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Brandenburg/Havel Mahlenziener soll gut 2 Jahre ins Gefängnis
Lokales Brandenburg/Havel Mahlenziener soll gut 2 Jahre ins Gefängnis
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01:04 28.11.2014
Der Angeklagte soll für fast zwei Jahre in den Knast gehen. Quelle: dpa
Brandenburg an der Havel

Eine Schrotkugel war tödlich, zerfetzte dessen Lunge. Gestern versuchte der Unglücksschütze im Landgericht Potsdam, eine mildere Strafe zu erreichen. Das Amtsgericht Brandenburg hatte ihn im April wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Dieses Urteil bleibt bestehen, denn die 6. Strafkammer hat die Berufung verworfen.

Der frühere Wasserwerker räumt sein tödliches Versehen in der Berufungsverhandlung ein. „Ich mache mir heute noch Vorwürfe“, sagte er im Gerichtssaal. Zu beschönigen gibt es wenig.
Adolf B. und Jürgen W. ziehen an jenem Abend los um zu jagen, besser gesagt: zu wildern. Im Abstand von mehreren hundert Metern sitzen sie auf ihren Hochständen am abgeernteten Rapsfeld im Pirschbezirk Mahlenzien. Adolf B. trägt eine Bockflinte mit sich, geladen mit für die Wildschweinjagd unerlaubt großen Schrotkugeln.

Auf Marderhunde habe er schießen wollen, versichert Adolf B., denn die Tiere seien Waldschädlinge. Am späten Abend telefonieren die Freunde miteinander, vereinbaren, die Jagd sei beendet.
Adolf B. erwartet, dass sein Freund wie sonst mit dem Auto die Buckau entlang auf ihn zukommt. Doch Jürgen W. läuft über das Feld auf ihn zu. In diesem Moment will der Rentner einen Marderhund in etwa vierzig Metern Entfernung entdeckt haben. Er gibt kurz hintereinander zwei Schüsse aus seiner Flinte ab. Dann hört er „ein Quieken“ und sagt zu sich: „Verdammt, das war kein Marderhund, sondern ein Frischling. Deren Klagen, wenn sie getroffen sind, kenne er.

Der alte Mann auf dem Hochstand lädt nach, schießt ein drittes Mal. Erst dann hört er die Stimme seines Freundes: „Ach, Adolf.“ Der Schütze antwortet: „Mensch Jürgen, warum hast du denn kein Licht an?“ Die Antwort des sterbendes Mannes: „Es ist zu spät.“ – „Das waren seine letzten Worte“, erinnert sich der Rentner, der in seiner Konfusion erst eine knappe Stunde später den Notruf absetzt.
Viele Zeugen werden gestern gehört, vieles bleibt dennoch ungeklärt und widersprüchlich. Der an mehreren Krankheiten leidende Adolf B. korrigiert frühere Angaben, dass er schlecht höre. Er höre mit Hörgerät gut und habe trotz Augenoperation kurz vor dem Unglück über 90 Prozent Sehkraft.

Der Schatten einer Erle habe die Sicht eingeschränkt und verhindert, dass er seinen Freund von einem Frischling unterscheiden konnte. Aber den Marderhund habe er zuvor genau gesehen.
Die Witwe des Opfers ist in dem Prozess Nebenklägerin. Beide leben in dem 140-Seelen-Dorf Mahlenzien, in dem jeder jeden kennt. Der Kontakt ist abgebrochen.

Die Witwe berichtet, dass sie nach dem Unglück zusammengebrochen sei und seither nicht mit Adolf B. sprechen kann. Sie erschrickt, als sie hört, dass Adolf B. sein Haus seiner Tochter überschrieben hat.

Ihre Rechtsanwältin Heike Hase äußert sich verärgert, dass Adolf B. sein wichtigstes Eigentum angesichts der Schadensersatzansprüche außer Reichweite bringt. Daran änderten auch die monatlich 50 Euro nichts, die er seit April monatlich überweist – „ohne Schuldanerkenntnis“. Das Drama von Mahlenzien ist noch nicht beendet. Die Witwe klagt auf Schadensersatz. Allein die Beisetzung ihres Mannes hat 5000 Euro gekostet.

Von Jürgen Lauterbach

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