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„Tiere sind dankbarer als Menschen“

MAZ-Interview „Tiere sind dankbarer als Menschen“

Nach 25 Jahren ist nun Schluss: Die Brandenburgerin Brigitte Jodeit gibt die Leitung des Tierheims im Eichhorstweg 7 an Melanie Grüttner und deren Lebensgefährten Mathias Angermann ab. Im Interview erzählt sie von ihren schönsten und traurigsten Erlebnissen, resümiert ihre Arbeit und verrät, was sie in Zukunft noch vorhat.

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Brigitte Jodeit hat ihr Tierheim aufgegeben.
 

Quelle: MALO

Brandenburg/H.  Brigitte Jodeit hat einen Großteil ihres Berufslebens das Tierheim im Brandenburger Eichhorstweg geleitet. Nach 25 Jahren Arbeit dort hat sie die Einrichtung nun verkauft und zum zurückliegenden Jahreswechsel an die neuen Eigentümer übergeben.

 
MAZ
: Wenn Sie auf die vergangenen 25 Jahre zurückblicken – wie resümieren Sie diese Zeit?

Jodeit : Ich würde es immer wieder machen, vielleicht ein bisschen anders. Zum Beispiel so bauen, dass die Tiere noch mehr Platz haben. Mit der Arbeit, die ich gemacht habe, bin ich zufrieden. Wir Mitarbeiter waren wie eine Familie und standen uns sehr nahe. Wenn jemand Sorgen hatte, konnte er immer mit dem anderen darüber reden. Jeder war auch bereit, mir zu helfen. Meine sechs Teilzeitangestellten arbeiten auch weiter im Tierheim.

Was war das schönste Erlebnis in den 25 Jahren?

Jodeit : Es waren immer schöne Erlebnisse. Man freut sich einfach, wenn ein Hund, der jahrelang bei uns war, ein neues Zuhause findet. Je älter die Hunde werden, desto schwieriger wird das aber. Wir stehen im engen Kontakt mit den neuen Haltern, sie schicken uns Bilder, damit wir uns einen Eindruck vom neuen Leben des Tieres machen können. Ich habe zum Beispiel noch immer Kontakt zu einer Familie, die vor elf Jahren ihren Hund bei uns abgeholt hat. Meine E-Mail-Adresse bleibt bestehen, vielleicht werden mich einige dort noch kontaktieren.

Gab es für Sie auch schwierige Zeiten?

Jodeit : Ja, wir haben auch beispielsweise Hunde, die jahrelang keinen neuen Besitzer finden. Das ist dann für alle sehr traurig. Einer der Hunde ist schon seit zwölf Jahren bei uns. Vor allem kleine und nette Hunde sind gefragt, keine, die unberechenbar sind. Meistens sind es Familien, die ein Tier adoptieren wollen und bei uns zunächst Probespazieren gehen. Katzen sind jedoch die Spitzenreiter – davon haben wir auch die meisten. Einige geben aber auch Hasen, Vögeln oder Meerschweinchen ein neues Zuhause.

Wie gingen die Halter mit ihren Tieren um?

Jodeit : Natürlich gab es manchmal schlimme Fälle, die von der Feuerwehr oder von Findern gebracht wurden. Aber ich kann nicht pauschal sagen, dass die Leute immer schlecht mit den Tieren umgegangen sind, bevor sie zu uns kamen.

Ein Tierheim zu führen, hat viel mit Verantwortung zu tun. Wie kamen Sie eigentlich einst zu diesem Beruf?

Jodeit : Während der Wendezeit hatte ich von der Verwaltung der Stadt Brandenburg erfahren, dass ein Tierheim benötigt wird. Bis dahin war ich 20 Jahre bei der Polizei angestellt und wollte einen Neuanfang wagen, etwas anderes machen.

Wie sah Ihr Alltag als Tierheimchefin aus?

Jodeit : Ich bin jeden Tag um fünf Uhr aufgestanden und war sieben Tage in der Woche bis abends dort. Im Büro habe ich es mir gemütlich gemacht und die Schmuckherstellung für mich entdeckt. Ich kreiere Bernsteinketten für Hunde, die Zecken abwehren sollen und auch Perlenketten für Frauen. Im Moment liegt diese Arbeit jedoch auf Eis, aber ich werde wieder damit anfangen, wenn sich wieder alles normalisiert hat.

Was hat Ihnen die Kraft gegeben, das Pensum durchzuziehen?

Jodeit : Die Tiere brauchen jemanden, sie können nicht alleine existieren. Wenn man so etwas anfängt, muss man es auch ordentlich machen und durchziehen. Tiere sind dankbarer als Menschen. Wenn man ihnen Liebe gibt, kommt auch Liebe zurück.

Wie finden Sie die Erweiterung des Tierheimes um eine Hundeschule?

Jodeit : Warum nicht. Ich kann es verstehen: Ein Tierheim alleine ernährt keine Familie. Die Kosten für Lohn, Futter und Nebenkosten sind enorm. Ich habe deshalb nebenbei auch Schmuck gemacht, mein Mann hat gearbeitet.

Sind Sie traurig, die Arbeit nun aufzugeben?

Jodeit : Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Irgendwann hätte ich es sowieso machen müssen. Ich freue mich jedenfalls auf die Zukunft. Ich werde regelmäßig das Tierheim besuchen und mich mit meinen früheren Mitarbeitern austauschen. Ich selbst habe auch drei Hunde, eine Katze und zwei Pferde und damit dann in Gräben auch viel zu tun.

 
 

Von Melanie Höhn

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