Namen heißen soll: Anja – also wie die zweite deutsche Frau, der sie dankbar sind. Wenn das Kind geboren ist, wollen die FHB-Studenten Babykleidung für das Kind auftreiben.

Benefiz-Essen Brandenburger Studenten

Am Donnerstag sind die syrischen Gäste mit Anja Lüthy an die Fachhochschule nach Brandenburg gefahren. Denn die Erstsemester der Wirtschaftsprofessorin hatten dort zu einem Benefiz-Weihnachtsfest eingeladen. Sie haben gekocht, gebraten, gebacken, Kaffee und Popcorn gemacht. Studenten und Dozenten sind gekommen und haben für den guten Zweck eine Summe von rund 500 Euro gespendet.

Der Erlös reicht für die erste Monatsmiete einer privaten Notunterkunft, welche die Facebook-Gruppe „Place4refugees in Berlin“ Flüchtlingen zur Verfügung stellt.

Ebenso wichtig ist der türkisch sprechenden FHB-Professorin, dass ihre Brandenburger Studenten Kontakte zu Flüchtlinge knüpfen. Das klappte auf dem Fest bestens, gerade auch bei Nidal Al Edlibi (19), dem dritten Syrer, dem Anja Lüthy mit einer Unterkunft hilft.

Der 19-Jährige, der nach drei Monaten im Land schon etwas deutsch spricht, kam schnell ins Gespräch mit den jungen Frauen aus Anja Lüthys Erstsemesterjahrgang. Er stammt aus der Nähe von Damaskus und möchte am liebsten in Deutschland Medizin studieren. Zurück geblieben in der umkämpften Heimat sind seine Eltern und die meisten Geschwister.

Von Jürgen Lauterbach

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