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Tausend Erinnerungen bleiben bewahrt

Zu Hause in Wusterwitz Tausend Erinnerungen bleiben bewahrt

Marlies Gohlke ist die wandelnde Heimatchronik von Wusterwitz. Es gibt kaum ein regionales Thema, mit dem sich die 76-jährige Seniorin nicht beschäftigt. In ihrer Wohnung nimmt die Dorfgeschichte mittlerweile etliche Regalmeter ein.

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Marlies Gohlke erforscht die Wusterwitzer Heimatgeschichte.

Quelle: BÜR

Wusterwitz. Dass Wusterwitz seit 85 Jahren eine Sparkasse hat, weiß Marlies Gohlke (76) auf Anhieb. Außerdem könnte die Feuerwehr in diesem Jahr ihr 135. Gründungsjubiläum feiern. Wer erfahren will, was es mit dem bis 1952 geführten Gemeindenamen Großwusterwitz auf sich hat, ist bei der geschichtsinteressierten Seniorin ebenso richtig. Ob Puppenvater Götze, der Elbe-Havel-Kanal oder Handel und Gewerbe, Marlies Gohlke ist eine wandelnde Heimatchronik, obwohl sie sich ungern als Chronistin bezeichnen lässt.

Ihren unermüdlichen Recherchen in Archiven, Museen und privaten Fotoalben ist es zu verdanken, dass der 2004 gegründete Kultur- und Heimatverein 19 Sonderausstellungen auf die Beine gestellt hat. Derzeit wird in der Tourismus-Info an die 170-jährige Geschichte der Eisenbahn in Wusterwitz erinnert. Fleißig trägt sie aus allen Quellen Dokumente zusammen, bis ein Aktenordner gefüllt ist – von der Kanalbrücke bis zur Seepromenade.

In der Sonderausstellung des Kultur- und Heimatvereins zur Wusterwitzer Eisenbahngeschichte

In der Sonderausstellung des Kultur- und Heimatvereins zur Wusterwitzer Eisenbahngeschichte.

Quelle: Maloszyk Volkmar

Einen Computer hat Marlies Gohlke nicht. Aber mit der Schreibmaschine kann die gelernte Stenotypistin umgehen. Weil sich immer mehr beschriebene und mit Fotos beklebte Blätter ansammeln, hat Ehemann Gerd inzwischen etliche Regalmeter in den eigenen vier Wänden zusammengeschraubt. Er unterstützt seine Gattin bei ihrem Hobby, warnt aber davor auch noch Klo und Küche in Beschlag zu nehmen. Als waschechte Wusterwitzerin, die 1940 in der Büngerschen Anstalt zur Welt kam, findet Marlies Gohlke schnell Zugang zu Menschen, die bereitwillig ihre Fragen beantworten. Hans Freund sagt über seine Mitstreiterin im Kultur- und Heimatverein: „Wenn Marlies kommt, gehen die Türen auf.“

Eigentlich hatte Marlies Gohlke für die Vergangenheit viele Jahre keine Zeit. „Familie und Beruf haben mich gefordert. Erst mit dem Ruhestand hatte ich die Muße mich intensiv mit den tausend Erinnerungen an Kindheit und Jugend zu beschäftigen“, erinnert sich die Rentnerin, die zu den Gründungsmitgliedern des Kultur- und Heimatvereins gehört. Angefangen hatte alles bei einer Radtour, als Marlies Gohlke im Rosenthaler Weg die verwunschene Erbbegräbnisstätte derer von Britzke besuchte. „Ich habe mir die Namen abgeschrieben, um zu erfahren, wer sich hinter den Personen der alten Rittergutsfamilie verbirgt“, berichtet die Wusterwitzerin. Heute sind von der Grabanlage nur noch Bruchstücke erhalten. So wären wohl auch zahlreiche Episoden der Heimatgeschichte in Vergessenheit geraten, wenn nicht der Kultur- und Heimatverein die Erinnerungen an vergangene Zeiten bewahren würde.

Weit über die Wusterwitzer Kirchturmspitze hinaus ist Marlies Gohlke in ihrem Leben nie gekommen. Andere wollten nach der Wende die weite Welt kennenlernen. Sie blieb mit ihrem Mann lieber in der Heimat. Die Familie hat einen Garten als Sommerdomizil. Und selbst dort klappert dann und wann die Schreibmaschine, wenn ein neues Kapitel Heimatgeschichte zu Papier gebracht wird.

Zu einem Dorf im Altkreis Brandenburg hat die Wusterwitzerin eine besondere Beziehung – Päwesin. Ihre Mutter stammt von dort. Der Urgroßvater war Revierförster bei den Bagower Ribbecks, das Förstergrab in der Bagower Heide erinnert an ihn. Ihr Berufsleben verbrachte Marlies Gohlke vor der Haustür von Wusterwitz, in Kirchmöser. Nämlich im RAW, das ab 1965 Werk für Gleisbaumechanik hieß. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Von Frank Bürstenbinder

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