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Thomas Bartel ist der malende Chronist

Brandenburg an der Havel Thomas Bartel ist der malende Chronist

Der Brandenburger Maler Thomas Bartel will die Zeit, in der er lebt, dokumentieren. „Mich interessiert das gegenwärtige Menschenbild in allen seinen Facetten.“ Ehemaliges Ladenlokal zum inspirierenden Atelier umgebaut.

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Ein ehemaliges Ladenlokal dient dem Künstler heute als Atelier.

Quelle: jast

Brandenburg/H. Thomas Bartel ist schwer zu fassen. Zumindest in Worte. Wer sein Leben beschreiben will, dem fällt schnell auf, dass die Chronologie bei ihm eigentlich keine große Rolle spielt. Irgendwie war immer schon alles da. Die Fantasie. Die Ideen. Das Talent. Wie anders ist es zu erklären, dass Bartel bereits als Grundschüler in der ersten Klasse den Zeichenwettbewerb einer DDR-Kinderzeitung gewonnen hat. Das Thema: „Die deutsch-sowjetische Freundschaft“. Der Beginn seiner künstlerischen Laufbahn war das noch nicht. „Ich habe zwar immer eine Eins im Zeichnen gehabt. Aber für mich war jahrelang der Leistungssport wichtiger als die Malerei“, erinnert sich der Künstler. „Bewusst gemalt habe ich erst während meinem 18-monatigen Wehrdienst bei der NVA.“

Farben an der Wand

Farben an der Wand.

Quelle: jast

Vieles in Bartels Leben lief parallel oder überlappte sich. Während seiner Ausbildung zum Busfahrer – seine Schulnoten waren nicht besonders gut, erklärt er die Berufswahl – besuchte er die Abendschule, um das Abitur nachzumachen. Seine ersten Ausstellungen machten ihn noch als „malenden Busfahrer“ bekannt.

Aus der Vita des Künstlers

Thomas Bartel ist im Dezember 1963 in Brandenburg an der Havel geboren. Seine Kindheit hat er größtenteils in Mecklenburg-Vorpommern und in Thüringen verbracht. Erst ab seinem 15. Lebensjahr wohnte die Familie wieder in Brandenburg.

Bartel ist gelernter Busfahrer. Bis 1996 steuerte er seinen Bus durch die Stadt Brandenburg, dann kündigte er.

Über den zweiten Bildungsweg hat Bartel das Abitur gemacht und an der Kunsthochschule Weißensee Malerei und Grafik studiert. Einen Diplomabschluss hat er nicht gemacht.

Er war einige Zeit für die Berlin-Brandenburgische Auslandsgesellschaft tätig, betreute Kunstprojekte.

Acht Jahre lang war er als Zeichner für den Stadtarchäologen tätig. Bartel hat viele Licht- und Videointallationen realisiert und viele Projekte für das archäologische Landesmuseum. Freiberuflich ist er Kunstmaler.

Mehr über den Künstler und seine Arbeit unter http://thomasbartel.de

Infolge einer Jugenddummheit, wie er selbst sagt, geriet er in das Visier der Staatssicherheit. Aber während das Leben anderer Menschen durch die Stasi oftmals zerstört wurde, legte sie bei Bartel den Grundstein für seine künstlerische Entwicklung. Sie „verdonnerten“ ihn zur Teilnahme an den Kursen von Horst Wall, Wiederbegründer der Wredowschen Zeichenschule. Warum er diese Auflage erhielt? „Das habe ich mich selbst oft gefragt. Ich weiß es nicht.“

In den 90er-Jahren kündigte Bartel seinen Busfahrerjob und studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee. Einen Abschluss machte er nicht. Er wollte frei sein und malen, aber keine Auftragsarbeiten. Und nicht für Geld. Jedenfalls nicht vorrangig. Er wollte und er will künstlerisch von niemandem abhängig sein, will selbstbestimmt von seiner Kunst leben können. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Licht- und Videoinstallationen, für die er teilweise auch Preise erhielt. Beispielsweise den 1. Preis im Landeswettbewerb 2008/2009 des Ministeriums für Raumordnung und Infrastrukur des Landes Brandenburg für das Projekt „Lichtinstallation der Ritter- und Bäckerstraße“.

Surreale Kunst

Surreale Kunst.

Quelle: jast

Für das Archäologische Landesmuseum im Paulikloster erstellte Bartel ein sogenanntes „stratigraphisches Großdiorama“, das einen archäologischen Grabungsschnitt in den verschiedenen Erdschichten bis zur Eiszeit zeigt und viel Beachtung fand. Der Künstler hat zahlreiche weitere Projekte für das Landesmuseum realisiert. Er schätze diese Kooperation, weil er für diese Arbeiten künstlerisch große Freiheiten genießt, erklärt er. Ein weiteres faszinierendes Großdiorama schuf er ab 2012 für das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz, haushoch diesmal.

Bartel hat aus einem ehemaligen Ladenlokal in der Havelstraße mit Wohnung dahinter ein inspirierendes Domizil geschaffen. Der Laden mit seinen großen Schaufensterscheiben lässt viel Licht herein und ist Bartels Atelier. Dort steht und hängt an jeder freien Stelle Bartels Kunst, ebenso wie in den Wohnräumen, dort aber etwas zurückhaltender platziert.

Blick ins Atelier

Blick ins Atelier.

Quelle: jast

Auch in seinem Schlafzimmer hängt Kunst. Aber nur ein Bild, allerdings ein ganz besonderes. Es ist die erste große Malerei, die Thomas Bartel geschaffen hat. Den Maluntergrund – eine großformatige Presspappe, etwa 1 Meter mal 1.25 Meter – hat ihm seinerzeit Horst Wall überlassen. Stolz, dass ihm Wall zutraute, dass er so eine große Malerei schaffen könne, machte sich Bartel ans Werk. Das Motiv: die Katharinenkirche. Aber nicht nur. Wie in allen seinen Malereien hat Bartel viele Details eingearbeitet, einige mit Symbolcharakter. Bartels Malweise auf diesem Bild erinnert stark an Lionel Feininger, den der Künstler damals sehr verehrt hat.

Die beiden Zimmer hinter dem Laden strahlen mit ihren Fußböden mit abgezogenen und versiegelten Holzdielen einen gewissen ländlichen Charme aus. Und Großzügigkeit, denn der Künstler hat die gemauerte Trennwand zwischen den beiden Zimmern herausgenommen und dafür eine gläserne Wand eingebaut, die in Sprossenfenster aufgeteilt ist. Jetzt kann er von seinem Atelier aus von vorne bis ganz nach hinten durchschauen. Das mittlere Zimmer mit langem Tisch und einer deckenhohen Bücherwand über die gesamte Länge des Raumes sei so etwas wie sein Büro, erklärt der Künstler. Und bei Bedarf diene es als Besprechungsraum.

Ein Kunstwerk von Thomas Bartel

Ein Kunstwerk von Thomas Bartel.

Quelle: jast

Fast 20 Jahre lang ließ sich Bartel von Nietzschetexten zu Bildern inspirieren. 2016 hat er den Bilderzyklus „Also sprach Zarathustra“ in einer großen Personalausstellung im Paulikloster ausgestellt. Die etwa 90 Bilder waren in verschiedenen Techniken entstanden und vermittelten einen Eindruck von seiner künstlerischen Bandbreite. Inzwischen hat Thomas Bartel einen neuen Bilderzyklus mit dem Titel „Gesellschaftsspiele“ begonnen. Er will sich malend als Chronist betätigen, die Zeit, in der er lebt, dokumentieren. „Mich interessiert das gegenwärtige Menschenbild in allen seinen Facetten.“

In seinem Atelier hat Bartel bereits drei großformatige Malereien für diesen neuen Zyklus geschaffen: „Der Spaziergang“ (November 2016); „Die Anstiftung“ (Dezember 2016) und „Rummel“ (Februar 2017). Vorabskizzen macht Bartel nicht. „Ich habe das Bild im Kopf, das ich malen will. Das kann sich aber während des Malprozesses ändern.“ Bartel malt zwar gegenständlich, aber die Motive entspringen seiner Fantasie. Die Situationen, die er darstellt, gibt es so nicht. Er male jetzt flächiger, setze unterschiedliche Farbflächen aneinander, erklärt er.

Das Vorzeichnen auf der Leinwand habe er nahezu aufgegeben. Malerei, Grafik, Raum-, Licht-, Klanginstallationen, museale Szenographie, Modellbau und Projektentwicklung – lassen sich diese künstlerischen Aktivitäten und Familie vereinbaren? „Ich bin zur Zeit Single, also wohl nicht.“ Als er frisch verliebt gewesen sei, da habe er kaum gemalt. „Aber den Trennungsschmerz, den habe ich über die Malerei abreagiert.“ Was soll man ihm da wünschen?

Von Ann Brünink

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