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Der zurückgerufene Sohn der Stadt

Thomas Götze Professor in Brandenburg Der zurückgerufene Sohn der Stadt

„Rückrufaktion“ nennt Thomas Götze im Spaß seinen Wechsel von Magdeburg in seine Heimatstadt Brandenburg. Seit einigen Wochen ist er Professor für Antriebstechnik an der Fachhochschule Brandenburg. Sein Klappfahrrad, das nach sieben Jahren 20 000 Kilometer Transferdienst auf Magdeburgs Straßen hinter sich hat, erledigt nun die Kurzstrecke zwischen Wohnung und Büro.

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Thomas Götze ist wieder dort, wo er herkommt. Jetzt aber als Professor.

Quelle: Heike Schulze

Brandenburg/H. „Rückrufaktion“ nennt Thomas Götze im Spaß seinen Arbeitsplatzwechsel von Magdeburg in seine Geburts- und Heimatstadt Brandenburg. Seit einigen Wochen ist er Professor für Antriebstechnik an der Fachhochschule Brandenburg (FHB). Sein Klappfahrrad, das in gut sieben Jahren 20 000 Kilometer Transferdienst auf Magdeburgs Straßen hinter sich hat, erledigt nun die Kurzstrecke zwischen Wohnung und Büro.

Mit 57 Jahren und nach einigen Umwegen ist der Ingenieur Thomas Götze dort angekommen, wo er unter anderen Umständen vielleicht wesentlich früher angelangt wäre. Doch seine akademische Laufbahn lief weniger gradlinig als bei anderen, weil er in der DDR nicht promovieren durfte und sich diesen alten Traum erst relativ spät erfüllen konnte.

Nach seinem Studienabschluss 1984 in Magdeburg arbeitete der Antriebstechniker im Kombinat Schiffbau und nach der Wende im Ingenieurbüro Schiffbau als Konstrukteur und Projektleiter. „Erfahrungsreiche Berufsjahre“, nennt der akademische Lehrer die damalige Zeit, in der sein Unternehmen alle Werften in der DDR mit Hubeinrichtungen belieferte. Vor gut zwanzig Jahren wechselte der dreifache Familienvater von der Wirtschaft in den öffentlichen Dienst, prägte als wissenschaftlicher Mitarbeiter mehr als zwölf Jahre lang die Maschinenbaulehre an der FHB. In dieser Zeit wurde die alte Motivation wieder lebendig, das zu tun, was er einst nicht durfte: den Doktorgrad zu erarbeiten.

Als externer Doktorand wurde der Techniker 2004 an der Universität Karlsruhe bei Professor Albert Albers promoviert. Drei Jahre später folgte er dem Ruf an die Hochschule Magdeburg-Stendal als Professor für Getriebe und Antriebstechnik, pendelte fortan zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

In diesem Sommer folgte die erwähnte „Rückrufaktion“. Als verlorenen Sohn, der nach Hause zurückkehrt, sieht sich der bibelfeste Maschinenbauer indes nicht so ganz. Schließlich hat er in der Fremde nicht wie das biblische Vorbild ein Lotter-, sondern ein anständiges Arbeitsleben geführt. Thomas Götze ist anzumerken, dass er sich freut, nun dort Professor zu sein, wo er sein früheres Ingenieurnetzwerk wiederfindet und wo mit dem ZF-Getriebewerk ein großes Unternehmen ansässig ist, das genau zu seinem Spezialgebiet passt. Er will den Kontakt suchen, fragen, welche Erwartungen die Getriebebauer an die FHB-Studenten haben, bei Interesse Praktikanten anbieten und Kooperationsaufgaben übernehmen.

An der Fachhochschule sieht er fachlich bei mehreren Fachkollegen wie Sören Hirsch und Katharina Löwe „Andockpunkte“. „Ich backe erst einmal kleine Brötchen und will dann sehen, an welchen Stellen es noch mehr Kooperation und Kommunikation untereinander geben könnte“, sagt Götze.

Privat muss sich der vielseitig interessierte Mann an nichts Neues gewöhnen, ist er doch familiär, sozial, kulturell, kirchlich und sogar politisch in Brandenburg verwurzelt. Den politischen Antrieb, den er 1993 als Stadtverordneter des Neuen Forums auslebte, hat das Grünen-Mitglied zwar nicht mehr. Doch wenn es sich wie mit dem Verkehrsforum thematisch anbietet, wäre er dabei. Kostanten seines Privatlebens sind die kirchliche Arbeit als Synodaler und das Singen im Brandenburger Motettenchor und im Kantatenkreis.

Mehr Zeit wird der neue Professor ohne die langen Pendelstunden im Regionalexpress haben, um als Pedersen- und dem Liegeradfahrer im Straßenbild der Heimat aufzutauchen. Zweiräder interessiere ihn auch wissenschaftlich. Ein Zweirad-Prüfstand für E-Bikes, mit dem Antriebstechnik und Fahrkomfort getestet werden, existiert zumindest schon in seinem Kopf.

Von Jürgen Lauterbach

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