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Brandenburg/Havel Tauschgeschäft blüht: Münzen gegen Scheine
Lokales Brandenburg/Havel Tauschgeschäft blüht: Münzen gegen Scheine
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16:14 02.02.2016
Das letzte kostenlose Kleingeldbestellung hat Apothekerin Astrid Lorenz im Januar in der Pritzerber MBS-Filiale erhalten. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Pritzerbe

Taler, Taler, du musst wandern – in der Pritzerber Sonnen-Apotheke geht es zu, wie in dem bekannten Kinderlied. Leute tauschen Beutel voller Kleingeld gegen Scheine ein. Patienten durchforsten ihre Portmonees nach jedem Cent, um die 8,46 Euro für die Packung Voltaren passend zu bezahlen. Apothekerin Astrid Lorenz ist für Münzen dankbar. Normalerweise versorgt sich die Chefin in der nahen Sparkassen-Filiale mit gerolltem Nachschub. Doch sind dort seit kurzem für jeden Hartgeld-Transfer zehn Euro Gebühr fällig – egal, welche Stückelung geordert wird.

„Ein Unding“, findet die Inhaberin der Sonnen-Apotheke. Sie braucht im Monat zusätzlich zum eingenommenen Kleingeld etwa 250 Euro in Münzen, um ihren Patienten wechseln zu können. Für die Kontoführungsgebühr müsse die kostenlose Versorgung mit Hartgeld eine selbstverständliche Dienstleistung sein, meint Lorenz. Den Unmut ihrer Kunden zieht die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) nicht nur in Pritzerbe auf sich. Im gesamten Filialnetz sieht das schon länger gültige Preisverzeichnis für gewerbliche Kunden ein Entgelt vor. „ Jetzt helfen wir uns eben gegenseitig“, berichtet Apothekerin Lorenz.

Hartgeld von Dienstleistern

Denn was die einen Gewerbetreibenden dringend an Kleingeld brauchen, wie zum Beispiel auch der Lebensmittelladen von Britta Köhler, wollen andere loswerden. Doch auch die Einzahlung von Cent und Euro in Metall kostet neuerdings Geld. Bringt Keuzdamm-Gastwirt Klaus Meyer einen Batzen Kleingeld zur Sparkasse sind fünf Euro fällig. Bislang wurde es in gerollter Form kostenlos angenommen und dem Konto gutgeschrieben. Neuerdings muss Kleingeld in so genannte Safe-Bags gefüllt werden, deren Inhalt die Sparkasse bei einem externen Wertdienstleister maschinell zählen lässt. „Dieser Vorgang verursacht Kosten, die wir leider weitergeben müssen“, verteidigt MBS-Pressesprecher Robert Heiduck die neue Praxis. Auch die Hartgeldbestellung und der Transport in die Filiale erfolgt über Dienstleister, die ihre Kosten in Rechnung stellen.

Neuer Kostenfaktor

Teuer kommt das Kleingeldgeschäft auch der Stadt Havelsee und dem Amt Beetzsee. Wenn die drei Pritzerber Fährleute in der Sparkasse zum Kassensturz antreten, was in der Hochsaison mindestens ein Mal pro Woche und Fährmann der Fall ist, sind jeweils fünf Euro fällig. Genauso ist es bei den nicht geringen Kleingeldeinzahlungen von Essengeld in Kitas und Schulen, sonstigen Elternbeiträgen oder Entgelten auf dem kommunalen Campingplatz in Hohenferchesar. Tauschringe sind für die gemeindlichen Dienstleister tabu. Auf der jüngsten Amtsausschusssitzung mahnte Kämmerin Martina Gaidecka: „Wir haben es mit einem neuen Kostenfaktor zu tun, den wir im Auge behalten müssen.“

Von Frank Bürstenbinder

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