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Teure Spritzen für mehr Scharfsicht im Alter

Bessere Hilfe für Augenpatienten Teure Spritzen für mehr Scharfsicht im Alter

Die Spritzen kosten rund 1300 Euro pro Stück und die Patienten benötigen unter Umständen 24 davon in 24 Monaten. Doch eine ganze Reihe von augenärztlichen Patienten, die früher nichts Gleichwertiges hatten, profitieren nach der Erfahrung von Augenspezialist Holger Siggel erheblich von der Therapie gegen Erblindung. Doch nicht jedem Patienten hilft sie wirklich.

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Brandenburg/H. Die Spritzen kosten rund 1300 Euro pro Stück und die Patienten benötigen unter Umständen 24 davon in 24 Monaten. Doch eine ganze Reihe von augenärztlichen Patienten, die früher nichts Gleichwertiges hatten, profitieren nach der Erfahrung von Augenspezialist Holger Siggel erheblich von der Therapie gegen Erblindung.

Auch die Brandenburger Augenklinik arbeitet mit den Spritzen. Oberarzt Markus Kathge schränkt aber ein: Nicht jedem Patienten bringt sie den gewünschten Erfolg.

Die feuchte Makuladegeneration gehört zu den chronischen Augenkrankheiten im Alter. „Früher konnten wir in diesen Fällen nichts machen“, erzählt Walter Noske, Chefarzt der Brandenburger Augenklinik. Die Patienten seien ein bis zweimal gekommen, doch die damaligen Behandlungsbemühungen mit Laser oder photodynamischer Therapie brachten keinen durchgreifenden Erfolg.

Seit einigen Jahren können Klinik- und niedergelassene Ärzte auf Medikamente zurückgreifen, die in Spritzenform verabreicht werden. Chefarzt Noske und Oberarzt Markus Kathge zufolge kann die Spritzentherapie das Sehvermögen der in aller Regel alten Patienten stabilisieren, in einigen Fällen sogar verbessern.

„Allerdings verschlechtert sich der Zustand nach drei, vier Jahren doch“, berichtet der Chef der Augenklinik. „Wir können damit nicht heilen, das Problem verschwindet nicht. Aber es gelingt oft, den Zustand zu stabilisieren und den Verfall zu verzögern“, erklärt Oberarzt Kathge.

Die Klinik und auch die niedergelassenen Augenärzte Holger Siggel und Maria-Gabriele Theophil wenden die von den Krankenkassen finanzierte Spritzentherapie bei verschiedenen chronischen Augenleiden an: bei Gefäßverschlüssen, beim diabetischen Ödem und bei der feuchten Makuladegeneration.

Patienten haben Anrecht auf die Behandlung

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine Augenerkrankung, die bei Menschen zu einer schweren Sehbehinderung führt, die in der Regel 60 Jahre und älter sind. Sehzellen in der Netzhautmitte gehen dabei zugrunde, die scharfes und farbiges Sehen vermitteln.

Die feuchte Makuladegeneration ist schwerwiegender als die trockene. Sie führt schneller zu einem Verlust des zentralen Sehens.

Die Augenerkankung tritt nicht häufiger auf als früher. Wegen besserer Diagnosegeräte wird sie oft aber früher erkannt, berichtet Roswitha Lukas-Heger.

Jeder Kassenpatient hat Anspruch auf eine Behandlung nach dem anerkannten Stand der medizinischen Forschung, also auf die zugelassenen, teuren Medikamente. Es gibt ein deutlich günstigeres Medikament, das aber in Deutschland nicht zugelassen ist.

Der Hersteller dieser Spritzen strebt die Zulassung wohl deshalb nicht an, weil das Unternehmen inzwischen vom Hersteller des teureren Präparats übernommen wurde.

Besonders erfolgreich ist das relativ neuen Behandlungsverfahren bei Patienten mit venösen Gefäßverschlüssen. Ihre Sehkraft könne in einigen Fällen zu hundert Prozent wiederhergestellt werden, berichten die Brandenburger Augenspezialisten.

Von den Patienten, die auf die Spitzentherapie anschlagen, lässt sich die Augenerkrankung bei etwa zwei Drittel aufhalten. Immerhin ein Drittel sehe anschließend deutlich besser, könne beim Sehtest zwei Zeilen mehr lesen als vorher.

Besagte Spitzentherapie ist allerdings für Arzt und Patient mit erheblichem Aufwand verbunden. „Ich könnte in unserer Praxis eine Managerin gebrauchen, die nur die Behandlung dieser Patientengruppe organisiert“, sagt Holger Siggel. Denn zu organisieren sind nicht nur die vier- bis sechswöchentlichen Spritzentermine, sondern auch die Nachsorge.

Die Brandenburger Augenärztin Roswitha Lukas-Heger, die im Gesundheitszentrum des Klinikums arbeitet, freut sich über jedem Patienten, dem die Spritze hilft, und sei es nur, dass sie eine Sehverbesserung von ein bis zwei Zeilen erreichen. Doch insgesamt betrachtet sie die „Wunder-Spritzen“ nüchtern.

Mit ein bis zwei Spritzen sei das Problem nicht vom Tisch. Patienten mit sollten lebenslang engmaschig im Verlauf kontrolliert werden. Das könne zu einem Problem für eine Augenarztpraxis werden, weil diese Termine frei zu halten sind.

Roswitha Lukas-Heger kennt die große Angst vieler Patienten vor völliger Erblindung. Diese Sorge will sie ihnen nehmen. „Selbst im schlimmsten Fall, im Endstadium, wird nicht alles schwarz vor Augen“, betont sie. Denn betroffen sei immer nur die zentrale Netzhaut. Das Umfeld, die periphere Netzhaut, bleibe für die Orientierung erhalten, das wissen nach ihrer Praxiserfahrung viele Patienten nicht.

Die Fachärzte, so Lukas-Heger, können AMD erkrankten Patienten im Endstadium Hilfsmittel zum lesen verordnen, etwa vergrößernde Sehhilfen, elektronische Lupen und Bildschirmlesegeräte. Allerdings müsse man bei manchen Krankenkassen leider dafür kämpfen.

Von Jürgen Lauterbach

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