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Tanztheaterstück sorgt für tolle Momente

Brandenburg an der Havel Tanztheaterstück sorgt für tolle Momente

Herzlichkeit, Respekt, Menschlichkeit – so lässt sich die Zusammenarbeit zwischen der Lebenshilfe, der Kasmet-Ballett-Company und der Band Puls-T zusammenfassen, in der mit dem Theaterstück „Anders“ etwas Außergewöhnliches entstanden ist. 22 Menschen mit geistigen, seelischen und körperlichen Behinderungen wirken an dem Stück mit.

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Das Ensemble von „Anders“ bei der Vorführung am Freitag.

Quelle: Torsten Gränzer

Brandenburg/H. Auf der ausverkauften Studiobühne des Brandenburger Theaters muss etwas Besonderes geschehen sein, wenn sich ein bewegtes Publikum am Freitagabend zu minutenlangen, stehenden Ovationen hinreißen lässt, die kaum nachlassen, als die Künstler namentlich vorgestellt werden.

Herzlichkeit, Respekt, Menschlichkeit, so lassen sich die vergangenen 40 Monate der Zusammenarbeit zwischen der Lebenshilfe, der Kasmet-Ballett-Company und der Band Puls-T für das Tanztheaterstück „Anders“ zusammenfassen.

Tanzen war ein zentrales Thema des Stücks

Tanzen war ein zentrales Thema des Stücks.

Quelle: Torsten Gränzer

Neben den sechs Profis des Kasmett-Ballets und den Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe, sind es 22 Menschen mit geistigen, seelischen und körperlichen Behinderungen, die an diesem Stück mitwirken. Schon als die Band zu fünft mit der Ouvertüre beginnt, entsteht eine Stimmung, die bald jeden erreicht. Spätestens nach einigen Minuten sind auch die letzten Smartphones in den Taschen verschwunden und die Besucher von dem eingenommen, was auf der Bühne geschieht.

Choreographin Inga Lehr-Ivanov kreiert mit ihren Tänzern faszinierende Bilder zur Musik des Komponisten Thoralf Pötsch, der in seinen Stücken klassische europäische Einflüsse und unterschiedliche Weltmusik mit seiner experimentellen Rockband umsetzt.

In „Anders“ geht es um Ausgrenzung, um verletzende statt akzeptierende Blicke, um das Spürenwollen des Körpers, den Drang nach Tanz und Bewegung, vor allem aber um den Wunsch, wahrgenommen und respektiert zu werden. Die Umsetzungen sind humorvoll bis traurig, oft sehr lebendig und reichen vom improvisierten Gitarrensolo in hendrixscher Spielweise auf einem „amputierten“ Arm bis hin zum sanften Zueinanderfinden beim von lateinamerikanischen Rhythmen inspirierten Paartanz. Die Annäherungen finden zart bis intensiv statt. Die Spracheinlagen, vorgetragen von Samuel Ivanov und in Gebärdensprache übersetzt, sind behutsam gewählt.

Szene aus „Anders“, dem Stück, an dem Menschen mit Behinderungen mitwirkten

Szene aus „Anders“, dem Stück, an dem Menschen mit Behinderungen mitwirkten.

Quelle: Torsten Gränzer

So heißt es: „Jede DNS unterscheidet sich von der anderen. Warum ist die Akzeptanz des Andersseins so schwer? Anders auszusehen, anders zu sprechen, anders zu denken, anders zu laufen, anders zu lieben ist die Vielfalt des Lebens und der Menschen - und das Normalste auf der Welt. Alle gehören in den Kreis und den Kreislauf des Lebens. Möge es doch viele andere Menschen geben, die die Welt zu einem Kreis verbinden. . .“ „Anders“ zeigt, dass es weder eines bedingungslosen Funktionierens noch körperlicher Perfektion bedarf, um ein hochklassiges Stück entstehen zu lassen. Seine Perfektion besteht darin, das stimmigste Bild zu erzeugen, zu dem Menschen fähig sein können: das eines liebevollen Miteinanders. Hier und dort werden im Publikum einige Tränen weggewischt. Auf der Bühne fließen sie zum Schluss ganz offen.

Viele haben nach der letzten Vorstellung den Wunsch, sich wiederzusehen, auch künstlerisch. Ob der Zauber dieser Begegnungen in einer Leistungsgesellschaft dauerhaft umsetzbar ist, bleibt zweifelhaft. Im Moment des nicht enden wollenden Applauses bedarf es keiner weiteren Worte. „Anders“ hat für sich gesprochen und in eine nachdenkliche Nacht entlassen.

Von Torsten Gränzer

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