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Tödlicher Liebesrausch

Deutscher Jagdverband: Gefahr der Wildunfälle steigt Tödlicher Liebesrausch

Mit den Tieren ist es wie mit den Menschen. Lockt das Weib, folgt der Kerl seiner Natur, eilt schnurstracks zur Holden und wird unachtsam. Für manche Tiere kann dies indes lebensgefährlich werden.

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Die Polizei hilft weiter: Bei jedemWildunfall sollten die Ordnungshüter gerufen werden. Sie informieren den Jagdpächter. FOTOS: DJV-BÖRNER/HESSE

Quelle: DJV-Börner/Hesse

Mittelmark. Aktuell steht das Rehwild an. Der Hochsommer ist Paarungszeit für Rehe. Die Ricke duftet reizvoll und fiept verlockend. Der Bock wird brünftig, er hat Bock und fackelt nicht lange. Dass zwischen ihm und ihr eine Straße verläuft, bemerkt das Wild oft zu spät. "Die Gefahr für Wildunfälle steigt massiv an", meldet der Deutsche Jagdverband und mahnt die Kraftfahrer zur mehr Vorsicht.

Die Blattzeit, wie die Paarungszeit der Rehe im Jägerjargon heißt, ziehe sich bis Mitte oder Ende August. "Dann geht es nahtlos mit anderen Wildarten weiter", sagt Karl-Heinz Hohmann, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Brandenburg/Havel. Im September setze die Brunft der Rothirsche ein. "Da kann man zum Beispiel in der Pritzerber Gegend das Röhren hören." Im Oktober knört der Damhirsch und ruft die paarungswilligen Weibchen zu sich. "Und mit den ersten Frösten Ende November beginnt die Rauschzeit beim Schwarzwild", erläutert Hohmann. Dann wollen Keiler und Bache für Nachwuchs sorgen.

Beim Rehwild ist es nicht allein der Weg zu ihr, der für den liebestollen Bock zur tödlichen Gefahr werden kann. "Hat er seine Herzensricke gefunden, treibt er die Auserwählte schnaubend kilometerweit durch Wald und Feld", erläutert Torsten Reinwald, Pressesprecher beim Deutschen Jagdverband. Dieses Gerenne, das mehrere Stunden dauern kann, mache vor Straßen nicht halt. Das temporeiche Spiel ist übrigens kein Vergnügen. "Das Treiben fördert bei der Ricke den Ei-Sprung", erklärt Reinwald.

Bewegung in Wald und Feld bringen auch Revierkämpfe. Mancher Bock sucht seine Ricke im Revier eines anderen. "Heftige Kämpfe sind möglich, bei denen einer der Böcke vertrieben wird", sagt der Pressesprecher.

Vorsicht vor Rehen, Hirschen und Wildschweinen

  • In den Abend- und Nachtstunden laute die Devise auf den Landstraßen: „Runter vom Gas“, sagt Heiko Schmidt, Pressesprecher der Polizeidirektion West in Brandenburg/Havel. Ab 60 bis 70 Stundenkilometern nehme das Wild die Kraftfahrzeuge nicht wahr. „Die Trägheit des Auges“, begründet Schmidt dieses Phänomen.
  • Im Dunkeln sollte man ohnehin nur so schnell fahren, wie man in der Distanz des Lichtkegels auch bremsen kann. „Bei einem Lichtkegel von 20 Metern sind 100 Stundenkilometer einfach zu schnell“, ist Schmidt überzeugt.
  • Sollte es wirklich unvermeidbar sein, „sollte man dem Tier auf der Straße nicht ausweichen“, rät der Polizeisprecher. Also: Bremsen, das Lenkrad fest im Griff haben und die Spur halten.
  • Das plötzliche Verreißen berge die Gefahr, das Auto gegen einen Baum zu fahren. Der Schaden an Mensch und Fahrzeug sei größer.
  • Bei Unfällen mit Haarwild (Rehe, Wildschweine, Füchse und dergleichen) trete in der Regel die Kasko-Autoversicherung ein, sagt Jäger Karl-Heinz Hohmann. Wer einem Tier ausweicht und das Auto gegen einen Baum setzt, habe es mitunter schwer nachzuweisen, dass ein Tier die Ursache war.
  • Kommt es zum Zusammenstoß , muss der Autofahrer die Polizei verständigen. „Wir informieren den Jagdpächter, der sich um den Kadaver oder das verletzte Tier kümmert“, sagt Schmidt.
  • Ein vom Auto getötetes Wildschwein einfach mitzunehmen, wie vor einiger Zeit bei Oberjünne geschehen, ist verboten. „Das ist Wilderei“, sagt Hohmann. Das Tier gehört dem Jagdpächter.
  • Sollte das angefahrene Tier flüchten, „muss der Jagdpächter für die Nachsuche sorgen“, sagt Hohmann. Ausgebildete Jäger suchen das verletzte Tier, bis sie es finden und von den Qualen erlösen können.

Für Kraftfahrer bedeute dies, noch aufmerksamer durch die Gegend zu fahren. Im Winter, wenn die Bäume und Büsche kahl sind, könne man das Wild eher erkennen, weiß Jäger Hohmann. "Jetzt steht es am Straßenrand und man sieht es erst im letzten Moment." Für ihn sei klar: "Jeder braune Fleck am Straßenrand kann eine Gefahr sein."

Die moderne Technik mache es dem Wild immer schwerer, Autos eher zu erkennen. "Die Fahrzeuge werden immer leiser", sagt Hohmann. Oft nähmen die Rehe und Wildschweine das Auto erst wahr, wenn sie auf der Straße stehen. "Rehe schauen wie gebannt in die Autolichter." Oft habe er erlebt, dass das Tier am Straßenrand steht und kurz vor ihm hinüber läuft. "Es hat mein Auto nicht wahrgenommen."

Die beste Vorsorge gegen Wildunfälle mit schweren Folgen sei eine möglichst defensive Fahrweise und vorausschauendes Denken. "Ich sollte mich ständig mit dem Gedanken beschäftigen: Was kann hinter der nächsten Kurve passieren?", erläutert Hohmann. Ein Autofahrer, der sich auf Wildwechsel einstellt, reagiere in solchen Situationen umsichtiger. "Der reißt das Lenkrad nicht gleich herum und fährt gegen einen Baum."

Von Heiko Hesse

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