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Brandenburg/Havel Improvisierte Ambulanz muss schließen
Lokales Brandenburg/Havel Improvisierte Ambulanz muss schließen
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12:12 14.04.2016
Sozialarbeiterin Kristin Behrend und Internist Alexander Schmidtchen können die Praxisfahne einrollen. Quelle: Lauterbach
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Brandenburg/H

Die erste transkulturelle Arztpraxis in einem Brandenburger Flüchtlingsheim ist seit Mittwoch erest einmal Geschichte. Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KV) sieht bei allem Bemühen keine Möglichkeit, dass diese unbürokratische ärztliche Erstversorgung an Ort und Stelle weiterlaufen kann. „Eine sehr enttäuschende Nachricht für uns“, sagt Internist Alexander Schmidtchen, der am Montag das letzte Mal Patienten in der früheren Rolandkaserne untersuchte.

Wie berichtet, sind die Notaufnahmelager für Flüchtlinge in der Stadt Brandenburg aufgelöst, seit mehrere hunderte Menschen aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern, seit Anfang März in die Wohnblöcke der einstigen Rolandkaserne umgezogen sind.

Notaufnahmelager kommt nicht

Seither untersucht und behandelt Alexander Schmidtchen die Bewohner, unterstützt von Sabine Harms und von Dolmetschern. Der Oberfeldarzt ist von Hause aus Internist, leitete vor seinem Wechsel nach Brandenburg die internistische Ambulanz des Bundeswehrkrankenhauses in Ulm.

Der Plauer Arzt Dirk Harms hatte die transkulturelle Praxis mit seiner Frau Sabine Harms aufgebaut. Mit einer Grippeschutz-Impfaktion in allen Heimen hatten Harms und Schmidtchen im vergangenen Herbst begonnnen und waren anschließend als mobile Praxis mit Arztkoffer von Heim zu Heim gefahren.

Plauer Arzt baute die Praxis unkompliziert auf

Seit dem Umzug in die Rolandkaserne managen das Ehepaar Harms, Alexander Schmidtchen und die Dolmetscher dort die improvisierte transkulturelle Arztpraxis, die ähnliches leistet wie ein Hausarzt. „Dinge wie Schnupfen, Husten und Heiserkeit werden sofort behandelt, ernsthafter erkrankte Patienten an die richtigen Fachärzte überwiesen“, erklärt Sabine Harms.

Das Netzwerk funktionierte ebenso gut wie die Zusammenarbeit mit dem städtischen Sozialamt und den Heimbetreibern. An zwei bis drei Tagen in der ’Woche war die Praxis für drei Stunden geöffnet. in den vergangenen Wochen kamen rund 300 Patienten zu Doktor Schmidtchen, auch Frauen und Kinder. Das Vertrauen ist gewachsen, auch wenn die Umstände oft abenteuerlich sind.

Wildwuchs im Land Brandenburg

Die ärztliche Versorgung ist im Asylbewerberleistungsgesetz geregelt. Doch was die praktische Umsetzung angeht, herrscht im Land Brandenburg „Wildwuchs“, wie KV-Brandenburg-Sprecher Christian Wehry es ausdrückt.

Potsdam-Mittelmark ist laut Wehry die bisher einzige Kommune im Land, die mit der KV den Behandlungsumfang und die Vergütung geregelt hat.

Mit dem Gesundheitsministerium laufen Verhandlungen der KV über einen Rahmenvertrag für Flüchtlinge. Dieem müssten, sobald er vorliegt, die Kommunen beitreten.

Das Ehepaar Harms versucht, den gemeinnützigen Verein „Sprachkultur“ auf den Weg zu bringen. Bestandteil könnte ein Zweckbetrieb zur Patientenversorgung sein. Derzeit prüft das Finanzamt die Satzung auf die Gemeinnützigkeit hin.

In Bremen und Hamburg läuft schon jahrelang das „Bremer Modell“. Asylbewerber erhalten ein Gesundheitskärtchen. Die Behandlungskosten erstattet der Staat der beauftragten Krankenkasse.

„Manchmal steht die ganze Familie im kleinen Behandlungszimmer, alle und der Dolmetscher reden durcheinander“, erzählt der Flüchtlingsarzt. Ein anderes Mal klappte die Verständigung nur, weil zwei Dolmetscher für einen russisch sprechenden Bewohner anwesend waren. Der eine konnte Russisch und Fasi (Persisch), der andere Fasi und Englisch.

Aber irgendwie funktionierte die improvisierte Ambulanz im Heim. Damit wurde beispielsweise verhindert, dass eine Bewohnerin nach einem dritten Schwächeanfall erneut mit Blaulicht im teuren Rettungswagen in die Klinik gefahren werden musste.

Improvisierte Ambulanz funktionierte gut

Doch mit der einfachen Lösung ist vorerst Schluss. Wie Harms und Schmidtchen berichtet, sieht die KV Brandenburg keine Möglichkeit, eine Kassenzulassung an die transkulturelle Praxis zu vergeben. „Die KV hat sich bemüht, aber die Gesetze geben keine Lücke her“, erklärt Sabine Harms. „In der Folge können wir mit den Krankenkassen nicht abrechnen und damit bricht alles weg.“

Heimleiter Hartmut Donth bedauert die Schließung: „Unsere Bewohner verlieren ihre Vertrauensperson und wir Sozialarbeiter sind künftig den halben Tag damit beschäftigt, Arzttermine zu organisieren und Dolmetscher herbeizuschaffen.“

„Wir haben eine Sondersituation und brauchen dafür eine unkonventionelle Lösung“, fordert Sabine Harms.

Von Jürgen Lauterbach

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