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Theaterfrühling geht in die letzte Runde

Viesen Theaterfrühling geht in die letzte Runde

Mit einem bunten Programm findet der Viesener Theaterfrühling in diesem Jahr wieder vom 2. bis 25. Juni statt – allerdings das letzte Mal. Doch der künstlerische Leiter Wolfram Scheller möchte nicht aufgeben, Kultur und Theater im ländlichen Raum zu etablieren – ihn reizt das mehr als die Großstadt.

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Künstlerischer Leiter des Projektes Wolfram Scheller

Quelle: Foto: Melanie Höhn

Viesen. Die Tore der Lehnschulzenhofbühne in Viesen öffnen sich in diesem Sommer das letzte Mal. Finanziell könne der Theaterfrühling nicht mehr getragen werden, sagt Wolfram Scheller, der seit drei Jahren künstlerischer Leiter des Projektes ist. Vom 2. bis zum 25. Juni wird es dennoch eine Eigenproduktion sowie zahlreiche Gastspiele, Konzerte, Lesungen und Gespräche geben – die Hofbühne verwandelt sich dann wieder in einen quirligen Kulturort.

Höhepunkt ist das Stück „Die Schwestern“ des russischen Dramatikers Anton Tschechow unter der Regie von Jens Bluhm, das am 15. Juni Premiere feiert. Die Geschichte: Eine großbürgerliche Familie lässt sich auf dem Lande nieder und setzt sich mit dem dortigen Leben auseinander. Die Fassung wird reduziert auf drei Schauspielerinnen – die „Drei Schwestern“ sind das Zentrum des Stückes und führen lange Gespräche über den Sinn von Arbeit. Doch am Ende schaffen sie es nicht, in die Großstadt Moskau zurückzukehren. „Es wirkt alles trostlos, weil die Frauen unfähig sind, die Situation zu akzeptieren und ein Selbstbewusstsein zu entwickeln“, sagt Wolfram Scheller. Doch das Stück enthalte nicht nur Tragik, sondern auch Komik. In das Bühnenbild in Viesen wird ein Traktoranhänger integriert: „Die Umgebung passt gut, um die Geschichte zu inszenieren. Hier schwingt eine Menge mit, was mit Gutshäusern zu tun hat. Ich denke, es wird eine fantastische Symbiose von Stück und Ort“, ist sich der künstlerische Leiter des Projektes sicher.

Innerhalb von elf Tagen werden die kompletten szenischen Proben vor Ort in Viesen stattfinden, abseits der gewohnten Strukturen und des Alltags der Berliner Schauspielerinnen. Insgesamt zehrt das Projekt aber aus etwa einem Jahr Vorbereitungszeit. Damit die Organisation gelingt, helfen neun Vereinsmitglieder bei der Koordination und auch viele Ehrenamtliche aus der Region packen mit an – Vermieter aus Viesen oder die Pension in Rogäsen bieten beispielsweise Übernachtungsmöglichkeiten für die Schauspieler an. Wolfram Scheller erwartet auch in diesem Jahr ein Stammpublikum aus der Region rund um Viesen, aber auch aus Berlin oder Magdeburg werden viele Kulturinteressierte anreisen und Zeit in Brandenburg verbringen.

„Die Leute schätzen unsere Veranstaltungen sehr“, sagt Wolfram Scheller. Die Nachfrage nach kulturellen Angeboten wie diesen im Dorf und in der Umgebung sei groß. „Als bekannt wurde, dass der Viesener Theaterfrühling nicht mehr stattfindet, waren viele geschockt. Es ist identifikationsstiftend und auch der kulturtouristische Aspekt sollte nicht vergessen werden. Es sind kleine Fluchten aus dem Alltag.“

Als Theatermacher reizt den gebürtigen Berliner die Hauptstadt nicht. Für ihn sind Orte, an denen Theater nicht zum Alltag gehört, eine spannende Herausforderung. Drei Jahre hat er in Viesen Erfahrungen gesammelt und möchte auch weiterhin das Theater im ländlichen Raum – noch gibt es keine konkreten Pläne – etablieren. „Das Spannende ist auch: Bei jeder Aufführung haben wir ein anderes Publikum vor uns. Es sind Menschen von ganz unterschiedlicher Prägung“, sagt der 42-Jährige. Nach jeder Abendvorstellung werde wieder die Hofbar eröffnet, damit die Besucher miteinander ins Gespräch kommen. Im vergangenen Jahr etwa entstanden viele Diskussionen nach einem Monolog über den Konflikt im Nahen Osten.

Die Lehnschulzenhofbühne in Viesen ist Mitakteur beim Pilotprojekt Theaterring Brandenburg der Stiftung Paretz. Mit dem „Viesener Theaterfrühling“ bildet sie den öffentlichen Auftakt eines Vernetzungsprojekts, das in den kommenden zwei Jahren die freie Theaterszene in Brandenburg stärken will.

Von Melanie Höhn

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