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Tochter missbraucht, trotzdem Bewährung

Brandenburg an der Havel Tochter missbraucht, trotzdem Bewährung

Der Brandenburger, der seine damals zehn Jahre alte Tochter dreimal sexuell missbraucht hat, muss nicht ins Gefängnis. Die 1. Strafkammer des Landgerichts Potsdam sprach in dieser Woche gegen Hans G. (Name geändert) eine zweijährige Haftstrafe zur Bewährung aus. Sie hielt dem Angeklagten sein von Reue geprägtes Geständnis zugute.

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Quelle: dpa

Brandenburg/H. Der Brandenburger, der seine damals zehn Jahre alte Tochter dreimal sexuell missbraucht hat, muss nicht ins Gefängnis. Die 1. Strafkammer des Landgerichts Potsdam sprach in dieser Woche gegen Hans G. (Name geändert) eine zweijährige Haftstrafe zur Bewährung aus. Sie hielt dem Angeklagten sein von Reue geprägtes Geständnis zugute.

Zehn Jahre alt war Anna R. (Name ebenfalls geändert), als der inzwischen 39 Jahre alte leibliche Vater sich zwischen dem 24. Juni und 8. Juli 2012 dreimal an seinem Kind sexuell verging und als Tatort die runtergekommene Couch seiner schmutzigen Wohnung in Hohen-stücken nutzte. Bei einem der drei Verbrechen kam es zum Äußersten.

In einem ersten Prozess im Juli 2015 hatte das lernbehinderte Opfer vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts geschildert, was ihm widerfahren war und welchen Ekel sie dabei empfand. Immerhin hatte der Vater von ihr abgelassen, als das Mädchen ihre Abneigung und Schmerzen ausdrückte. Doch ihr Leben war fortan verändert. Sie war nicht mehr fröhlich und lebte in der Angst, womöglich vom eigenen Vater ein Kind zu bekommen.

Anna offenbarte sich einige Wochen nach den Übergriffen ihren Großeltern, die für sie wie Eltern sind. Die leibliche Mutter war erst 13 Jahre alt gewesen, als der Spätaussiedler Hans G. sie schwängerte. Sie war nach der Geburt des Kindes im Jahr 2001 überfordert gewesen und hatte die Erziehung fortan den Eltern überlassen, Annas Großeltern.

Die Jugendstrafkammer sprach Hans G., der die schweren sexuellen Übergriffe auf seine Tochter ursprünglich bestritt, vor zweieinhalb Jahren für schuldig und verurteilte ihn zu einer dreijährigen Haftstrafe ohne Bewährung. Sein Verteidiger Mario Schink ging in die Revision und erhielt Recht vom höchsten deutschen Strafgericht, dem Bundesgerichtshof. Die Bundesrichter teilten die Auffassung des Verteidigers, dass die Jugendstrafkammer die Vorgänge nicht ausreichend aufgeklärt habe. Daher musste der Prozess nun vor einer anderen Strafkammer neu aufgerollt werden.

Diesmal wies der Angeklagte die Schuld nicht mehr von sich, obwohl seine Tochter als Hauptbelastungszeugin in dem neuen Verfahren nicht mehr aussagen wollte. Hans G. gestand alle ihm vorgeworfenen Verbrechen und entschuldigte sich nach Überzeugung seiner aktuellen Richter aufrichtig für das schwere Unrecht, dass er seiner Tochter vor fünf Jahren zugefügt hat.

Das Geständnis und die Reue bewogen die Richter, die zweijährige Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusprechen. Sie hielten dem Angeklagten außerdem zugute, dass er seit vielen Jahren einer festen Arbeit nachgeht, regelmäßig Unterhalt für seine Tochter zahlt, nicht vorbestraft ist und seit dem lang zurückliegenden Geschehen unauffällig und straffrei lebt.

Die kleine Anna hat in der Zeit nach den väterlichen Übergriffen sehr gelitten und ihre Fröhlichkeit eingebüßt, wie die erziehende Großmutter vor Gericht berichtete. „Anna hatte große Angst, dass sie schwanger werden könnte“, sagte die Zeugin Christine R. Zugleich sei sie sehr traurig gewesen, dass sie keinen Kontakt mehr haben durfte zu ihrem Vater, der sie sogar bei zufälligen Begegnungen abwies – weil er nach der Anzeige keinen Kontakt zu dem Kind haben durfte.

Zuvor war er im Gegensatz zur leiblichen Mutter ein recht fürsorglicher Vater gewesen, der oft in die Familie der Großeltern kam und viel mit seinem Kind unternahm. Die alten Herrschaften hatten ihn sogar zeitweilig wie ihren Schwiegersohn angesehen. Bis zu dem Tag, an dem die traurige Wahrheit ans Licht kam.

Von Jürgen Lauterbach

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