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Brandenburg/Havel Rassismusvorwurf gegen zwei Taxifahrer
Lokales Brandenburg/Havel Rassismusvorwurf gegen zwei Taxifahrer
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18:43 31.08.2018
Gregory Da Silva aus dem Münsterland, geboren in Benin, reist als Eiermann durch die Lande. Quelle: Marion von Imhoff
Brandenburg/H

Schwere Vorwürfe erhebt Steffan Drotleff gegen zwei Brandenburger Taxifahrer. Die beiden Männer sollen sich in der Nacht zu Freitag geweigert haben, einen Westafrikaner zum Sorat-Hotel zu bringen. Erst der dritte Taxifahrer nahm den Mittdreißiger mit. „Für mich ist das eindeutig Rassismus“, sagt Steffan Drotleff, der Leiter des Brandenburger Jugendtheaters ist und als Moderator beim Stadtfernsehen SKB arbeitet. Gregory da Silva ist der Mann, den die Taxifahrer nicht mitnahmen.

Geboren ist der 38-Jährige in Benin, einem Staat in Westafrika. Da Silva lebt im Münsterland (Nordrhein-Westfalen) und reist als Künstler durch die Welt. Er nennt sich Eiermann, angelehnt an sein Kostüm. In seinem Gepäck hat er einen 150 Zentimeter hohen Hut, dekoriert mit Dutzenden Eiern. Den Hut, der zum Transport auf Rollen befestigt ist, zieht er samt der darauf befestigten Eier auf seinen Reisen hinter sich her. „So etwas ist mir noch nie passiert“, sagt Gregory da Silva. „Es ist rassistisch und sehr traurig.“ Anderthalb Stunden mussten die Männer warten, dann kam ein Taxifahrer, der sie mitnahm.

Der dritte Taxifahrer verhielt sich vorbildlich

Gemeinsam mit Gregory da Silva kam Steffan Drotleff gegen 1 Uhr nachts am Freitag mit dem Zug aus Berlin in Brandenburg an. Weil beide in die Altstadt wollten, beschlossen beide Männer, gemeinsam ein Taxi zu nehmen. Der erste Taxifahrer, den beide fragten, lehnte laut Drotleff ab, dass der dunkelhäutige Mann mit einstieg. Er habe keinen Platz für ihn, soll er gesagt haben. Steffan Drotleff hätte mitfahren dürfen. „Das war schon offener Rassismus“, sagt der. Der zweite Taxifahrer lehnte die Beförderung nach den Schilderungen des Brandenburgers ab, weil angeblich der Koffer des Mannes zu groß gewesen sei. Es ist die Ausstattung für Auftritte wie jetzt beim Streetfoodfestival an der Regattastrecke. Gregory da Silva steht für diesen Hut im Guinnessbuch der Rekorde. „Es war superoffensichtlich, dass der Mann wegen seiner Hautfarbe nicht mitgenommen wurde“, sagt Steffan Drotleff. Auf Facebook schreibt er: „Ich bin entsetzt, enttäuscht und schäme mich für Brandenburg.“

Gregory da Silva mit seinem Kostüm bei den Jecken in Köln. Quelle: Marion von Imhoff

Der dritte Taxifahrer, den Drotleff schließlich anrief, hatte weder Probleme mit den beiden Fahrgästen, noch mit dem Gepäck. Dieser Taxifahrer arbeitet bei der Firma Kraft. Inhaber Steffen Kraft zeigt sich entsetzt von dem Vorfall. Sein Mitarbeiter hatte bei der Übergabe am Morgen von den Berichten Drotleffs erzählt: „Das ist schon ein Hammer“, sagt Steffen Kraft. „Ein Fahrgast muss befördert werden. Das, was da passiert ist, geht gar nicht.“

Taxifahrer: „Froh über jeden Fahrgast.“

Unter den Brandenburger Taxifahrern überwiegt diese Meinung bei einer kurzen, nicht repräsentativen Umfrage am Bahnhof bei der Frühschicht. „Man ist doch froh über jeden Fahrgast“, sagt Denny Wessollek, der seit 15 Jahren in Brandenburg Taxi fährt. „Ich habe noch nie beobachtet, das sein Ausländer nicht transportiert worden ist.“ Ein Kollege sagt: „Ein Großteil unserer Kunden sind doch Ausländer. Wir haben doch die Pflicht zu befördern nach dem Beförderungsgesetz.“ Ein 45-jähriger Taxifahrer räumt dagegen ein: „Ja, die Beförderungspflicht gilt. Aber bei Ausländern hat man schon Angst, dass sie vielleicht kein Geld dabei haben und sagen, das zahle Frau Merkel.“

Steffan Drotleff hat viele Kommentare auf seinen Facebook-Post des Erlebnisses erhalten. Auch die Sängerin und Fernsehmoderatorin Dagmar Frederic meldet sich dort zu Wort: „Es ist nur noch widerwärtig, was hier in den Köpfen einiger Individuen vor sich geht.“ Ein Nutzer postet: „Das war alles schon mal da vor 80 Jahren.... Die Anständigen müssen lauter werden und die Verzagtheit abwerfen.“ Eine Frau schreibt: „Sprachlos, entsetzt, wütend.“ Ute Taege von der CDU fordert Aufklärung und warnt vor Vorurteilen.

Von Marion von Imhoff

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