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Brandenburg/Havel Till Sarrach reißt das Meli-Haus aus der Stille
Lokales Brandenburg/Havel Till Sarrach reißt das Meli-Haus aus der Stille
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00:20 27.08.2017
Till Sarrach am früheren Volkseigenen Betrieb in Götz. Der Schauspieler schuftet für die Sanierung des einstigen VEB-Gebäudes, seine Familie zieht dort am Wochenende ein. Quelle: Marion von Imhoff
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Götz

Till Sarrach schlagen drei Reaktionen an seiner Großbaustelle in Götz entgegen: Mitleid, Bewunderung und Neid. „Mitleid ist das Schlimmste davon“, sagt der Mann, der den 20-jährigen Leerstand des früheren VEB Meliorationsbau Götz beendet. Das Meli-Gebäude, so wird es im Ort genannt, fristete seit der Wende ein trauriges Dasein, verkam zur Müllhalde und zum Unterschlupf von Autodieben, die ihre Beute dort im Stillen zerlegten. So jedenfalls wird es Till Sarrach hinter vorgehaltener Hand berichtet. Und dann erzählt Sarrach von dem Radfahrer, der im Vorbeiradeln herüber schrie: „Achtung, alles verseucht!“ Auf dem Gelände stand zu DDR-Zeiten schwere Technik für die Landwirtschaft.

Sarrach und seine Lebensgefährtin Anja Daubenspeck, die beide Schauspieler sind, ließen Bodenproben nehmen. Das Ergebnis war erleichternd für die dreifachen Eltern. „Das hier ist nicht Bitterfeld“, lacht der groß gewachsene Mann.

Leere Fensterhöhlen blicken auf die Götzer Dorfstraße. Quelle: Marion von Imhoff

Dieses Wochenende nun ziehen sie mit ihren Kindern im Alter von vier, fünf und zwölf Jahren von ihrer Wohnung in Deetz in die Immobilie mit 1000 Quadratmetern Wohnfläche an der Götzer Dorfstraße.

Halb fertig ist in dem früheren VEB-Verwaltungssitz noch gar nichts

Den Dreigeschosser halb fertig zu nennen wäre geschönt. Nichts wirkt an ihm schon saniert und ist es auch nicht. Im Erdgeschoss blicken leere Fensterhöhlen ins Blaue. Der marode Charme verstaubter DDR-Jahre staubt vor sich hin. So zieht die fünfköpfige Familie zunächst in einen Wohnwagen und ein paar Zimmer im Obergeschoss.

Till Sarrach in der früheren Kantine des Meli-Gebäudes. Dort wird das neue Wohnzimmer entstehen. Quelle: Marion von Imhoff

Es ist ein Anfang von dem, was einmal ein Ferienbauernhof für Kinder und Jugendliche und Wohnungen für Senioren werden soll. Um das zu verwirklichen, lernen Sarrach und Daubenspeck derzeit berufsbegleitend den Job des Erziehers. Vielleicht werden sie auch pädagogisch betreutes Wohnen für Jugendliche anbieten, die zuhause nicht mehr bleiben wollen. Bald wird klar: Es ist nicht nur eine Lebensaufgabe, die das Paar frohgemut auf ihre Schultern genommen hat. Es ist für beide auch die Begründung einer neuen beruflichen Existenz.

Endlich frisches Wasser auf dem Gelände

Gerade hat ein örtlicher Betrieb Frischwasser gelegt. Das Abwasser floss über Jahrzehnte irgendwohin, auch das ist nun kanalisiert ins Netz. Die Elektrik wird erneuert, das Dach ist dicht und 16 gebrauchte Fenster besorgt, die passend scheinen. Doch noch ist keine Firma da, die sie noch vor Oktober einbauen könnte. Es ist also schon einiges geschafft, aber noch viel zu tun. „Es ist ein Lebensprojekt, sagen viele. Ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde in meinem Leben“, sagt der 54-Jährige. Aber er lächelt dabei. Und erzählt von der energetischen Sanierung, die irgendwann auch noch folgen soll.

Der Blick auf den Hof. Handwerker besichtigen die 2,5 Hektar große Fläche. Quelle: Marion von Imhoff

Noch braucht es Phantasie, in dem fast industriell wirkenden Nutzgebäude auf 2,5 Hektar Land den künftigen Ferienbauernhof zu erkennen. Der neue Eigentümer hat die Immobilie über einen sächselnden Makler und eine Verwaltungsfirma von der VEB-Rechtsnachfolgerin gekauft. Den Kaufpreis möchte Sarrach nicht nennen. Aber die Investitionssumme, die er nun in das Gebäude stecke, liege weit unter 100 000 Euro.

Mietwohnungen zu schaffen ist ein Gedankenspiel

Sarrach hofft auf Fördermittel. Doch der erste Anlauf dafür ist gescheitert. Noch dieses Jahr einen neuen Antrag auf den Weg zu bringen, dafür fehle momentan die Zeit: „Wir ziehen ja morgen um!“ Das Konzept aber stehe, sei noch etwas wandelbar. Vielleicht kommt noch ein Café für Kuchen und Softeis dazu und ein Heuhotel. Eine zweite Fluchttreppe, um Wohnungen einbauen zu können. Immer wieder kommen Götzer vorbei, schauen sich staunend um, fragen nach, auch, ob da Mietwohnungen entstünden. Einige fügen an: „Bitte kein Flüchtlingsheim.“ Immerhin, Mietwohnungen werden gebraucht in der Gemeinde Groß Kreutz (Havel), zu der Götz gehört. Das betont Bürgermeister Reth Kalsow immer wieder. Till Sarrach weiß das.

Till Sarrachs Ziegen sind auf dem Hof des Meli-Gebäude schon zu Hause. Quelle: Marion von Imhoff

Sarrach, Sohn zweier Schauspieler, ist auf dem Land nahe Freiburg im Breisgau aufgewachsen. Landwirt war sein zweiter Berufswunsch. Den möchte er jetzt endlich im Nebenerwerb verwirklichen. Doch davor muss er erst einmal für eine Heizung sorgen. Die kommende Kälteperiode gilt es, mit einer Elektroheizung zu überbrücken.

Ein Verein für das gemeinsame Ziel

Den Verein „Kulturwert“ hat das Paar schon gegründet mit Freunden aus dem Dorf und aus Berlin, die helfen wollen. Kunst und die Lust am Landleben verbindet sie.

„Ich sehe, was schon geschafft ist. Und goldene Wasserhähne, die brauchen wir hier nicht. Die Freude ist einfach riesig, bald hier zu sein.“ Sagt Till Sarrach, während er auf einer roten Couch unter dem Vordach der künftigen Stallanlage Kaffee trinkt. Bei all dem, was ansteht, fällt eines auf: Dieser Mann ist ganz offensichtlich trotzdem tief entspannt.

Von Marion von Imhoff

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